Politik

Durchbruch nach sechs Stunden Putin und Erdogan vereinbaren Waffenruhe

Neue Hoffnung für Idlib: Ab Freitag sollen die Kämpfe um die syrische Rebellenhochburg eingestellt werden. Wegen der militärischen Auseinandersetzung sind Hunderttausende Menschen auf der Flucht.

Die Türkei und Russland haben sich auf eine neue Waffenruhe in der syrischen Rebellenhochburg Idlib geeinigt. Sie werde um Mitternacht in der Nacht zum Freitag in Kraft treten, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nach einem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin in Moskau. Dieser erklärte, es sei ein gemeinsames Dokument entstanden, das der Umsetzung des Waffenstillstandes diene. Außerdem soll es einen Sicherheitskorridor entlang einer strategisch wichtigen Autobahn geben. Eigentlich gilt dort bereits eine Waffenruhe. In den vergangenen Wochen war aber das syrische Militär mit russischer Unterstützung weiter in dem Gebiet vorgerückt.

Ziel der nun erreichten Einigung sei es, "zu vermeiden, dass die ohnehin vorhandene humanitäre Krise noch schlimmer wird", sagte Erdogan. Putin zeigte sich optimistisch, dass die Absprachen "als eine gute Grundlage für ein Ende der Kämpfe dienen" und "das Leiden der Zivilbevölkerung beenden". Wie laut AFP aus dem Text des Abkommens hervorgeht, soll der geplante Sicherheitskorridor entlang der Autobahn insgesamt zwölf Kilometer breit sein. Um diesen zu schützen, soll es dort ab 15. März gemeinsame Patrouillen russischer und türkischer Soldaten geben.

Insgesamt saßen die beiden Staatschefs sechs Stunden zusammen - davon fast drei Stunden ohne Unterhändler. Russische Staatsmedien hatten von schwierigen Gesprächen berichtet. Putin hatte zum Auftakt die Hoffnung geäußert, dass es eine Lösung gebe. Erdogan sagte, dieses Treffen sei für Idlib besonders wichtig. "Ich weiß, dass die Welt gerade zuschaut." Zugleich verwies er auf die guten Beziehungen zwischen Russland und der Türkei. Sie seien "auf dem Höhepunkt".

Putin äußert Bedauern über Tod türkischer Soldaten

Russland ist in dem Bürgerkrieg die Schutzmacht der syrischen Regierung. Die Türkei unterstützt dagegen in der Region Rebellen, darunter islamistische Gruppen. Bei neuerlichen Luftangriffen in der Provinz Idlib waren mindestens 14 Menschen getötet und etwa 20 verletzt worden, wie es aus Kreisen der syrischen Opposition hieß.

Wegen der Kämpfe sind rund eine Million Syrer auf der Flucht nach Norden in Richtung türkischer Grenze. Die Türkei hat allerdings bereits etwa 3,6 Millionen Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland aufgenommen. Noch mehr schaffe sie nach eigenen Angaben nicht.

Nach dem Tod von mindestens 34 türkischen Soldaten bei einem syrischen Luftangriff in der vergangenen Woche hatte die Türkei eine Militäroffensive gegen das syrische Militär in der Region begonnen. Putin äußerte sein Bedauern über den Tod der Soldaten und nahm die syrische Armee in Schutz, die das nicht gewollt habe.

Deutschland fordert Schutzzone

Der russische Präsident erörterte vor dem Treffen mit Erdogan nach Kremlangaben mit EU-Ratspräsident Charles Michel die schwierige humanitäre Situation in Idlib. Dabei verurteilte Putin das aggressive Vorgehen der Rebellen. Russland gibt ihnen die Schuld an der dramatischen Flüchtlingssituation.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas pochte auf eine schnelle Lösung: "Was wir jetzt brauchen, ist eine sofortige Waffenruhe und die Sicherung der Versorgung der Millionen Binnenflüchtlinge. Russland muss Druck auf das Assad-Regime ausüben, damit die Angriffe auf Krankenhäuser und Schulen endlich aufhören", sagte der SPD-Politiker vor einem EU-Außenministertreffen in Zagreb. Russland müsse außerdem seinen Einfluss auf den syrischen Machthaber Baschar al-Assad für die Einrichtung einer geschützten Zone im Norden Syriens nutzen. Kanzlerin Angela Merkel habe darauf hingewiesen, dass es jetzt darum gehe, den Menschen im syrischen Idlib zu helfen.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa/AFP