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Freitag, 07. Dezember 2018

Letzte Rede als Parteichefin: Merkel wünscht CDU "Fröhlichkeit im Herzen"

"Zusammenführen und zusammen führen": Unter diesem Motto steht der CDU-Parteitag. Die scheidende Vorsitzende Merkel erklärt, was sie unter diesem Ausspruch versteht. Nach 18 Jahren an der Spitze bereitet sie den Christdemokraten einen versöhnlichen Abschied.

Kanzlerin Angela Merkel hat die CDU in ihrer Abschiedsrede als Parteivorsitzende mit beschwörenden Worten zur Einigkeit aufgerufen. "Wohin uns nicht enden wollender Streit führt, das haben CDU und CSU in den letzten Jahren bitter erfahren", sagte Merkel auf dem CDU-Parteitag in Hamburg in ihrer letzten Rede nach 18 Jahren als Parteichefin. Wohin dagegen Einigkeit die Christdemokraten führe, sei auch klar: In den 70 Jahren der Bundesrepublik hätte die CDU in 50 den Bundeskanzler beziehungsweise die Bundeskanzlerin gestellt.

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Hintergrund für die mahnenden Worte Merkels dürfte die am Nachmittag anstehende Wahl der neuen Parteispitze gewesen sein. Dabei zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz ab. Mit Spannung wird erwartet, ob Gesundheitsminister Jens Spahn mit einem zweistelligen Ergebnis einen Achtungserfolg erzielen kann.

In der CDU gibt es die Sorge, dass sich nach der Kampfabstimmung die Gräben zwischen verschiedenen Flügeln der Partei vertiefen könnten. Merkel betonte vor diesem Hintergrund das von ihr bestimmte Motto des Parteitages: "Zusammenführen. Und zusammen führen." Nach 18 Jahren im Parteivorsitz und 72 Wahlkämpfen nach ihrer ersten Wahl im Jahr 2000 in Essen habe die CDU weiterhin als Volkspartei der Mitte den Führungsanspruch in Deutschland.

Die 64-Jährige erinnerte an das erste Parteitagsmotto, das sie im Jahr 2000 zu verantworten hatte: "Zur Sache." In selbstironischer Art zeichnete sie nach, dass sich damals wohl viele fragten, wo Wörter wie Deutschland, Zukunft, Werte und Sicherheit steckten. "Sache" sei so "typisch Merkel" gewesen. Doch es habe genau das ausgedrückt, was nötig gewesen sei. Nämlich die CDU aus der damaligen Spendenaffäre vom Boden zu heben.

Sichtlich gerührt: Angela Merkel nach ihrer letzten Ansprache als CDU-Chefin.
Sichtlich gerührt: Angela Merkel nach ihrer letzten Ansprache als CDU-Chefin.(Foto: REUTERS)

Die damalige Zeit war Merkel zufolge eine "Schicksalsstunde" für die Partei. Sie hätten "politisch, moralisch und finanziell vor dem Aus gestanden." Doch auch weil die Christdemokraten auf ihre eigenen Stärken vertrauten, konnte ein Erneuerungsprozess geschehen. "Wir haben zurück zur Sache gefunden."

Zusammenführen und zusammen führen

Viel Applaus erhielt Merkel, als sie die teils überraschenden Siege bei den Landtagswahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr hervorhob. Diese seien "der entscheidende Schlüssel" dafür gewesen, bei der Bundestagswahl 2017 Rot-Rot-Grün zu verhindern. "Wenn wir gemeinsam kämpfen, haben wir die Kraft, Trends umzukehren."

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Sie wünsche ihrer Partei, dass sie in Zukunft mit "Fröhlichkeit im Herzen" agiert, sagte Merkel in ihrer gut halbstündigen Rede. Das habe sie persönlich in der DDR und nach der Wende in Freiheit getan und werde das weiter so tun. Es gehe darum, dass die CDU Deutschland, Europa, die verschiedenen Generationen, Ost und West, Schwache und Starke, Stadt- und Land-Bewohner, Einheimische und Migranten sowie die eigene Partei zusammenführt. Gleichzeitig sollten die Mitglieder der CDU mit ihren Werten und ihrem Führungsanspruch zusammen führen.

Sie verdanke der CDU unendlich viele Stunden des gemeinsamen Nachdenkens und des Ringens um Antworten in einer komplexer werdenden Welt, so Merkel. "Sie haben mir gar nichts vorenthalten", sagte die Kanzlerin an die Adresse ihrer Parteikollegen. Sie selbst habe "so manchen scharfen Angriff auf den politischen Gegner" vorenthalten, sei nicht über jedes Stöckchen gesprungen. "Eure Nerven habe ich damit sehr auf die Probe gestellt", merkte sie selbstkritisch an.

"Mein überragendes Gefühl ist Dankbarkeit"

Für ihre Verbundenheit mit der Partei benötige sie keinen Vorsitz. "Bundeskanzlerin bin ich auch noch", sagte Merkel und erntete Lacher aus dem Publikum. Die CDU sei eine andere als noch bei ihrem Antritt als Vorsitzende im Jahr 2000 - "und das ist gut so". Die Partei dürfe nicht in die Vergangenheit blicken, sondern müsse Orientierung für die Zukunft bieten. "Wir Christdemokraten grenzen uns ab, aber niemals grenzen wir aus." Es werde gestritten, aber nicht gehetzt. Bei der Würde der Menschen mache die Partei keine Unterschiede. "Wir verlieren uns nicht in Selbstbeschäftigung", so Merkel, sondern "dienen den Menschen unseres Landes".

Zum Abschluss dankte sie dem kürzlich verstorbenen US-Präsidenten George H. W. Bush und Altkanzler Helmut Kohl für deren Mut und Engagement im Zusammenhang mit der Deutschen Einheit. Ohne sie wäre die CDU nicht die Partei, die sie heute ist. Ihr "überragendes Gefühl" sei Dankbarkeit für ihre Zeit an der Spitze. Nun solle ein neues Kapitel aufgeschlagen werden. "Es war mir eine große Freunde. Es war mir eine Ehre."

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Quelle: n-tv.de