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Kriegstag im Überblick Explosionen erschüttern Krim - Moskau will Luftabwehr um AKW verstärken

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Nach Angaben Moskaus stammen die Explosionen von detonierter Munition.

(Foto: IMAGO/ITAR-TASS)

Am Nachmittag erschüttern mehrere schwere Explosionen die Halbinsel Krim. Moskau bestätigt anschließend mindestens ein Todesopfer, dementiert allerdings einen ukrainischen Angriff. Einen solchen wollen die russischen Truppen am Kernkraftwerk Saporischschja abwehren: Die Luftabwehr an dem AKW soll Berichten zufolge verstärkt werden. Das gilt nach Angaben des britischen Geheimdienstes auch für russischen Stellungen im Süden der Ukraine. Mehr als 3000 Zivilisten können die schwer umkämpfte Region Donezk im Osten des Landes verlassen. Der 167. Kriegstag im Überblick.

Heftige Explosionen erschüttern Krim

Bei mehreren Explosionen auf dem russischen Militärflugplatz Saki auf der annektierten Halbinsel Krim ist nach Angaben der Behörden ein Mensch ums Leben gekommen. Laut dem russischen Verteidigungsministerium war auf dem Gelände Munition explodiert. Das Lager sei weder beschossen noch bombardiert worden, heißt es aus Moskau. Ein ukrainischer Insider widerspricht: In der "New York Times"gibt der hochrangige Beamte an, dass der Militärflugplatz durch eine in der Ukraine entwickelte Waffe angegriffen wurde. "Von diesem Stützpunkt sind regelmäßig Flugzeuge für Angriffe auf unsere Truppen in der Südukraine gestartet", erläutert er den Anlass für die Attacke. Weitere Details verrät der Insider der Zeitung nicht.

Russen wollen Luftabwehr um AKW stationieren

Russland will die Luftabwehr rund um das besetzte Atomkraftwerk Saporischschja im Südosten der Ukraine verstärken. Dies kündigte der Chef der von Russland eingesetzten separatistischen Zivilverwaltung in der Region, Jewgeni Balizky, laut der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti an. Europas größtes AKW laufe normal, die beschädigten Stromverbindungen seien repariert worden, fügt er hinzu. Zuletzt hatten sich Russland und die Ukraine mehrfach gegenseitig vorgeworfen, das Kraftwerksgelände zu beschießen.

London: Russland verstärkt Stellungen im Süden

Russland hat nach britischen Angaben über das Wochenende vor allem seine Stellungen im Süden der Ukraine verstärkt. Gleichzeitig habe es seine Angriffe in der östlichen Donezk-Region fortgesetzt, teilt das britische Verteidigungsministerium unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse mit. In den vergangenen 30 Tagen sei Moskaus Achse im östlichen Bereich des ukrainischen Donbass am erfolgreichsten gewesen, auch wenn Russland dort nur etwa zehn Kilometer vorangekommen sei. In anderen Donbass-Sektoren, in denen Russland einen Durchbruch versucht habe, hätten die Streitkräfte im selben Zeitraum nicht mehr als drei Kilometer Boden gutgemacht. Das sei "ziemlich sicher weniger als geplant".

Ukraine bringt 3000 Zivilisten aus Region Donezk in Sicherheit

Die Ukraine hat mehr als 3000 Zivilisten aus der schwer umkämpften Region Donezk im Osten des Landes fortgebracht. In den vergangenen sechs Tagen seien mehr als 3000 Menschen in Sicherheit gebracht worden, darunter fast 600 Kinder und 1400 Frauen, teilte der Vizechef der Präsidialverwaltung, Kyrylo Timoschenko, am Dienstag mit. Die Evakuierung dauere an. Laut Timoschenko haben seit der russischen Invasion im Februar 1,3 Millionen Menschen die Region verlassen. Viele der nach ukrainischen Angaben noch verbliebenen rund 350.000 Bewohner - darunter 50.000 Kinder - zögern jedoch, da ihnen die Mittel zum Neuanfang fehlen und sie nicht wissen, wohin sie gehen sollen.

