Politik

Neue Leitsysteme und Zentren Lauterbach will Struktur der Notaufnahmen "aufbrechen"

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Grünen-Fraktionsvize Maria Klein-Schmeink und der Gesundheitsexperte Armin Grau betonten die Bedeutung eines Erfolgs der Reform.

(Foto: picture alliance/dpa)

"Das Krankenhaus muss im Notfall nicht immer die erste Adresse sein", sagt der Bundesgesundheitsminister. Um Pflegekräfte dort zu entlasten, stellt eine von ihm eingesetzte Kommission nun Vorschläge vor. So sollen Notrufe anders weitergeleitet und neue Notfallzentren errichtet werden.

Die Notaufnahmen in den deutschen Krankenhäusern arbeiten vielerorts am Limit. Eine vom Bundesgesundheitsministerium eingesetzte Expertenkommission hat Vorschläge vorgelegt, um die Kliniken zu entlasten und eine funktionierende Notfall- und Akutversorgung rund um die Uhr sicherzustellen. Im Zentrum stehen der Aufbau eines neuen Leitsystems für Notrufe und die Einrichtung sogenannter integrierter Notfallzentren an mehr als 400 Krankenhäusern.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach begrüßte die Vorschläge als "gute Grundlage" für eine Reform. Der "Leitgedanke" dabei sei, "dass Versorgung dort stattfindet, wo sie medizinisch auch sinnvoll ist", erklärte Lauterbach. "Dafür müssen wir vorhandene Strukturen aufbrechen und neu ordnen."

Wer die Notfallnummer 112 oder die Nummern des ärztlichen Bereitschaftsdiensts (116117) wählt, soll künftig nach Empfehlung der Experten zunächst bei einer neuen integrierten Leitstelle (ILS) landen. Diese Leitstelle soll die Anruferinnen und Anrufer dann an die "für sie am besten geeignete Notfallstruktur" vermitteln, wie das Ministerium erklärte. Medizinisch qualifizierte Fachkräfte sollen die Leitstellen besetzen.

"Tresen" soll entscheiden

Diese Fachkräfte sollten dann eine standardisierte und wissenschaftlich fundierte Ersteinschätzung des Notfalls vornehmen, erklärte das Ministerium. So solle "eine Über- oder Unterversorgung von Notfällen verhindert werden" - also zum Beispiel Fälle, in denen Menschen in der Notaufnahme von Krankenhäusern landen, obwohl dies medizinisch gar nicht nötig ist. So sollten "die knappen Ressourcen optimal genutzt" werden.

Die neuen Leitstellen sollten rund um die Uhr erreichbar sein und auch eine telemedizinische ärztliche Hilfe sowie Terminvermittlungen anbieten, erklärte das Ministerium weiter. Damit sollten sie "für Betroffene so attraktiv sein, dass sie primäre Anlaufstelle in medizinischen Notfällen werden".

Der zweite Kernpunkt der Empfehlungen betrifft den Aufbau sogenannter integrierter Notfallzentren (INZ). Ein solches Zentrum soll aus der Notaufnahme eines Krankenhauses, einer Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung sowie einem "Tresen" als zentrale Entscheidungsstelle bestehen. Am "Tresen" soll entschieden werden, ob die Patienten wirklich in die Notaufnahme des Krankenhauses müssen oder besser in der Notfallpraxis behandelt werden.

"Endlich eine zentrale Anlaufstelle"

Die INZ-Zentren sollen an allen Krankenhäusern der erweiterten und umfassenden Notfallversorgung eingerichtet werden, von denen es derzeit nach Ministeriumsangaben rund 420 in Deutschland gibt. Für kinder- und jugendmedizinische Fälle sollen eigene Notfallzentren aufgebaut werden. "Patienten in Not schnell und effektiv zu helfen, ist Ziel einer guten Akutversorgung", erklärte Minister Lauterbach. "Das Krankenhaus muss im Notfall nicht immer die erste Adresse sein. Aber es muss im Notfall schnelle Hilfe anbieten können."

"Es ist gut, dass es jetzt auch bei der Reform der Notfallversorgung vorangeht, nachdem das Thema in der letzten Legislaturperiode nicht angepackt worden ist", erklärte die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Carola Reimann. "Die Patientinnen und Patienten brauchen endlich eine zentrale Anlaufstelle und eine Notfallversorgung aus einer Hand", hob sie hervor. Hierfür seien die geplanten integrierten Notfallzentren "der richtige Weg".

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) begrüßte, dass in den Reformempfehlungen anerkannt werde, "dass Neugeborene, Säuglinge, Kinder und Jugendliche im akuten Krankheitsnotfall eine spezifische ärztliche und pflegerische Expertise brauchen". Um dies auch außerhalb der Ballungsräume zu gewährleisten, sprach sich die DGKJ für eine stärkere Nutzung der Telemedizin aus.

Grünen-Fraktionsvize Maria Klein-Schmeink und der Gesundheitsexperte Armin Grau verweisen auf die Notwendigkeit eines Erfolgs der Reform. Scheitere diese, "dann folgt ein langsames, ungesteuertes Sterben vor allem der kleineren Krankenhausstandorte", warnten sie in Berlin. "Das würde insbesondere die wohnortnahe Versorgung auf dem Land gefährden."

Quelle: ntv.de, lve/AFP

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