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Mordaufruf gegen Salafisten Pierre Vogel steht auf IS-Abschussliste

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Steht Pierre Vogel womöglich bald selbst unter Polizeischutz?

picture alliance / dpa

Immer wieder wird dem deutschen Salafisten Pierre Vogel vorgeworfen, zur Radikalisierung junger Muslime beizutragen - doch dem Islamischen Staat ist der Ex-Boxer nicht radikal genug. Sie wollen Vogel, den "Abtrünnigen", tot sehen.

Der Islamische Staat (IS) hat zum Mord an dem bekannten deutschen Salafisten Pierre Vogel aufgerufen. In der neuesten Ausgabe des IS-Propaganda-Magazins "Dabiq" bezeichnet die Terrormiliz den 37-Jährigen als "Abtrünnigen", den es zu töten gelte. Offenbar sind die Islamisten der Ansicht, dass Vogel "den Komfort der westlichen Welt angenommen und ein friedliches Leben in den Ländereien der ältesten Feinde des Islams angenommen" hat. Der Artikel, zu dem auch ein Foto des deutschen Hass-Predigers veröffentlicht wurde, ist mit dem Aufruf "Tötet die Imame der Ungläubigen im Westen!" überschrieben.

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Ein Ausschnitt aus dem Magazin "Dabiq". Quelle: Facebook

Vogel hatte sich zuletzt kritisch über den IS-Terror in Europa geäußert. Nach den Anschlägen von Paris am 13. November 2015 hatte er via Facebook kritisiert, dass solche Anschläge laut Koran verboten seien. "Ich bin der Überzeugung, dass solche Anschläge haram sind, also Sünde", schrieb er. An seine Anhänger richtete er den Appell: "Haltet euch davon fern! Und wenn ihr wisst, dass jemand so etwas vorhat, dann haltet ihn auf." Mit diesen Äußerungen hat sich Vogel nun selbst in die Schusslinie der Islamisten gebracht.

Vogel wirbt mit IS-Drohung

Ein weiterer Artikel in der Hetzschrift ist den Attentätern von Brüssel gewidmet. Besonders Najim Laachraoui, der mutmaßliche Bombenbauer der Terrorzelle, wird glorifiziert. Er hatte sich gemeinsam mit Ibrahim El Bakraoui am 22. März im Brüsseler Flughafengebäude in die Luft gesprengt. Bei den Anschlägen starben insgesamt 32 Menschen. In dem Magazin droht der IS dem Westen mit weiteren Attentaten, die "noch niederschmetternder und noch bitterer" seien als die Terrorattacken in Paris und Brüssel.

Vogel selbst nutzt den Mordaufruf derweil für seine eigenen Zwecke. Auf Facebook ließ er einen Ausschnitt aus dem IS-Magazin als Argument gegen seine Kritiker teilen. Der Aufruf selbst wurde als "Thema für die Titelseite von Spiegel und Bild" bezeichnet. Vor allem bei radikaleren Salafisten in der Szene soll Vogel ein Glaubwürdigkeitsproblem haben. Dass er nun - übrigens gemeinsam mit mehreren liberalen Imamen auch aus den USA, Kanada und Großbritannien - auf der Abschussliste des IS steht, dürfte er wohl eher als Bestätigung seines Einflusses in der deutschen Salafistenszene werten.

Quelle: n-tv.de, jug

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