Politik

"Zu viel steht auf dem Spiel" Gorbatschow warnt vor neuem Wettrüsten

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US-Präsident Reagan und Parteichef Gorbatschow unterzeichneten 1987 den historischen INF-Vertrag.

(Foto: picture alliance/dpa)

In Brüssel beraten die Außenminister der Nato-Staaten darüber, welche Konsequenzen die Aufkündigung des INF-Vertrages haben könnte. Der ehemalige Präsident der Sowjetunion warnt eindringlich vor einem Aus der Vereinbarung.

Der russische Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow hat vor einem Aus des INF-Vertrags über das Verbot landgestützter atomar bestückbarer Mittelstreckenwaffen gewarnt. Es bestehe die Gefahr eines neuen Wettrüstens, schreibt der Ex-Sowjetpräsident in einem Beitrag der Moskauer Zeitung "Wedomosti". "Darunter leidet die Sicherheit aller Länder - die der USA eingeschlossen", mahnt er. "Und alle verstehen, dass eine neue Runde eines Raketen-Wettlaufs noch gefährlicher werden kann." Gorbatschow hatte den INF-Vertrag 1987 mit US-Präsident Ronald Reagan unterzeichnet.

Er sehe gefährliche zerstörerische Tendenzen in der Weltpolitik, schreibt der 87-Jährige weiter. So wollten die USA mit dem Ausstieg aus dem Abkommen ihr Streben nach "absoluter militärischer Überlegenheit" fortsetzen und sich von allen Einschränkungen in Rüstungsfragen lossagen. Gorbatschow rief die US-Politik auf, sich für eine Rettung des Abkommens einzusetzen. Die Kündigungsfrist läuft im August aus.

"Ich bedauere, dass die verschärfte innenpolitische Lage der vergangenen Jahre in den USA praktisch zu einem Ende des Dialogs zwischen unseren beiden Ländern auf ganzer Länge geführt hat - eben auch im Hinblick auf die Probleme der Atomwaffen", heißt es weiter. Zugleich bedauerte Gorbatschow, dass Bundesaußenminister Heiko Maas in Washington und Moskau keine Lösung des Problems habe erreichen können - "aber man muss weitere Anstrengungen unternehmen - zu viel steht auf dem Spiel".

Grund zur Panik gebe es dennoch noch nicht, meinte der auch als Vater der Deutschen Einheit bekannte Gorbatschow. Er sehe noch die Chance einer Einigung. In Brüssel wollten die Verteidigungsminister der 29 Nato-Staaten heute erstmals über mögliche Konsequenzen aus der Auflösung des INF-Vertrags beraten.

Quelle: ntv.de, psa/dpa