Politik

Der Kriegstag im Überblick Kreml-Truppen rücken auf Lyssytschansk vor - G7-Staaten boykottieren russisches Gold

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Die ukrainischen Truppen leisten im Donbass erheblichen Widerstand. Allerdings sollen die russischen Soldaten nun auch auf Lyssytschansk vorrücken.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Nach der Eroberung von Sjewjerodonezk sollen die russischen Truppen direkt versuchen in Lyssytschansk einzudringen. In Kiew und anderen Regionen gibt es Tote und Verletzte durch den Beschuss mit Raketen. Erste G7-Staaten glauben an eine Wende im Krieg und boykottieren russisches Gold.

Nach der Eroberung von Sjewjerodonezk sollen die russischen Truppen direkt versuchen in die Nachbarstadt Lyssytschansk einzudringen. In Kiew und anderen Regionen gibt es Tote und Verletzte durch den Beschuss mit russischen Raketen. Die Stadt Tscherkassy wird erstmals seit Kriegsbeginn bombardiert. Erste G7-Staaten glauben an eine Wende im Krieg und warnen vor Zugeständnissen an Wladimir Putin. Zudem wird mit Gold ein weiterer russischer Exportschlager von einigen westlichen Staaten boykottiert. Der 122. Kriegstag im Überblick

Russische Truppen dringen nach Lyssytschansk vor

Die Eroberung von Sjewjerodonezk ist für die russischen Truppen laut britischem Geheimdienst ein "signifikanter Erfolg". Die Stadt sei ein wichtiges Industriezentrum und liege strategisch günstig am Fluss Siwerskyj Donez. Doch die russischen Truppen wollen die Stadt offenbar nicht nur absichern, sondern direkt weiter auf die Partnerstadt Lyssytschansk, auf der anderen Flussseite vorrücken. Prorussische Separatisten sollen der Nachrichtenagentur Interfax mitgeteilt haben, dass sie bereits in die Stadt vordringen würden. Die Angaben lassen sich unabhängig nicht bestätigen.

Separatisten retten Zivilisten auf Chemiewerk

Zudem sollen die prorussischen Separatisten nach eigenen Angabe 250 Menschen aus den Luftschutzkellern der Chemiefabrik Azot gerettet haben. Die hatten sich dort, zusammen mit ukrainischen Soldaten, lange Zeit vor dem Beschuss durch russische Truppen in Sicherheit gebracht. Bereits am Samstag seien 200 Zivilisten aus dem Werk geholt worden, schreibt er im Nachrichtenkanal Telegram. Unklar ist aber, wohin sie gebracht wurden. Der ukrainische Militärgouverneur des Gebiets Luhansk hatte die Zahl der Zivilisten in den Schutzkellern des Chemiewerks vor dem Abzug der ukrainischen Truppen mit 568 angegeben.

Wohngebäude in Kiew getroffen

Auch in anderen Regionen der Ukraine setzt Russland seinen Beschuss fort. So wurde am Morgen ein mehrstöckiges Wohnhaus in Kiew getroffen. Die ukrainische Hauptstadt stand lange Zeit nicht unter Beschuss, wird nun aber wieder öfter ins Visier russischer Raketen genommen. Bei dem Beschuss und dem anschließenden Feuer kommt ein Mann ums Leben, mehrere Menschen werden verletzt, darunter sein siebenjähriges Mädchen. Die Feuerwehr hat lange Zeit Schwierigkeiten, die Feuer unter Kontrolle zu bekommen.

Stadt Tscherkassy erstmals bombardiert

Raketenangriffe soll es zudem in den Regionen Tschernihiw, Schytomir, Lwiw und Tscherkassy gegeben haben. Dabei seien nach russischen Angaben mehrere Ausbildungszentren der ukrainischen Armee getroffen worden. In der Stadt Tscherkassy gab es zwei Tote und mehrere Verletzte. Die Stadt am Dnipro mit knapp 300.000 Einwohnern war bisher von russischem Beschuss verschont geblieben.