Steven Seagal besucht Oleniwka

Der frühere Actionstar Steven Seagal befindet sich derzeit offenbar im Donbass. Von ntv verifizierte Fotos in den sozialen Netzwerken zeigen den 66-Jährigen in der besetzten Stadt Oleniwka, wo der Schauspieler auch in den Ruinen des Gefängnisses posiert, in dem etwa 50 ukrainische Kriegsgefangene unter noch ungeklärten Umständen ums Leben kamen. Das russische Außenministerium hatte Seagal 2018 zum Sonderbeauftragter für die humanitären Beziehungen mit den USA ernannt. Kremlchef Putin pflegt seit mehreren Jahren eine Freundschaft zu dem Kampfsportler.

Erste türkische Militärtransporter in der Ukraine angekommen

Die Ukraine hat eigenen Angaben zufolge 50 Militärtransporter von der Türkei erhalten. Weitere 150 sollen folgen, wie ukrainische Medien berichten. Die gepanzerten Mannschaftstransporter vom Typ Kirpi sind mit Allradantrieb ausgestattet und können neben der Besatzung zwölf Soldaten transportieren. Die Türkei unterhält enge Beziehungen zur angegriffenen Ukraine - aber auch zu Russland.

Kreml empört sich über Selenskyj-Forderung

Russland hat Forderungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nach einem Reiseverbot für russische Staatsbürger in Europa scharf kritisiert. Die Aussagen seien "äußerst negativ" aufgenommen worden, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Die "Irrationalität des Gedankengangs" übersteige jedes Maß, kritisierte er in Moskau. Selenskyj hatte in einem Interview mit der "Washington Post" einen internationalen Reisebann für alle Russen gefordert, um Moskau von einer Annexion besetzter Gebiete abzuhalten.

Durch die Ukraine fließt kein russisches Öl mehr

Durch die Druschba-Pipeline fließt nach Angaben der Betreiberfirma kein russisches Erdöl mehr durch die Ukraine nach Europa. Die Lieferungen seien eingestellt worden, nachdem eine Banktransaktion aufgrund westlicher Sanktionen gegen Russland abgelehnt worden sei, erklärte das russische Staatsunternehmen Transneft. Über die Leitung werden vor allem Ungarn, die Slowakei und Tschechien versorgt. Die Druschba-Pipeline verbindet über eine weiter nördlich verlaufende Verbindung auch Russland mit Deutschland. Diese Pipeline führt über Belarus und Polen und endet in der brandenburgischen Grenzstadt Schwedt. Über diese Nordroute der Druschba werde weiter geliefert, so der Transneft-Sprecher.

Strack-Zimmermann: "Panzerhaubitzen sind im Dauerfeuer"

FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann wehrt sich gegen Kritik an den Waffenlieferungen der Bundesregierung. "Die Panzerhaubitzen, die wir geliefert haben, sind hervorragend", sagt sie im "Stern"-Podcast "heute wichtig". "Es wurden sogar welche nachgeliefert", erklärt die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestags weiter. Dass die Panzerhaubitzen bereits Verschleißerscheinungen zeigen, liege am häufigen Gebrauch: "Die Panzerhaubitzen sind im Dauerfeuer. Und jede Waffe, die im Dauerfeuer ist, muss zwischendurch gewartet werden."

Belarus kündigt Manöver der Luftwaffe an

Die Luftwaffe von Belarus startet nach Angaben der Minsker Regierung heute ein Manöver. Der erste Teil der Übung solle diese Woche noch bis Donnerstag in Belarus laufen, teilt das Verteidigungsministerium mit. Der zweite Teil sei zwischen dem 22. und 25. August in Russland auf der Übungsbasis Aschuluk geplant. Bei den Manövern werde auch scharfe Munition eingesetzt. Belarus ist ein enger Verbündeter Russlands. Seit dem Einmarsch in die benachbarte Ukraine kamen immer wieder Spekulationen auf, ob sich das Land an dem Krieg beteiligt. Von Belarus aus war ein Teil des russischen Militärs in die Ukraine eingefallen.

Weitere wichtige Texte zum Ukraine-Krieg:

Alle weiteren Entwicklungen können Sie in unserem Liveticker zum Ukraine-Krieg nachlesen.

Quelle: ntv.de, chr/dpa/AFP

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