Politik

Russland und China warnen USA Israel in erhöhter Alarmbereitschaft

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Zwischen den Fronten in Bagdad: Ein Mitglied der irakischen Sicherheitskräfte hält vor der US-Botschaft Wache.

(Foto: dpa)

Der tödliche US-Luftschlag bei Bagdad versetzt eine ganze Weltregion in den Ausnahmezustand. Moskau äußert sich tief besorgt. Peking ruft die USA zur Zurückhaltung auf. Israel bereitet sich auf das Schlimmste vor.

Die Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani schürt weltweit die Sorgen vor einer weiteren militärischen Eskalation im Nahen Osten. Am Morgen nach dem US-Luftschlag befindet sich Israel in erhöhter Alarmbereitschaft. Verteidigungsminister Naftali Bennett berief ein Treffen mit dem Generalstabschef der Armee und weiteren Vertretern der Sicherheitskräfte ein. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu brach seinen Staatsbesuch in Griechenland ab. Er werde laufend über die aktuelle Lage unterrichtet, teilte sein Büro mit.

Laut Medienberichten fuhr Israel zudem die Alarmbereitschaft in seinen Auslandseinrichtungen hoch. Das Skigebiet am Berg Hermon nahe der Grenze zu Syrien bleibe nach einer Lageeinschätzung geschlossen, teilte die Armee mit. Es gibt Befürchtungen, dass gegen Israel gerichtete Racheakte von regionalen Verbündeten des Iran in Syrien, im Libanon oder aus dem Gazastreifen heraus erfolgen könnten.

International wächst die Besorgnis, dass der von US-Präsident Donald Trump angeordnete Angriff auf hochrangige iranische Militärs im Irak die Welt in einen neuen Krieg stürzen könnte. Der Vorfall erhöht nach Ansicht Russlands die Spannungen in der gesamten Region, teilte das russische Außenministerium der Nachrichtenagentur RIA zufolge mit.

Russland befürchtet weitere Gewalt im Irak. Dabei könnte es zu Zusammenstößen zwischen radikalen Schiiten und den USA kommen, sagte der prominente russische Außenpolitiker Konstantin Kossatschow der Agentur Interfax. "Kriege lassen sich leicht beginnen, aber nur schwer beenden", sagte der Chef des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat. Die Nachrichten aus dem Iran seien beunruhigend.

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US-Bürger sollen Irak verlassen

Der britische Außenminister Dominic Raab rief alle Seiten zur Deeskalation auf. "Wir haben die aggressive Bedrohung durch die iranischen Al-Kuds-Streitkräfte, die Ghassem Soleimani führte, stets wahrgenommen", sagte Raab. Ein weiterer Konflikt sei in niemandes Interesse. Ein Reporter des britische Nachrichtensenders Sky News berichtete unterdessen unter Berufung auf Verteidigungsquellen, das britische Militär habe die Sicherheitsvorkehrungen und Bereitschaft an seinen Basen im Nahen Osten als Reaktion auf den Vorfall erhöht.

Aus Peking hieß es, die Volksrepublik China verurteile die Anwendung von Gewalt in internationalen Beziehungen. China rief die beteiligten Länder - insbesondere die USA - dazu auf, Ruhe zu bewahren und eine weitere Eskalation der Lage zu vermeiden.

Die Regierung in Washington rief derweil US-Bürger dazu auf, den Irak umgehend zu verlassen. In einer Mitteilung der US-Botschaft in Bagdad wurde amerikanischen Staatsangehörigen die "sofortige Ausreise" empfohlen. US-Mitarbeiter von Ölfirmen verließen daraufhin das Land. Das irakische Ölministerium wies aber Meldungen zurück, dass auch ausländische Mitarbeiter von Ölfirmen den Irak verlassen würden. Die Produktion und der Export von Öl seien nicht betroffen, hieß es.

US-Marines gehen in Stellung

In US-Einrichtungen im Irak und der gesamten Golfregion bereiteten sich schwer bewaffnete Sicherheitskräfte auf die erwarteten Vergeltungsangriffe vor. In Bagdad selbst gingen Einheiten der US-Marines in Stellung. Von US-Luftwaffenbasen in Kuwait, Bahrein, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten aus stiegen Berichten zufolge Kampfjets auf, um den Luftraum über dem Persischen Golf zu überwachen.

Soleimani war in der Nacht zu Freitag bei einem von US-Präsident Donald Trump befohlenen Raketenangriff in Bagdad getötet worden. Der Iran kündigte Vergeltung an - in welcher Form, ist noch offen. Israel und der Iran sind seit Jahrzehnten verfeindet. Die Führung in Teheran hat wiederholt mit der Auslöschung Israels gedroht. In den vergangenen Monaten stellten Vertreter des iranischen Regimes zudem auch mögliche Vergeltungsschläge gegen den US-Verbündeten Israel in Aussicht. Israel wiederum sieht die islamische Republik und das iranische Atomprogramm als ernste Gefahr.

Das Ende Israels und "die Befreiung Palästinas" sind seit fast 40 Jahren die außenpolitische Doktrin des Iran. Zwar soll diese Feindseligkeit offiziell nur politisch und gegen die israelische Regierung gerichtet sein, aber die Aussagen einiger iranischer Politiker, Kleriker und Generäle drohen dem "Erzfeind Israel" in der Regel schlicht den "Tod" an.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa/rts