Politik

OPCW soll Täter nennen dürfen Russland mauert gegen C-Waffen-Vorstoß

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Der Bericht der OPCW zum mutmaßlichen Angriff in Duma in Syrien vom 7. April steht noch aus.

(Foto: picture alliance/dpa)

Künftig sollen Experten der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen auch die Verursacher von Attacken benennen. Das fordert Großbritannien und strebt einen entsprechende Änderung des Mandats an. Russland jedoch blockiert - nicht zum ersten Mal.

Nach den jüngsten Angriffen mit Chemiewaffen in Syrien hat Großbritannien die Initiative zur Stärkung der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) ergriffen. Sie müsse Verursacher der Angriffe klar benennen dürfen, erklärte der Vertreter Großbritanniens in Den Haag bei einer Sondersitzung der Vertragsstaaten der OPCW. Er brachte einen entsprechenden Antrag ein.

Dies wird aber von Russland und Syrien abgelehnt. Die Delegierten sollen morgen darüber abstimmen. Zu Beginn der Konferenz lieferten sich Russland und Syrien mit westlichen Staaten einen Schlagabtausch. Erst nach einem drei Stunden dauernden Streit über Verfahrensfragen stimmten die Delegierten der Tagesordnung zu. Westliche Diplomaten warfen Russland und Syrien daraufhin Verzögerungstaktik vor. Sie wollten die Stärkung der Kontrollbehörde verhindern.

Nach den jüngsten Anschlägen mit C-Waffen in Syrien, im Irak und auch nach dem Anschlag auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter Julia im britischen Salisbury im März hatte Großbritannien die Sondersitzung beantragt. Die Initiative wird von 20 weiteren Staaten unterstützt, darunter auch die USA und Deutschland. "Die Experten der OPCW müssen endlich auch Fakten darüber sammeln dürfen, wer hinter dem Einsatz von Chemiewaffen steckt", sagte Außenminister Heiko Maas von der SPD der "Süddeutschen Zeitung".

Russland kippte bereits Mandat

Bislang hat die OPCW kein Mandat, Verantwortliche von Chemiewaffenangriffen zu benennen. Bis zum November 2017 gab es einen gemeinsamen Ausschuss der UN und der OPCW, der die Verantwortung für Angriffe feststellte. Dessen Mandat aber war nach einem Veto Russlands im UN-Sicherheitsrat nicht verlängert worden. Französische Diplomaten mahnten zur Eile. Die Zukunft des Nichtverbreitungs-Systems chemischer Waffen stehe auf dem Spiel. "Wir wünschen, dass die OPCW ein technisches, unparteiisches und unabhängiges System bleibt."

Zuletzt hatte die OPCW Mitte Juni einen Einsatz von Chemiewaffen in Syrien bestätigt. Die Experten hatten auch den jüngsten mutmaßlichen Angriff in Duma in Syrien vom 7. April untersucht. Der Bericht wurde noch nicht veröffentlicht. Damals waren Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Die USA hatten daraufhin gemeinsam mit westlichen Verbündeten Ziele der syrischen Regierung mit Raketen beschossen.

Quelle: n-tv.de, kst/dpa