Politik

Bewachung rund um die Uhr "Nawalny ist nicht lebensmüde, aber ..."

Während deutsche Personenschützer den vergifteten Kreml-Kritiker rund um die Uhr abschirmen und die Kanzlerin seine Genesung genau verfolgt, glaubt Nawlnys engster Vertrauter nicht an einen zweiten Mordanschlag in Berlin. Erst nach seiner Rückkehr nach Russland wolle Nawalny sein Leben radikal umstellen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel lässt sich laufend über die Fortschritte bei der Genesung des vergifteten russischen Oppositionellen Alexej Nawalny berichten. Das erklärte der engste Vertraute Nawalnys, Leonid Wolkow, im Interview mit RTL und ntv.

Nach Informationen aus deutschen Regierungskreisen hat Merkel Nawalny während seine Krankenhaus-Aufenthaltes auch schon einmal besucht. Nawalny sei Deutschland und Merkel "sehr dankbar" für den Beitrag zu seiner Rettung, sagte Wolkow.

"Es gab viele verschiedene Mosaiksteine, die zu diesem Wunder beigetragen haben. Doch was Frau Merkel gemacht hat, war keine Kleinigkeit", sagte Wolkow. Die politische Debatte um die Folgen nach dem Anschlag dürfe allerdings nicht auf die umstrittene Nordsee-Gaspipeline Nord Stream 2 verengt werden, sagte Wolkow. "Was passiert ist, hat eine so große Bedeutung: Dass Russland im Jahr 2020 einen Oppositionellen mit einer chemischen Waffe vergiften lässt, ist viel wichtiger als eine Pipeline." Falls es zu einem politischen Gespräch mit der Bundeskanzlerin kommen sollte, "werden sie wahrscheinlich über viele Sachen sprechen, aber doch nicht über eine Pipeline", vermutete Wolkow.

Bleibende Schäden nicht ausgeschlossen

Über den Gesundheitszustand des Kreml-Kritikers berichtete sein Vertrauter, Nawalny erhole sich weiterhin in Berlin, habe das Krankenhaus mittlerweile verlassen, aber die Behandlung sei noch nicht abgeschlossen: "Die Genesung kam schneller als erwartet und die Ärzte sind sehr zufrieden." Dennoch könne die Charité bleibende Schäden durch die Nowitschok-Vergiftung derzeit noch nicht ausschließen.

Sorgen um die Sicherheit des Putin-Gegners in Deutschland machte sich sein Stabschef nicht. "Ich persönlich glaube nicht, dass ein weiterer Anschlag in Berlin bevorsteht", sagte Wolkow, aber Nawalny werde rund um die Uhr beschützt. "Der Personenschutz hat eine andere Meinung als ich. Er wird ziemlich stark bewacht."

Nach seiner Genesung wolle Nawalny wieder nach Russland zurückkehren. Er sei nicht lebensmüde, aber ihm sei klar, dass er seine politische Mission unmöglich vom Ausland aus weiterverfolgen könne. "Das ist ausgeschlossen", sagte Wolkow und ergänzte: "Er will zurück nach Russland und wir müssen nun durchdenken, wie das Leben in Russland künftig funktionieren kann." Auf jeden Fall werde Nawalny viel ändern. "Damit die Wahrscheinlichkeit eines zweiten Anschlags geringer wird."

Quelle: ntv.de, mau