Politik

Trauer um Staatsmann Gorbatschow "Dieses Vermächtnis werden wir nie vergessen"

Kurz nach Bekanntwerden von Michail Gorbatschows Tod gibt es erste Reaktionen. Von Ursula von der Leyen über Boris Johnson bis hin zu Bundespolitikern stehen dabei seine Verdienste für Frieden und Freiheit in Deutschland und Europa im Mittelpunkt.

Der Tod des früheren sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow hat weltweit Trauer ausgelöst.

US-Präsident Joe Biden würdigte Gorbatschow als einen "Mann mit einer bemerkenswerten Vision". Dieser habe sich in der Sowjetunion nach Jahrzehnten brutaler politischer Unterdrückung für demokratische Reformen eingesetzt. "Dies waren die Taten einer außerordentlichen Führungspersönlichkeit - einer, die die Vorstellungskraft besaß, eine andere Zukunft für möglich zu halten, und den Mut hatte, ihre gesamte Karriere zu riskieren, um dies zu erreichen. Das Ergebnis war eine sicherere Welt und größere Freiheit für Millionen von Menschen."

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stellte die Bedeutung des ehemaligen sowjetischen Staatschefs Michail Gorbatschow für Europa heraus. "Er spielte eine entscheidende Rolle bei der Beendigung des Kalten Krieges und dem Fall des Eisernen Vorhangs", schrieb von der Leyen auf Twitter. Sie bezeichnete Gorbatschow als Führungspersönlichkeit, die zuverlässig und geachtet gewesen sei. "Er ebnete den Weg für ein freies Europa. Dieses Vermächtnis werden wir nie vergessen."

UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich "zutiefst traurig" über den Tod Gorbatschows. Dieser sei ein "einzigartiger Staatsmann" gewesen, der den Lauf der Geschichte verändert habe, ließ Guterres mitteilen. "Er hat mehr als jeder andere dazu beigetragen, den Kalten Krieg friedlich zu beenden." Der 73-jährige Portugiese sprach der Familie Gorbatschows und der Bevölkerung Russlands sein Beileid aus. Die Aussage des Friedensnobelpreisträgers, dass Frieden nicht Einheit in Gleichartigkeit, sondern Einheit in Vielfalt sei, habe dieser mit seiner Politik in die Praxis umgesetzt.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron würdigte Gorbatschow bei Twitter als "Mann des Friedens, dessen Entscheidungen den Russen den Weg zur Freiheit eröffnet haben". Macron fügte hinzu: "Sein Engagement für Frieden in Europa hat unsere gemeinsame Geschichte verändert."

Der britische Premierminister Boris Johnson twitterte: "Ich habe immer den Mut und die Integrität bewundert, die er gezeigt hat, indem er den Kalten Krieg zu einem friedlichen Ende brachte." Zudem stellte er Gorbatschow dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gegenüber. "Zu einer Zeit von Putins Aggression in der Ukraine bleibt sein unermüdliches Engagement für die Öffnung der sowjetischen Gesellschaft ein Vorbild für uns alle", schrieb Johnson.

Auch Russlands Präsident Wladimir Putin selbst drückte sein tiefes Beileid aus. Die Nachrichtenagentur Interfax zitierte Putins Sprecher Dmitri Peskow. Putin werde der Familie am Mittwochmorgen ein Telegramm schicken, kündigte Peskow an. Es sei der "Autor eines neuen Denkens" gestorben, der dem Land und der Welt damals ein neues Atmen ermöglicht habe, meinte der Chef des russischen Rechnungshofes, Alexej Kudrin, in seinem Kanal bei Telegram.

Auch deutsche Bundespolitiker würdigten in ersten Reaktionen Gorbatschows Bedeutung für die Bundesrepublik und insbesondere für die Wiedervereinigung. Ohne Gorbatschow "wären die friedlichen Revolutionen in den Ländern des Ostblocks, bei uns, so nicht denkbar gewesen", schrieb die Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt von den Grünen auf Twitter. "Seine Worte haben uns, haben mich, ermutigt, stark gemacht."

Deutschland habe Gorbatschow viel zu verdanken, schrieb Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger von der FDP ebenfalls auf Twitter. "Er leitete das Ende des kalten Krieges ein, ermöglichte Deutschlands Wiedervereinigung und schenkte seinem Land ein demokratisches Momentum. Ein mutiger Überzeugungstäter, dessen Stimme fehlen wird."

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir von den Grünen äußerte sich ähnlich und fügte hinzu: "Sein Tod bedrückt. In dieser Zeit noch mehr. Danke & #RIP".

CDU-Chef Friedrich Merz schrieb auf Twitter: "Die CDU trauert um einen Staatsmann, dem Deutschland vertrauen konnte und der uns vertraut hat." Ohne ihn wäre "die deutsche Einheit in Freiheit" nicht möglich gewesen.

Grünen-Politiker Jürgen Trittin twitterte: "Ich verneige mich vor einem großen Politiker des Friedens Michael #Gorbatschow RIP".

"Kann ein einzelner Mensch die Welt verändern?", fragte der ehemalige CDU-Chef Armin Laschet auf Twitter und antworte sogleich selbst: "Ja. Er kann. Keine Gewalt, keine Panzer, Abzug von 350.000 sowjetischen Soldaten aus Deutschland. Freiheit für Millionen in Mittel-Osteuropa. Deutsche Einheit. Undenkbar ohne Michail Gorbatschow."

Gesundheitsminister Karl Lauterbach zitierte Laschets Tweet und stimmte dem CDU-Politiker "uneingeschränkt" zu. "Ich erinnere mich noch an das erste Porträt, das ich über Gorbatschow gelesen habe, 1987. Von Anfang an war klar, dass er die Welt verbessern könnte. Es ist ihm gelungen", schrieb der SPD-Politiker.

Quelle: ntv.de, jog/dpa/AFP/rts

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