Politik

Afghanische Zivilisten getötet Hochzeitsgäste geraten zwischen die Fronten

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Das Videostandbild zeigt Hinterbliebene und Angehörige der Hochzeitsgäste, die von einem Armeeeinsatz betroffen waren.

(Foto: REUTERS)

Als die afghanische Armee einen Angriff auf einen mutmaßlichen Islamisten-Unterschlupf startet, wird auch ein Gebäude in der Nachbarschaft in Mitleidenschaft gezogen. Darin findet zu dem Zeitpunkt eine Hochzeitsfeier statt. Das Fest endet in einer Tragödie.

Bei einem Einsatz der afghanischen Armee gegen die Taliban sind mindestens 35 Gäste einer Hochzeitsfeier getötet worden. 13 weitere Zivilisten seien verletzt worden, sagte ein Mitglied der Regionalverwaltung. Ziel des Einsatzes in der südlichen Provinz Helmand am Sonntagabend sei ein Unterschlupf von Islamisten gewesen. Dabei sei aber auch eine Hochzeitsgesellschaft in einem benachbarten Gebäude unter Beschuss geraten.

Die Angaben zu dem Vorfall sind höchst unterschiedlich. Parlamentarier und Provinzräte aus Helmand sprachen von 15, 20 oder sogar 40 getöteten Zivilisten. Nach Auskunft des afghanischen Verteidigungsministeriums wurden bei dem Feuergefecht auch 22 Taliban getötet und 14 weitere festgenommen. Unter den Festgenommenen seien fünf Staatsbürger Pakistans und einer aus Bangladesch. Das Taliban-Gebäude sei genutzt worden, um dort Islamisten auf Selbstmordattentate vorzubereiten.

Ein hochrangiger Vertreter des US-Verteidigungsministeriums sagte hingegen, der Einsatz habe sich gegen Kämpfer der Extremistengruppe Al-Kaida gerichtet. Die versammelten "Al-Kaida-Figuren" hätten eine imminente Bedrohung dargestellt. Im Zuge der Operation seien mehrere Ausländer mit Al-Kaida-Verbindung festgenommen worden, darunter mehrere Personen aus Pakistan und eine aus Bangladesch.

Wegen heftiger Kämpfe seien "Präzisionsschläge" gegen die verschanzten Terroristen geführt worden, die auf die afghanischen und US-Streitkräfte gefeuert hätten, hieß es weiter. Man schätze, die Mehrheit der in den Gefechten Getöteten sei durch Al-Kaida-Waffen umgekommen oder durch die Explosion von gelagertem Sprengstoff. Eine Untersuchung sei eingeleitet worden.

Anschläge im Vorfeld der Wahlen

Die Taliban erklärten wiederrum, bei den Gefechten seien 18 afghanische Soldaten getötet worden. Die Armee habe mit US-Hilfe in der Nacht einen Luftangriff geflogen. Dann habe es am Boden Kämpfe mit den Taliban gegeben.

Trotz der unterschiedlichen Angaben steht fest: Der Vorfall war der zweite derart folgenschwere Militär-Einsatz binnen weniger Tage. Erst Mitte voriger Woche waren bei einem US-Drohnenangriff im Osten Afghanistans zahlreiche Zivilisten getötet worden. Ziel waren Kämpfer der Islamisten-Miliz IS. Stattdessen wurden US-Militärkreisen zufolge aber auch Anwohner getroffen, die gemeinsam mit den Extremisten Pinienkerne in einem Wald geerntet hätten. Mindestens 32 Menschen seien ums Leben gekommen, darunter auch Kinder.

Zuletzt waren Friedensgespräche zwischen den USA und den Taliban gescheitert. Seitdem haben die Kämpfe zwischen afghanischen Regierungstruppen und Taliban wieder zugenommen. Die Taliban verübten im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen am Samstag zuletzt auch wieder mehrere Selbstmordanschläge.

Quelle: ntv.de, fzö/rts/dpa