Politik
Aydan Özoguz ist Integrationsbeauftragte der Bundesregierung.
Aydan Özoguz ist Integrationsbeauftragte der Bundesregierung.(Foto: imago/Stefan Zeitz)
Donnerstag, 07. September 2017

"Warum in Anatolien, warum ich?": Özoguz äußert sich zu Gauland-Attacke

Mit seiner abfälligen Aussage über SPD-Politikerin Aydan Özoguz bringt sich AfD-Spitzenkandidat Gauland Ende August wieder ins Gespräch: Seine Provokation zeigt Wirkung - auch bei Özoguz selbst, die "schwer schockiert" ist. Nun kontert die Hamburgerin.

AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland hat die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, mit seiner "Entsorgungs-Äußerung" tief getroffen. "Im ersten Moment ist man schon schwer schockiert", sagte die SPD-Politikerin in der ARD-Talksendung "Maischberger". Sie habe zunächst diese Verbindung nicht herausarbeiten können: "Warum in Anatolien, warum ich?" Die 50-Jährige wurde in Hamburg geboren - ihre Eltern kamen in den Sechzigern aus Istanbul nach Deutschland.

"Dieses Ausmaß wurde mir dann erst richtig bewusst im Laufe des Tages", erklärte die SPD-Politikerin. "Da hab ich schon gedacht, Mensch, was darf man alles in Deutschland sagen?" Klare Kritik übte Özoguz an den Verantwortlichen der WDR-Sendung "Hart aber fair", die Gauland viel Sendezeit eingeräumt hatten, um seine Äußerung zu erklären - und letztlich zu relativieren. "Da fragt man sich schon, was verändert sich in diesem Land?", so Özoguz. "Menschen, die so was machen, wollen ganze Gruppen ausgrenzen."

Gauland hatte Ende August auf einer Wahlkampfveranstaltung davon gesprochen, Özoguz in Anatolien zu "entsorgen". Er bezog sich auf einen Gastbeitrag der Integrationsbeauftragten für den "Tagesspiegel" im Mai, in dem sie geschrieben hatte, eine spezifisch deutsche Kultur sei jenseits der Sprache nicht zu identifizieren. "Das sagt eine Deutsch-Türkin", hatte Gauland in Thüringen erklärt. "Ladet sie mal ins Eichsfeld ein, und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist. Danach kommt sie hier nie wieder her, und wir werden sie dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen können."

Özoguz wirft Gauland Verfälschung vor

Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere Spitzenpolitiker hatten Gaulands Äußerung als "rassistisch" verurteilt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft im thüringischen Mühlhausen gingen zahlreiche Anzeigen gegen Gauland ein - darunter auch eine des früheren Vorsitzenden Richters am Bundesgerichtshof, Thomas Fischer. Der bekannte Jurist stellte Strafanzeige und Strafantrag wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen den AfD-Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl.

Özoguz warf Gauland in der Sendung auch vor, ihre Aussage über die "spezifisch deutsche Kultur" unzulässig verkürzt zu haben. Sie habe sich in ihrem Gastbeitrag zum Thema darauf bezogen, dass es in Deutschland sehr viele unterschiedliche regionale Kulturen gebe - und eben keine eindeutige Leitkultur. Vielmehr seien es Leitbilder und gemeinsame Werte, an denen sich die Gesellschaft orientiere. "Es wurde behauptet, dass ich gesagt habe, es gebe keine deutsche Kultur. Ich möchte ganz klar sagen: Das habe ich nie behauptet", so Özoguz.

Quelle: n-tv.de