Politik

Eine Impfsprechstunde pro Woche Im April herrscht weiter Knappheit

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Noch ist das so selten, dass darüber berichtet wird: Eine Arzthelferin im sächsischen Dippoldiswalde impf in einer Hausarztpraxis einen Patienten und wird dabei gefilmt.

(Foto: dpa)

Niedergelassene Ärzte sollen verstärkt in die Corona-Impfungen einbezogen werden, heißt es in einem Entwurf für den Impfgipfel. Trotz einer zusätzlichen Biontech-Lieferung reichen die Impfdosen vorerst nur für eine Impfsprechstunde pro Woche.

Bund und Länder wollen die niedergelassenen Ärzte verstärkt in die Impfkampagne einbinden. "Perspektivisch ist es erforderlich, dass sowohl die Impfzentren ihre Kapazität steigern, als auch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie Betriebsärztinnen und Betriebsärzte sich mit hohem Einsatz am Impfgeschehen beteiligen", heißt es in einer Beschluss-Empfehlung des Kanzleramts für den heutigen Impfgipfel von Bund und Ländern. Das Papier gibt den Stand von heute Vormittag 11 Uhr wieder.

"Im April werden die Impfstoffmengen jedoch noch knapp sein", heißt es weiter in dem Entwurf, der ntv vorliegt. Impfzentren sollen daher weiterhin vorrangig beliefert werden.

An der Priorisierung nach Alter und Vorerkrankung soll auch nach der Einbindung von niedergelassenen Ärzten und Betriebsärzten festgehalten werden. Bayern schlägt allerdings vor, die Priorisierung gemäß der Coronavirus-Impfverordnung nur als Empfehlung an Arztpraxen zu geben.

Lieferungen reichen für eine Impfsprechstunde pro Woche

Dem Plan zufolge sollen in der 14. Kalenderwoche, die am 5. April beginnt, 2,25 Millionen Impfdosen an die Impfzentren gehen und 1,0 Millionen Impfdosen an Arztpraxen. Während die Zahl der Impfdosen für die Zentren im April konstant bleibt, wächst sie für die Arztpraxen bis Ende April auf 3,17 Millionen Dosen. "Aufgrund der zunächst noch sehr geringen Liefermengen pro Woche in der Größenordnung von 20 Impfdosen pro Praxis für ca. 50.000 Hausarztpraxen (1 Mio. Dosen insgesamt) wird zunächst etwa eine Impfsprechstunde pro Woche ermöglicht." Daher erscheine es sinnvoll, "dass zunächst die jeweiligen Ärztinnen und Ärzte ihre besonders vulnerablen Patientinnen und Patienten hierzu gezielt einladen". Gesundheitsminister Jens Spahn sagte am Vormittag, mit den in den ersten Aprilwochen erwarteten Mengen "wird es in den Hausarztpraxen erstmal mit etwa umgerechnet einer Impfsprechstunde pro Woche beginnen können".

Weiter heißt es in dem Text, Bund und Länder "halten an dem Ziel fest, im Sommer allen Bürgerinnen und Bürgern ein Impfangebot machen zu können". Ab 15 Uhr wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten in einer Videokonferenz über die deutsche Impfstrategie beraten. Ursprünglich hätte der Impfgipfel am Mittwoch stattfinden sollen. Wegen der zwischenzeitlichen Absetzung des Impfstoffs von Astrazeneca hatte die Runde sich vertagt, um eine Entscheidung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) abzuwarten.

Umstritten ist dem Entwurf zufolge noch, ob einzelne Bundesländer auch im April noch nicht an der Einbindung der Arztpraxen teilnehmen. Eine "Opt-out"-Regelung steht in dem Text in eckigen Klammern, was bedeutet, dass es hier noch Diskussionsbedarf gibt. Eigentlich war zwischen den Gesundheitsministern von Bund und Ländern vereinbart worden, spätestens in der Woche vom 19. April mit den Impfungen in Arztpraxen auf breiter Front zu beginnen.

Grenzregionen erhalten mehr Impfdosen

Aus dem Entwurf geht weiterhin hervor, dass aus einer zusätzlichen Lieferung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer an Deutschland der größte Teil an Grenzregionen im Saarland, in Bayern, Sachsen und Thüringen gehen soll.

Insgesamt liefert Biontech 4 Millionen Dosen Impfstoff zusätzlich an die Europäische Union. Davon entfallen 580.000 Dosen auf Deutschland. "Diese sollen insbesondere für Hotspots und zur Abwehr von Virusmutanten eingesetzt werden".

In der 14. Kalenderwoche, die am 5. April beginnt, sollen 270.000 Impfdosen der zusätzlichen Biontech-Lieferung an die Impfzentren und die schon impfenden Arztpraxen gehen. Den Rest, 310.000 Impfdosen, bekommen das Saarland sowie Bayern, Thüringen und Sachsen. Diese Bundesländer leiden unter den hohen Infektionszahlen in Tschechien beziehungsweise in Frankreich, speziell im französischen Département Moselle. Die Menge der Impfdosen, die jeweils in diese Bundesländer geht, steht noch nicht fest.

Die Grenzregionen zu Tschechien sollen mehr Impfstoffe erhalten, "um den Infektionseintrag aus Tschechien nach Deutschland zu begrenzen", wie es im Entwurf für den Impfgipfel heißt. Im Saarland soll die Verbreitung der südafrikanischen Virusvariante in Deutschland begrenzt werden.

Quelle: ntv.de, hvo/fle

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