Politik

Aufruf an Google, Facebook & Co Nawalny fordert "Werbekampagne" gegen Propaganda

Der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny kritisiert die Prozesse gegen ihn als willkürliche Inszenierungen.

Nawalny wurde zuletzt zu weiteren neun Jahren Haft verurteilt.

(Foto: Uncredited/Moscow City Court/dpa)

Der russische Krieg in der Ukraine ist auch ein Informationskrieg: Die Regierung von Präsident Putin unterdrückt unabhängige Medien und öffentliche Kritik. Der Oppositionelle Nawalny richtet sich nun an US-Internetriesen und westliche Regierungen - mit Werbeanzeigen sollten diese die Propaganda bekämpfen.

Der inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny hat westliche Regierungen und US-Internetkonzerne aufgefordert, eine "Informationsfront" in Russland zu eröffnen. In einer Botschaft an zahlreiche westliche Spitzenpolitiker und Meta-Chef Mark Zuckerberg schrieb Nawalny auf Twitter, sie sollten die "Propaganda" des russischen Präsidenten Wladimir Putin "mithilfe von Werbemöglichkeiten in den sozialen Medien zerschlagen". Er bekräftigte: "Wir brauchen Werbung, viel Werbung."

"Die Kombination aus wirklich verrückter Propaganda auf allen Kanälen rund um die Uhr, die Abschaltung und Blockierung unabhängiger Medien und Websites zeigt langsam Wirkung", schrieb er. "Tatsache ist, dass die Mehrheit der russischen Bürger eine völlig verzerrte Vorstellung davon hat, was in der Ukraine passiert."

Umfragen, wonach die Unterstützung für Putin in letzter Zeit zugenommen hatte, bezeichnete Nawalny allerdings als "Lügen". Russland habe "alle unabhängigen Medien, einschließlich der eher vorsichtigen, in nur anderthalb Monaten abgeschaltet und blockiert". Nawalny fragte: "Wäre das nötig gewesen, wenn der Krieg mit der Ukraine wirklich eine solche Unterstützung gehabt hätte?" Eine Umfrage Ende März sah die Unterstützung für Putin und den Ukraine-Krieg in der russischen Bevölkerung bei etwa 80 Prozent.

Appell an Biden und Johnson

Nawalny schrieb, dass die meisten Bürger Russlands nicht wüssten, was genau in der Ukraine geschehe. Putin führe in ihren Augen einen "kleinen, sehr erfolgreichen Krieg mit sehr wenig Blutvergießen". Die eigenen Soldaten würden als Helden verehrt und die Schuld an zivilen Kriegsopfern auf die "rücksichtslosen Nazis und den Westen" geschoben. Ein Sieg sei notwendig, um einen "dritten Weltkrieg zu verhindern", schrieb Nawalny in Bezug auf die Propaganda des Kremls.

Der Kreml selbst bezeichnet die Invasion der Ukraine als "militärische Spezialoperation". Medien ist es unter Strafandrohung verboten, den Krieg als solchen zu benennen. Die russische Regierung begründet den Einmarsch in die Ukraine unter anderem mit einer "Entnazifizierung" des Landes. Twitter, Instagram und die meisten unabhängigen Medien sind seit dem 24. Februar sukzessive von den Behörden blockiert worden.

"Ja, man kann sagen, dass sich viele, die der Propaganda glauben, gerne täuschen lassen", schrieb Nawalny. "Sie sind nicht bereit, auch nur die grundlegendsten Anstrengungen zu unternehmen, um eine alternative Meinung zu hören." Die Chance liege jedoch darin, dass der Großteil der Russen Youtube, Instagram, Whatsapp, Google oder Facebook weiterhin nutze - und das trotz der Sperrungen. Deshalb schlägt Nawalny eine "Werbekampagne" mit Anzeigen in diversen westlichen Onlinediensten vor. Er verweist darauf, dass das Verbreiten gewöhnlicher Posts durch Privatpersonen ebenfalls bestraft werden könne.

Der Kreml-Kritiker fordert unter anderem US-Präsident Joe Biden, den britischen Premier Boris Johnson und die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dazu auf, "Putins Propaganda" durch Werbung in den sozialen Medien zu "zerschlagen". Nawalny zeigt sich überzeugt: "Selbst wenn eine solche Werbung zum vollen kommerziellen Preis gekauft wird, werden ihre Kosten im Vergleich zum Preis dieses Krieges lächerlich sein."

Quelle: ntv.de, mbe/AFP

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