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Verbrechersyndikate aus Italien Polizei zählt 30 Mafia-Morde seit 1990

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Polizisten bei einer Razzia Ende 2018 in Duisburg, die sich gegen Mafiamitglieder richtete.

(Foto: picture alliance/dpa)

Als eine Fehde zwischen zwei Mafia-Familien mit sechs Toten vor einer Pizzieria in Duisburg endet, sorgt das 2007 für großes Aufsehen. Mafiosi sind aber auch für Dutzende andere Morde hier in Deutschland verantwortlich. In einigen Bundesländern sind die Clans besonders aktiv.

Mitglieder italienischer Mafiaclans haben nach Erkenntnissen der Polizei seit 1990 in Deutschland 30 Menschen getötet. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Frage der Grünen-Abgeordneten Irene Mihalic hervor. Darin heißt es: "Dem Bundeskriminalamt liegen seit dem Jahr 1990 Erkenntnisse zu 23 Tötungsdelikten mit insgesamt 30 Todesopfern in Deutschland vor, die der italienischen Mafia zugerechnet werden."

Angaben zu Tötungsdelikten anderer Gruppierungen der Organisierten Kriminalität würden statistisch nicht gesondert erfasst. "Die hohen Opferzahlen sind alarmierend und verdeutlichen die große Gefahr, die von der italienischen Mafia ausgeht", sagte Mihalic. Dabei sei zu befürchten, dass die Dunkelziffer in diesem Bereich deutlich höher ausfällt.

Davon geht auch die Bundesregierung aus. Sie hatte im vergangenen Mai auf eine Anfrage der Grünen erklärt, nach derzeitigen Erkenntnissen würden 585 Menschen Gruppierungen der italienischen Organisierten Kriminalität zugerechnet. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 hatte die Polizei 545 mutmaßliche Mafia-Mitglieder auf dem Schirm. Allerdings gehen die Sicherheitsbehörden davon aus, dass alleine die 'Ndrangheta mindestens 18 bis 20 Stützpunkte in Deutschland hat. Da jedem einzelnen Stützpunkt bis zu 50 Mitglieder zugerechnet werden könnten, sei "von einem erheblichen Dunkelfeld bei den Mitgliederzahlen auszugehen". Alleine bei der 'Ndrangheta sei daher von 800 bis 1000 Mitgliedern in Deutschland auszugehen, stellt die Regierung fest.

Die 'Ndrangheta aus Kalabrien gilt als mächtigste italienische Mafiaorganisation. Eine Fehde zwischen zwei Clans der 'Ndrangheta war Hintergrund der Mafiamorde von Duisburg, wo 2007 vor einer Pizzeria sechs Menschen erschossen worden waren.

Mafia-Clans erpressen Gastwirte

Besonders aktiv ist die Mafia in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Zu ihren Haupteinnahmequellen zählen der Drogenhandel, Fälschungen und die Erpressung von Gastwirten italienischer Herkunft. Diese werden von den Mafia-Clans häufig gezwungen, überteuerte oder minderwertige Lebensmittel aus Italien zu beziehen - zum Beispiel Wein, Olivenöl oder Salami. Das ist für die Täter einfacher als die traditionelle Schutzgelderpressung, wo Gastwirte mit vorgehaltener Waffe gezwungen werden, einen Teil ihrer Einnahmen abzugeben. Denn wenn es zu einer Verurteilung kommt, wird der Lebensmittelhandel unter Zwang meist als "Nötigung" eingestuft. Die Strafe fällt dann niedriger aus als bei der klassischen Schutzgelderpressung - auch weil die Ware ja nicht ganz ohne Wert ist.

Außerdem muss sich der Mafia-Clan in diesem Fall gar nicht erst die Mühe machen, das Geld zu "waschen". Denn es ist ja schon Teil des "legalen" Wirtschaftskreislaufs. "Zum Teil handelt es sich auch um Lebensmittel, die von Clan-nahen oder Clan-eigenen Unternehmen in Italien produziert werden", sagt Sandro Mattioli, der Vorsitzender des Vereins "Mafia? Nein Danke!".

Innenpolitikerin Mihalic findet, die Bundesregierung müsse bei der Bekämpfung der Mafia ein noch größeres Problembewusstsein an den Tag legen und die Sicherheitsbehörden "personell und strukturell befähigen, gegen diese Gruppierungen vorzugehen". Im vergangenen Jahr richteten sich 13 Ermittlungsverfahren gegen die 'Ndrangheta, die Camorra und die sizilianische Cosa Nostra. Tatsächlich hängt die Zahl der Verfahren bei Organisierter Kriminalität immer auch mit den Ressourcen der Polizeibehörden zusammen. Konkret heißt das zum Beispiel: Wenn mehr Kräfte für die Observation islamistischer Gefährder eingesetzt werden müssen, geht das auch zulasten der Verfahren gegen die Organisierte Kriminalität.

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Quelle: ntv.de, hul/dpa