Politik

Angst vor Hungersnot wegen Krieg Russland will 50 Millionen Tonnen Getreide exportieren

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In diesem Getreidejahr habe Russland bereits mehr als 35 Millionen Tonnen ausgeführt, darunter 28,5 Millionen Tonnen Weizen, sagte Landwirtschaftsminister Dmitri Patruschew auf der Getreidemesse. 

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

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Aufgrund des Ukraine-Kriegs droht in Teilen der Welt eine Hungersnot. Der Kreml will dem nun entgegenwirken. Er kündigt an, die Ausfuhr von Getreide aufzustocken. Vorwürfe, sein Land sei für die weltweite Getreide-Krise verantwortlich, weist Präsident Putin als als "haltlos" zurück.

Das russische Landwirtschaftsministerium hat die vorläufige Prognose für die Getreideernte bestätigt und zugesagt, bei diesem Ergebnis mindestens 50 Millionen Tonnen Getreide zu exportieren. Derzeit prognostiziere das Ministerium eine Ernte von 130 Millionen Tonnen. Bei diesem Ergebnis "können wir 50 Millionen Tonnen für den Export ausführen", sagte Vizelandwirtschaftsministerin Oxana Lut laut der Nachrichtenagentur Interfax bei einem Auftritt auf dem russischen Getreideforum.

Der Export könne sich auch auf mehr als 50 Millionen belaufen, fügte sie hinzu. Im Gegensatz dazu wird das derzeit geltende Exportverbot für Sonnenblumen über den August hinaus verlängert. Lut begründete dies mit mangelnden Reserven im eigenen Land für die Herstellung von Sonnenblumenöl. Russland ist wie die Ukraine einer der größten Getreideexporteure weltweit. In diesem Getreidejahr habe Russland bereits mehr als 35 Millionen Tonnen ausgeführt, darunter 28,5 Millionen Tonnen Weizen, sagte Landwirtschaftsminister Dmitri Patruschew auf der Getreidemesse.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte laut Kreml am Donnerstag in einem Telefonat mit dem italienischen Regierungschef Mario Draghi erklärt, Moskau sei bereit, "durch den Export von Getreide und Düngemitteln einen wesentlichen Beitrag zur Überwindung der Nahrungsmittelkrise zu leisten, sofern die politisch motivierten Beschränkungen des Westens aufgehoben werden".

Putin telefoniert mit Nehammer

Der von Putin befohlene Angriffskrieg gegen das Nachbarland hat auf den Weltmärkten zu einem deutlichen Anziehen der Lebensmittelpreise geführt. Die Ukraine und Russland gehören zu den weltweit wichtigsten Getreideproduzenten. Der Export aus beiden Ländern ist wegen der Kämpfe in der Ukraine und der Sanktionen gegen Russland eingebrochen. Experten befürchten angesichts der blockierten ukrainischen Häfen eine Hungersnot in Teilen der Welt.

Putin weist Vorwürfe, sein Land sei für die weltweite Getreide-Krise verantwortlich, als "haltlos" zurück. Vielmehr seien die Sanktionen des Westens verantwortlich, sagte Putin nach Angaben des Kremls in einem Telefongespräch mit Österreichs Bundeskanzler Karl Nehammer. Dieser erklärte in Wien, Putin habe "Signale" gegeben, dass er aus der Ukraine Exporte von Saat- und Nahrungsmitteln über Seehäfen zulassen könnte.

Zu den möglichen Exporten schränkte Nehammer allerdings gleich ein: "Die wirkliche Bereitschaft zeigt sich erst dann, wenn es wirklich funktioniert und tatsächlich auch umgesetzt wird." Der Kreml erklärte seinerseits nach dem Telefonat: "Wladimir Putin hat betont, dass Versuche, Russland für die Schwierigkeiten bei der Lieferung von Agrarprodukten zu den Weltmärkten verantwortlich zu machen, haltlos sind." Stattdessen habe er die "wirklichen Ursachen" der Probleme benannt, "die unter anderem durch die antirussischen Sanktionen der USA und der Europäischen Union aufgetreten" seien.

Zudem sprach der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit dem italienischen Regierungschef Mario Draghi über die akute Getreidekrise als Folge des Krieges, nachdem Draghi bereits mit Putin telefoniert hatte. Bei dem Telefonat scheint es aber keine größeren Schritte gegeben zu haben in Richtung einer Lösung für die riesigen Mengen an Getreide in den ukrainischen Häfen, die von russischen Schiffen blockiert werden. Selenskyj habe sich für die Initiative aus Rom bedankt und vereinbart, "über mögliche Lösungen weiter in Kontakt zu bleiben", teilte das Büro Draghis mit.

Weil das Getreide aktuell nicht exportiert werden kann, stehen vor allem ärmere Importländer etwa in Afrika vor einer großen Lebensmittelkrise. Putin hatte am Donnerstag mit Draghi telefoniert und dabei gefordert, dass der Westen seine Sanktionen gegen Russland aufhebe.

Quelle: ntv.de, lve/AFP/dpa

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