Wirtschaft

London kritisiert Hafenblockaden "Putin setzt Hunger als Waffe ein"

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Nur Russland, die USA, Kanada und Frankreich verkaufen mehr Weizen als die Ukraine.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Die Ukraine ist einer der größten Getreideproduzenten der Welt, doch seit Kriegsbeginn liegen die Ausfuhren brach. Ein Erpressungsversuch der russischen Regierung, meint die britische Außenministerin Truss. Moskau macht dagegen den Westen für die Probleme verantwortlich.

Die britische Außenministerin Liz Truss wirft dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vor, die Welt mit der Lieferung von Lebensmitteln zu erpressen. "Es ist entsetzlich", sagte sie bei einem Besuch in Bosnien-Herzegowina. "Letztendlich setzt er Hunger und den Mangel an Nahrungsmitteln als Waffe gegen die ärmsten Menschen der Welt ein. Das dürfen wir einfach nicht zulassen. Putin muss die Blockade des ukrainischen Getreides aufheben."

Die Ukraine ist ein wichtiger Getreidelieferant unter anderem für arme Länder in Afrika. Seit Kriegsbeginn blockiert die russische Armee allerdings alle ukrainischen Schwarzmeerhäfen und damit nahezu alle Transportrouten. Will die Ukraine ihr Getreide exportieren, muss sie daher alternative Wege finden. Zurzeit stecken nach Angaben der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) knapp 25 Millionen Tonnen Getreide in dem Land fest.

Nach russischer Darstellung ist dagegen der Westen für die Probleme verantwortlich, weil er Sanktionen gegen Russland verhängt hat. Man weise den Vorwurf, dass Russland die Ausfuhren blockiere, kategorisch zurück, sagt Kremlsprecher Dmitri Peskow. "Im Gegenteil, wir beschuldigen westliche Länder, Maßnahmen ergriffen zu haben, die dazu geführt haben."

"Das macht Putin nur stärker"

Dennoch hatte der russische Vize-Außenminister Andrej Rudenko am Mittwoch erklärt, Russland sei bereit, einen Korridor im Schwarzen Meer für Schiffe einzurichten, die Getreide aus der Ukraine bringen sollen. Im Gegenzug müssten aber einige Sanktionen aufgehoben werden. Das lehnt die britische Außenministerin ab: "Was wir nicht haben können, ist eine Aufhebung der Sanktionen", sagte Truss. "Das macht Putin langfristig nur stärker."

Derweil bringt sich die Türkei als Vermittler in dem Disput ins Gespräch. Nach eigenen Angaben berät die Regierung in Ankara über einen möglichen Korridor für eine Ausfuhr ukrainischen Getreides über ihr eigenes Territorium. "Die Türkei verhandelt sowohl mit Russland als auch mit der Ukraine über den Export von Getreide aus der Ukraine", sagt ein hochrangiger türkischer Beamter. "Es besteht ein Bedarf, dass dieses Getreide die Zielmärkte erreicht. Die Verhandlungen sind noch im Gange."

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Auch die Deutsche Bahn will die Ukraine stärker beim Getreideexport unterstützen. "Angesichts der drohenden Hungersnot in Teilen der Welt und des enormen Bedarfs, Millionen von Tonnen ukrainisches Getreide in die Welt zu exportieren, werden wir als DB Cargo in Abstimmung mit dem Bund weitere Aufträge und Zugfahrten organisieren", sagte DB-Cargo-Chefin Sigrid Nikutta den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Demnach fährt DB Cargo derzeit mit Tochtergesellschaften in Polen und Rumänien mehrere Züge täglich mit Getreide an verschiedene Seehäfen. "Nun geht es darum, diese Agrarexporte auszuweiten", sagte Nikutta. "Ziel sind tragfähige Verbindungen bis an die Seehäfen der Nordsee und des Schwarz- und Mittelmeeres."

Quelle: ntv.de, chr/rts

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