Politik

Trump ordnet gezielte Tötung an So lief der Luftschlag von Bagdad ab

Dramatische Entwicklung im Irak: Mitten in der Nacht schlagen am Flughafen von Bagdad mehrere Geschosse ein. Ziel ist ein Fahrzeugkonvoi mit hochrangigen iranischen Militärs, darunter der Chef der Al-Kuds-Brigaden. Was genau ist passiert?

Bei einem Luftangriff nahe der irakischen Hauptstadt Bagdad hat das US-Militär in der Nacht den wichtigsten Kommandeur des Iran im Ausland getötet. General Ghassem Soleimani soll US-Angaben zufolge als Chef der sogenannten Al-Kuds-Brigaden Angriffe auf US-Einrichtungen im Irak und in der Golfregion geplant und angeordnet haben. Die Al-Kuds-Brigaden sind eine Eliteeinheit innerhalb der iranischen Revolutionsgarden, die für die Auslandsoperationen des Militärs etwa im Irak oder in Syrien zuständig sind. Die USA stufen die Brigaden als Terrororganisation ein.

Soleimani war in Begleitung weiterer iranischer Militärkommandeure und seiner Leibwache in einem Fahrzeugkonvoi im Westen Bagdads unterwegs, als die US-Geschosse einschlugen. Bei dem nächtlichen US-Angriff nahe des Frachtterminals des Bagdader Großflughafens wurden mehrere Autos zerstört. Erste Bilder aus Bagdad zeigten zerfetzte Wracks und brennende Trümmer.

"Auf Weisung des Präsidenten hat das US-Militär entschiedene Verteidigungsmaßnahmen ergriffen, um US-Personal im Ausland zu schützen, indem es Ghassem Soleimani tötete", teilte das Pentagon in einer kurzen Stellungnahme mit. Der Schlag diene der Abschreckung künftiger iranischer Angriffspläne, hieß es. "Die USA werden alle erforderlichen Maßnahmen treffen, um unsere Bevölkerung und unsere Interessen zu schützen, wo auch immer in der Welt sie sich befinden." Zwischen Demokraten und Republikanern im US-Kongress entbrannte derweil eine Debatte darüber, ob Trump für den Angriff die Zustimmung des Parlaments benötigt hätte.

Tod am Flughafen

Neben Soleimani kam demnach auch der Kommandeur einer irakischen Schiiten-Miliz, Abu Mahdi al-Muhandis, ums Leben. Al-Muhandis führte die sogenannten "irakischen Volksmobilisierungskräfte" an, die mit Unterstützung aus Teheran gegen Anhänger des "Islamischen Staates" kämpften. "Der amerikanische und der israelische Feind sind für die Tötung der Mudschaheddin Abu Mahdi al-Muhandis und Ghassem Soleimani verantwortlich", sagte Ahmed al-Assadi, Sprecher der irakischen Miliz (PMF), der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Militärkommandeure befanden sich demnach auf dem Weg vom Flughafen Richtung Innenstadt. "Soleimani und Abu Mahdi al-Muhandis fuhren in einem Fahrzeug, als es von zwei aufeinanderfolgenden Lenkraketen getroffen wurde, die von einem amerikanischen Hubschrauber abgefeuert wurden, als sie vom Flughafen wegfuhren", schilderte ein irakischer Milizionär den Ablauf der Ereignisse. In einem zweiten Fahrzeug befanden sich demnach Soleimanis Personenschützer, die ebenfalls ums Leben kamen.

Anderen Angaben zufolge wurden die Lenkraketen von US-Kampfdrohnen vom Typ "Reaper" abgefeuert. Im Großraum Bagdad sind zudem auch US-Kampfhubschrauber vom Typ AH-64 "Apache" stationiert. Im Westen Badgdads waren Anwohnern zufolge in der Nacht mehrere laute Explosionen zu hören.

*Datenschutz

Soleimani soll vom Iran unterstützte Milizenführer aus Syrien am Bagdader Flughafen empfangen haben. "Amerikanische Kriminelle" sollen dem US-Militär detaillierte Informationen über den Aufenthaltsort Soleimanis und die Bewegungen des Konvois geliefert haben, hieß es aus Kreisen der Milizen. Nach Angaben der irakischen Polizei kamen bei dem Vorfall am Flughafen fünf Personen ums Leben. Neun weitere seien verletzt worden, hieß es. Die irakische Miliz sprach hingegen von sieben Toten.

Beobachter werten den Tod des ranghohen iranischen Generals als massiven Schlag gegen den Iran und die militärische Unterstützung schiitischer Einheiten in Syrien und dem Irak. Soleimani spielte eine Schlüsselrolle bei den Kämpfen gegen den "Islamischen Staat" und der wachsenden Einflussnahme Teherans in den Kriegsgebieten der Golfregion. Der General soll in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehrere Attentate westlicher, israelischer und arabischer Organisationen überlebt haben.

Gefährliche Spirale der Gewalt

In den vergangenen Tagen war es in Bagdad zu gewalttätigen Protesten vor der US-Botschaft gekommen. US-Präsident Donald Trump machte den Iran dafür verantwortlich und drohte mit Vergeltung. Auslöser der Ausschreitungen waren US-Luftangriffe auf die vom Iran unterstützte Schiiten-Miliz Kataib Hisbollah am vergangenen Sonntag, bei denen 25 Menschen getötet wurden. Die USA machen die Miliz für den Raketenangriff auf einen Militärstützpunkt im Nordirak verantwortlich, bei dem am Freitag ein US-Zivilbeschäftigter getötet und vier US-Soldaten verletzt wurden.

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Erhöhte Alarmbereitschaft in allen US-Einrichtungen der Region.

(Foto: imago images/UPI Photo)

In Reaktion auf die gezielte Tötung Soleimanis drohte der Iran den USA "massive Vergeltung" an. Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei schrieb in einem Beileidsschreiben, das im iranischen Staatsfernsehen zitiert wurde: "Soleimanis Weg wird auch ohne ihn weitergeführt, aber die Kriminellen erwartet eine schwere Rache." Der Tod Soleimanis werde den finalen Sieg des Islams gegen die Imperialisten nicht beeinträchtigen. Außerdem erklärte Chamenei landesweit drei Trauertage. Außenminister Mohammed Dschwad Sarif twitterte: "Die Ermordung General Soleimanis war extrem gefährlich und wird zu einer Eskalation der Krise führen."

Quelle: ntv.de, mmo/dpa/rts