Politik

US-Truppenabzug aus Syrien Kurden befürchten IS-Renaissance

98259476.jpg

Soldaten der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) bekämpfen seit Monaten den IS in Syrien.

(Foto: picture alliance / Morukc Umnabe)

Mit dem überraschenden Abzug des US-Militärs aus Syrien erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer türkischen Offensive gegen die dort kämpfenden Kurden. Deren Streitkräfte warnen nun vor unkontrollierbaren Folgen.

Nach der Ankündigung des US-Truppenabzugs aus Syrien haben die Kurden vor einem Wiedererstarken der IS-Terrormiliz und einer Massenflucht von Dschihadisten gewarnt. Die Entscheidung des Weißen Hauses werde sich negativ auf den Anti-Terror-Kampf auswirken, erklärte die Führung der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF). Sie gebe dem Terrorismus einen Schub, um sich wiederzubeleben. "Der Anti-Terror-Kampf ist noch nicht zu Ende", hieß es weiter. Vielmehr befinde er sich in einer entscheidenden Phase.

Ein SDF-Sprecher erklärte zudem, ein türkischer Angriff und Chaos im Land könnten dazu führen, dass Tausende Dschihadisten aus Gefangenenlagern entkommen. Diese Kämpfer könnten für deren Heimatländer zu einem "großen Problem" werden, sagte Abdel Karim Umar. Pläne, die IS-Anhänger absichtlich freizulassen, gebe es nicht.

Die von der Kurdenmiliz YPG angeführten SDF haben im Norden und Osten Syriens große Teile des ehemaligen IS-Herrschaftsgebiets eingenommen. Ihre Gefangenenlager sind gefüllt mit IS-Kämpfern und deren Familien, darunter viele Ausländer, auch aus Deutschland. Die US-Regierung hatte am Mittwoch überraschend den Truppenabzug aus Syrien verkündet und hat damit nach eigenen Angaben bereits begonnen.

Interpol glaubt an "Isis 2.0"

Damit könnte der Weg frei werden für eine neue Offensive, mit der die Türkei gedroht hat. Sie sieht in der YPG einen syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie. Bislang ist die YPG in Syrien aber auch wichtigster Partner der USA im Kampf gegen den IS. Im Osten des Landes unterstützen Luftangriffe der USA eine Offensive auf eine der letzten IS-Bastionen Syriens.

Interpol-Generalsekretär Jürgen Stock warnte vor einer zweiten Welle islamistischen Terrors. "Man könnte das auch Isis 2.0 nennen", sagte er am Mittwoch in Paris und nutzte dabei mit "Isis" die englische Abkürzung für den IS. Viele verurteilte Terror-Unterstützer säßen nur relativ kurze Gefängnisstrafen ab, weil sie nicht wegen eines konkreten Anschlags verurteilt worden seien. "Diese Generation der frühen Unterstützer wird in wenigen Jahren freigelassen", sagte er.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa

Mehr zum Thema