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Nach Absage an erste Kandidatin Macron schlägt neuen EU-Kommissar vor

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Macron schlägt mit Atos-Chef Breton einen "Mann der Tat" vor.

(Foto: REUTERS)

Eigentlich will von der Leyen zum 1. November den Vorsitz der EU-Kommission übernehmen. Doch ihr Amtsantritt verschiebt sich, weil gleich drei Kommissionskandidaten scheitern. Frankreichs neuer Vorschlag bringt zudem das versprochene Geschlechtergleichgewicht ins Wanken.

Nach dem Scheitern seiner EU-Kommissionskandidatin Sylvie Goulard hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den ehemaligen französischen Wirtschaftsminister Thierry Breton als EU-Kommissar für Industrie und Binnenmarkt vorgeschlagen. Macron habe der künftigen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den "Vorschlag zur Ernennung von Thierry Breton als Mitglied der EU-Kommission übermittelt", teilte der Elysée-Palast mit. Breton solle die Industriepolitik in der neuen Kommission verantworten.

Der 64-Jährige ist derzeit Geschäftsführer des französischen IT-Unternehmens Atos. Zuvor war er Geschäftsführer von Thomson und France Télécom. Als Chef von France Télécom war Breton für die umfassende Sanierung und Privatisierung des Unternehmens verantwortlich. Unter dem kürzlich verstorbenen Präsidenten Jacques Chirac war er von 2005 bis 2007 Finanzminister. Breton sei ein "Mann der Tat", der die Industrie ganz genau kenne, erklärte das französische Präsidialamt. Die EU-Institutionen seien ihm gleichermaßen bekannt.

Der bisherige Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte sich mit einer Abschiedsrede bereits vom EU-Parlament verabschiedet. Seine Nachfolgerin von der Leyen sollte ursprünglich am 1. November an der Spitze der EU-Kommission übernehmen. Weil drei der Kommissionskandidaten am Widerstand im EU-Parlament scheiterten, wird sich die Amtsübergabe jedoch um mindestens einen Monat verzögern.

Die für das Verkehrsressort vorgesehene Rumänin Rovana Plumb und der designierte Erweiterungskommissar aus Ungarn, Laszlo Trocsanyi, waren wegen unklarer Finanzen und möglicher Interessenskonflikte abgelehnt worden. Die Französin Goulard war für das Großressort Industrie und Binnenmarkt vorgesehen und scheiterte unter anderem, weil gegen sie Ermittlungen in einer Affäre um Scheinbeschäftigung laufen. Sollte tatsächlich Breton ihren Platz übernehmen, wäre von der Leyen nicht in der Lage, das angekündigte Geschlechtergleichgewicht in der Kommission zu wahren.

Quelle: n-tv.de, ftü/AFP/rts

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