Politik

Ex-Kanzlerin spricht von "Zäsur" Merkel: Putins Drohungen "nicht als Bluff einstufen"

df29bafc67beaf595891e97f2c0afe0a.jpg

Solange Russland nicht in Europas Sicherheitsarchitektur einbezogen sei, "ist auch der Kalte Krieg nicht wirklich zu Ende", sagte Merkel.

(Foto: dpa)

Russlands Präsident Putin macht vielen Menschen mit seiner Atomdrohung Angst. Auch Ex-Kanzlerin Merkel findet, man solle diese "nicht von vornherein als Bluff einstufen". Sie plädiert dafür, auch an eine Nachkriegszeit zu denken. Friede in Europa sei "nur unter Einbeziehung Russlands" möglich, sagt sie.

Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel warnt davor, Drohungen im russischen Krieg gegen die Ukraine als Bluff abzutun. Der Angriff auf die Ukraine sei eine "tiefgreifende Zäsur" gewesen, sagte Merkel bei einem Festakt zum 77-jährigen Bestehen der "Süddeutschen Zeitung". Und zwar eine, "bei der wir alle gut beraten sind, Worte ernst zu nehmen und sich ernsthaft mit ihnen auseinander zu setzen und sie nicht von vornherein als Bluff einzustufen".

Merkel lobte die Position Deutschlands, der EU und der NATO, die Souveränität und die Integrität der Ukraine zu schützen und wiederherzustellen. "Damit kann, so meine ich, einhergehen, zugleich immer auch das im Moment so undenkbar Erscheinende mitzudenken, und zwar wie eine zukünftige Sicherheitsarchitektur im Rahmen des Völkerrechts entwickelt werden kann", heiße es laut Redemanuskript. Sie betonte erneut, dass ein dauerhafter Friede in Europa "nur unter Einbeziehung Russlands" erfolgen könne. "Solange wir das nicht wirklich geschafft haben, ist auch der Kalte Krieg nicht wirklich zu Ende."

Die heute 68 Jahre alte Merkel war zur Bundestagswahl im vergangenen Jahr nach 16 Jahren Kanzlerschaft nicht mehr angetreten. Sie tritt inzwischen von Zeit zu Zeit als Rednerin auf - unter anderem im September beim Stadtjubiläum in Goslar - und will im Herbst 2024 ihre Memoiren veröffentlichen, wie ihr Verlag kürzlich mitteilte.

Mehr zum Thema

Bei der Veranstaltung in München sprach Merkel auch über ihre Anfangsjahre in der Politik. Mit der Bezeichnung als "Kohls Mädchen" habe sie sich nicht wohlgefühlt, sagte sie. "Es war für mich kaum möglich, als eigenständige Person wahrgenommen zu werden." Dabei habe sie damals nach 35 Jahren in der DDR endlich ihrer eigenen Meinung Gehör verschaffen wollen. "Das empfand ich als ziemlich deprimierend."

Merkel war zu Beginn ihrer Karriere Bundesministerin für Frauen und Jugend im Kabinett des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl und wurde medial lange als "Kohls Mädchen" bezeichnet. Einer der ersten Artikel, der in den 1990er Jahren in der "Süddeutschen Zeitung" über sie erschienen sei, habe den Titel getragen: "Warum kennen wir Angela Merkel nicht?" Darin habe es geheißen: "Sie ist die jüngste Ministerin, die Deutschland je hatte - vielleicht auch die netteste", zitierte Merkel. "Wobei ich schnell merken sollte, dass es mit der Nettigkeit in der Politik so eine Sache ist."

Quelle: ntv.de, jog/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen