Politik

Westlicher Reisebann für Russen? Kreml empört sich über Selenskyjs "Launen"

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Trotz Krieg dürfen sich Russinnen und Russen in Europa vergleichsweise frei bewegen.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Russland träumt davon, die besetzten Gebiete in der Ukraine zeitnah zu annektieren. Der ukrainische Präsident will dies mit einem generellen Reiseverbot für alle Russinnen und Russen unterbinden. Kremlsprecher Peskow und der frühere russische Präsident Medwedew sind empört.

Russland hat Forderungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nach einem Reiseverbot für russische Staatsbürger in Europa scharf kritisiert. Die Aussagen seien "äußerst negativ" aufgenommen worden, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Die "Irrationalität des Gedankengangs" übersteige jedes Maß, kritisierte er in Moskau. "Europa wird sich früher oder später fragen, ob Selenskyj alles richtig macht und ob seine Bürger für dessen Launen zahlen sollten. Jeder Versuch, Russland oder Russen zu isolieren, ist ein aussichtsloser Vorgang."

Auch der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew empörte sich. Er beschimpfte Selenskyj auf Twitter als "größten ukrainischen Clown" - und verglich ihn sogar mit NS-Diktator Adolf Hitler. Medwedew fällt seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine immer wieder mit abfälligen Bemerkungen über das Nachbarland auf. So stellte er in der Vergangenheit etwa das Fortbestehen der Ukraine, aber auch anderer früherer Sowjetrepubliken als souveräne Staaten infrage.

"Russen nehmen anderen ihr Land weg"

Selenskyj hatte in einem Interview mit der "Washington Post" einen internationalen Reisebann für alle Russen gefordert, um Moskau von einer Annexion besetzter Gebiete abzuhalten. "Die wichtigsten Sanktionen sind es, die Grenzen zu schließen, denn die Russen nehmen anderen ihr Land weg", sagte er der US-Zeitung am Montag. Die Russen sollten "in ihrer eigenen Welt leben, bis sie ihre Philosophie ändern".

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Hintergrund sind russische Pläne, sich besetzte Gebiete der Ukraine einzuverleiben. So wurde im südukrainischen Gebiet Saporischschja am Montag ein Referendum über einen Beitritt zur Russischen Föderation angekündigt. Ähnliche Pläne gibt es für das besetzte Gebiet Cherson.

Selenskyjs Äußerungen stoßen auch auf eine wachsende Diskussion in der EU, die Erteilung von Touristenvisa an russische Staatsbürger zu erschweren oder ganz einzustellen. Auch wenn der Reiseverkehr durch gekappte Flug- und Bahnverbindungen erschwert ist, sind im Sommer viele Russinnen und Russen trotz Krieges in die EU gereist. Russlands Nachbar Lettland hat seine Visa-Bestimmungen bereits verschärft. Finnland erwägt dies, fordert aber eine Lösung für den ganzen Schengen-Raum.

(Dieser Artikel wurde am Dienstag, 09. August 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, chr/rts/dpa

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