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Verdächtige festgenommen IS steuerte Kölner Rizin-Täter übers Netz

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Mitte Juni nahmen die Ermittler den Islamisten in Köln-Chorweiler fest.

(Foto: dpa)

Der in Köln festgenommene Tunesier hat laut Bundesanwaltschaft einen Anschlag mit hochgiftigem Rizin in Deutschland geplant. Sief Allah H. wollte demnach "an einem geschlossenen und belebten Ort" einen Sprengsatz mit einer Splitterladung zünden. Seine IS-Hintermänner steuerten ihn übers Netz.

Der in Köln festgenommene Rizin-Verdächtige hat nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft einen Anschlag an einem "geschlossenen und belebten Ort" geplant. Wie die Behörde mitteilte, wurde am 1. August der Haftbefehl gegen Sief Allah H. um den dringenden Tatverdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat erweitert. Auch der Versuch, sich einer ausländischen terroristischen Vereinigung anzuschließen, wurde in den Haftbefehl aufgenommen. Gegen seine Frau Yasmin H. war bereits zuvor Haftbefehl erlassen worden, weil sie ihrem Mann bei den Anschlagsvorbereitungen behilflich gewesen sein soll.

Der 29-jährigen H. hatte hochgiftiges Rizin hergestellt und soll den Bau einer biologischen Bombe geplant haben. Mitte Juni verhaftete ihn die Polizei und stellte große Mengen Rizinussamen in seiner Wohnung im Stadtteil Chorweiler sicher.

Wie die Bundesanwaltschaft mitteilt, strebten H. und seine Frau Yasmin an, sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien anzuschließen. H. habe zunächst erfolglos versucht, allein in dessen syrisches Gebiet auszureisen, sei aber "aus ungeklärten Gründen" daran gescheitert. Seine Frau war zunächst wegen Kindern aus einer früheren Ehe in Deutschland zurückgeblieben.

Nach seiner Rückkehr nach Köln habe H. dann versucht, Mitglied des IS zu werden und einen Treueschwur auf dessen Anführer geleistet. In einem Internet-Chat habe ihn dann eine bislang unbekannte Person aufgefordert, in Deutschland einen Anschlag gegen "Ungläubige" zu verüben. Im Frühjahr dieses Jahres habe H. dann den Entschluss gefasst, genau das zu tun.

Paar testete Gift an Zwerghamster

Übers Netz habe er sich über die Herstellung von Rizin beraten lassen und begonnen, die dafür notwendigen Samen zu kaufen. Im Mai soll er demnach über mehr als 3000 Samen verfügt haben. Als es dem Paar gelungen war, Rizin zu produzieren, hätten sie das Gift an einem Zwerghamster getestet, den sie zuvor in einer Tierhandlung gekauft hatten. Ende Mai hätte das Paar 84,3 Milligramm Rizin hergestellt.

Im Mai soll sich H. dann darüber informiert haben, wie man eine Sprengladung baut. Auch dabei sei er über einen Messenger-Dienst beraten worden. H. habe sich schließlich 250 Metallkugeln gekauft, um sie als Splittermaterial zu verwenden.

Derweil meldeten tunesische Behörden, dass dort zwei mutmaßliche Komplizen des ebenfalls aus dem nordafrikanischen Land stammenden Verdächtigen festgenommen wurden. Wie das Innenministerium in Tunis mitteilte, hatten die beiden Verdächtigen Verbindungen zu dem in Deutschland festgenommenen Tunesier.

H. soll auch Kontakt zu zwei arabischen Terrorverdächtigen in Frankreich gehabt haben. Wie der "Focus" Mitte Juli berichtete, sollen die beiden aus Ägypten stammenden Männer, die in Paris von der Polizei gestoppt wurden, eine Anleitung des IS zur Herstellung von Rizin genutzt haben.

Quelle: n-tv.de, vpe

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