Shoigu besucht russische Truppen in Ukraine

Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu soll in der Ukraine kämpfende russische Soldaten besucht haben. Das Verteidigungsministerium in Moskau veröffentlichte ein Video, in dem zu sehen ist, wie Schoigu in dunkelgrüner Militärkleidung aus einem Helikopter steigt und sich dann mit Militärs bespricht. Der Minister habe die Lage inspiziert und sich "Berichte der Kommandeure über die aktuelle Situation und die Handlungen der russischen Streitkräfte in den Haupteinsatzgebieten angehört", heißt es in einer angehängten Mitteilung. Zudem habe er einzelne Soldaten für ihren Einsatz in der "militärischen Spezialoperation", wie der Krieg gegen die Ukraine in Russland offiziell genannt wird, mit Orden ausgezeichnet. Wann und wo sich Schoigu in der Ukraine aufhielt, wurde nicht mitgeteilt.

Macron und Johnson sehen Chance auf Kriegswende

Auch wenn die Ukraine noch gar nicht zentrales Thema auf dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau in Bayern war, äußerten sich Gipfelteilnehmer bereits zum Konflikt mit Russland. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Boris Johnson etwa sehen die Chance auf eine Wende im Kriegsverlauf in der Ukraine. Der Krieg sei in einer "kritischen Phase", in der die Möglichkeit bestehe, "das Blatt zu wenden", erklärt die britische Regierung nach einem bilateralen Treffen von Johnson und Macron am Rande des G7-Gipfels auf Schloss Elmau. Johnson habe bei dem Treffen mit Macron ausdrücklich davor gewarnt, jetzt schon eine Verhandlungslösung für den Krieg mit zu großen Zugeständnissen an den Angreifer Russland anzustreben: "Jeder Versuch, den Konflikt jetzt beizulegen, würde anhaltende Instabilität schaffen und Präsident Putin in die Lage versetzen, souveräne Staaten und internationale Märkte dauerhaft zu manipulieren", heißt es in der britischen Erklärung.

Erste G7-Staaten boykottieren russisches Gold

Zudem verhängten Kanada, die USA, Japan und Großbritannien ein Einfuhrverbot für russisches Gold. Der britische Premierminister Boris Johnson will demnach bei dem Treffen großer Industriemächte die anderen Staaten drängen, sich dem Schritt anzuschließen, um Russland "weiter vom internationalen Finanzsystem zu isolieren". Nach Energieexporten sei Gold Russlands zweiter großer Exportschlager. Am Montag soll die russische Invasion der Ukraine dann im Zentrum der Beratungen stehen. Per Video wird dann auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zugeschaltet.

Bleibt EU dem G20-Gipfel fern?

Auch wenn der G7-Gipfel noch gar nicht beendet ist, gehen die Blicke bereits auf den G20-Gipfel voraus. Es stellt sich die Frage, ob die Europäische Union diesen boykottieren müsste, sollte Russlands Präsident Wladimir Putin daran teilnehmen. "Die erste Reaktion von uns allen ist der Gedanke, dass es natürlich schwierig sein wird, mit ihm an einem Tisch zu sitzen", sagt EU-Ratspräsident Charles Michel am Rande des G7-Gipfels in Elmau. Andererseits unterstütze man den Ansatz der internationalen Zusammenarbeit, und es stelle sich die Frage, ob man die wichtige Gruppe der 20 (G20) "killen" sollte. Er hoffe, dass es einen gemeinsamen Ansatz beim Umgang mit dem Thema geben werde, fügt Michel hinzu und lässt erkennen, dass er kein Verfechter eines Boykotts ist.

Ägypten erhält viel zu wenig Weizen aus Indien

Mit sehr konkreten Sorgen aufgrund des Ukraine-Kriegs hat derzeit Ägypten zu kämpfen: Die Getreidevorräte werden knapp. Ägypten daher auch Weizen aus Indien beziehen und zudem die Ausbeute beim Mahlen erhöhen. Die nun zugesagte Lieferung aus Indien falle aber mit 180.000 Tonnen deutlich geringer aus als die im Mai vereinbarte Menge von 500.000 Tonnen, sagt Versorgungsminister Ali Mosselhi. Indien hat wegen geringer Ernte die Exporte beschränkt.

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Quelle: ntv.de, als/dpa/AFP/rts

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