Politik

Endlich wieder Frieden Merkel hätte fast Drafi Deutscher gehört

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Merkel und Seehofer rufen Union auf dem Parteitag der CSU zur Geschlossenheit auf.

(Foto: picture alliance / Sven Hoppe/dp)

Vor zwei Jahren zertrümmert CSU-Chef Seehofer das Verhältnis zur Schwesterpartei CDU. Die Versöhnung ist mühselig. Auf dem CSU-Parteitag erlebt sie ihren vorläufigen Abschluss. Doch der Zwist hat Folgen.

Da stehen sie wieder: Horst Seehofer und Angela Merkel. Zusammen auf dem Podium eines CSU-Parteitags. Der bayerische Ministerpräsident hat das Wort und die geschäftsführende Kanzlerin lauscht. War da nicht was? Doch anders als vor zwei Jahren, als der CSU-Chef in einer 13-minütigen Rede die CDU-Chefin auf offener Bühne demütigte und einen Keil zwischen die Unionsschwestern trieb, ist der Besuch im bayerischen Nürnberg für Merkel diesmal ein Triumph. Die Watschn erhält Seehofer - von vielen der eigenen Delegierten.

Die Parteitagschoreografie meint es gut mit der CDU-Chefin. Die Machtübergabe von Seehofer an seinen Finanzminister Markus Söder ist erst für Samstag angesetzt. So unterbricht Merkels Auftritt nur eine zähe stundenlange Antragsdebatte im spärlich besetzten Tagungsraum. Ihr Einzug zu rhythmischem Klatschen in die schlagartig brechend volle Halle dauert drei Minuten. Am Rand drängeln sich jetzt selbst jene, die in den Vorräumen ihre Unternehmen und Verbände präsentieren. So ein Parteitag ist auch immer eine Leistungsschau der heimischen Wirtschaft.

Selten derart viel Zustimmung erhalten

"Liebe Freunde und Freundinnen der CSU", beginnt Merkel ihre gut 30-minütige Rede. "Ob Sie es glauben oder nicht, ich freue mich richtig, heute wieder bei Ihnen auf einem CSU-Parteitag zu sein." Die mehreren hundert Delegierten lachen. Merkel erhält zum ersten Mal Zwischenapplaus. "Die letzten zwei Jahre waren für uns alle nicht einfach", sagt Merkel, die wegen Seehofers Entgleisung angesichts unterschiedlicher Auffassungen in der Flüchtlingskrise im vergangenen Jahr die CSU nicht besucht hatte. Umgekehrt schwänzte Seehofer das CDU-Treffen. "Wir machen es uns nicht leicht." Und dann setzt sie den einzigen Rüffel: Das habe sich auch auf die Bundestagswahl ausgewirkt. Das Ergebnis nagt weiter an beiden Unionsparteien.

"Stark sind CDU und CSU immer dann, wenn sie einig sind", fährt Merkel fort. Wieder applaudieren die Delegierten. "Und dafür lohnt es sich zu ringen und zu arbeiten." Denn in großer Geschlossenheit hätten CDU und CSU auch für Jamaika verhandelt. "Das Ende ist bekannt. An uns lag es nicht." Und dann kommt Merkel in Fahrt: Leidenschaftlich wirbt sie für Steuerentlastungen, eine stärkere Anerkennung der Pflegeberufe, eine bessere ärztliche Versorgung gerade im ländlichen Raum, mehr innere Sicherheit und mehr Druck bei der Integration. Diese Rede trifft den Nerv der CSU-Basis. Es ist eine lebendige Wahlkampfrede - und selten wird sie derart viel Zustimmung erhalten haben. Beinahe jeder Punkt wird mit Applaus quittiert.

Doch Merkel richtet sich weniger an die Delegierten - auch wenn in Bayern im kommenden Herbst ein neuer Landtag gewählt wird. Ihre Worte gehen auch in Richtung SPD, nachdem diese sich zu Sondierungen durchgerungen hat. Sie habe vor diesem Beschluss "großen Respekt, wenn man bedenkt, welchen Weg die SPD seit dem 24. September", dem Wahlabend, zurückgelegt habe, sagt Merkel. Doch eines der Lieblingsthemen der SPD - die Bürgerversicherung - begräbt sie sogleich. Seehofer wird später daran erinnern, dass die Union dank der neuen Einigkeit in den Jamaika-Sondierungen all ihre Punkte aus dem Wahlprogramm durchbekommen habe.

Etwas Lob für die CDU

Am Ende wird Merkel wieder versöhnlich. Dafür muss der Barde Drafi Deutscher herhalten: "Fast hätte ich schon mal die Platte 'Marmor, Stein und Eisen bricht...' aufgelegt." Wieder herrscht Heiterkeit im überfüllten Saal. "Jetzt ist es fast wieder soweit." Es werde auch in Zukunft Reibereien geben, sagt sie zum Schluss. "Das kann auch bereichern. Den Zwist haben wir hinter uns." Dann brandet erneut Applaus auf. Etliche Kreisverbände erheben sich. Die CSU-Prominenz in den ersten Reihen gehört nicht dazu.

Und wie reagiert Seehofer? Als er neben Merkel auf der Bühne steht, lachen die Delegierten. Das Bild von vor zwei Jahren ist unvergessen. Der CSU-Chef spricht von einer Rede, für die er sehr danke. "Auch ich freue mich sehr, dass du hier bist." Doch ein zweites Mal zündet der Satz bei den Delegierten nicht. "Wir sind geschlossen wie lange nicht mehr", sagt er. "Das ist ein großer Wert." Es klingt fast zaghaft. Und dann sagt Seehofer, der sich morgen als Parteichef wiederwählen lassen will, etwas, dass wie eine Entschuldigung klingt - was er vehement verneinen würde. "Das Wahlergebnis war keine Freude." Seehofer aber verweist auch darauf, dass es nicht nur die Bundestagswahl in diesem Jahr gegeben hat. Auch in vier Ländern wurden neue Parlamente bestimmt. Und viermal ist die Union an der Regierung beteiligt - dreimal führt sie sie sogar an. Dass nirgends die CSU zur Wahl stand, spielt keine Rolle. Es könnte etwas Lob für die CDU gewesen sein. Im kommenden Jahr darf auch er wieder zum CDU-Parteitag.

Quelle: ntv.de