Politik

"Bin zu Verhandlungen bereit" Selenskyj warnt vor drittem Weltkrieg

Die Ukraine habe mit ihrer Gegenwehr gegen die russische Armee "die Würde unseres Volkes" demonstriert, sagt der ukrainische Präsident Selenskyj. Allerdings rette Würde kein Leben. Selenskyj setzt auf Verhandlungen - und hofft, dass Putin nicht glaubt, was er über die Ukraine sagt.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seine Bereitschaft zu Verhandlungen mit dem russischen Machthaber Wladimir Putin bekräftigt. Zugleich warnte er vor einer Ausweitung des Kriegs, sollten die Gespräche scheitern. "Ich bin bereit, mit ihm zu verhandeln", sagte Selenskyj dem US-Sender CNN. "Ich bin seit zwei Jahren dazu bereit. Und ich glaube, dass wir diesen Krieg ohne Verhandlungen nicht beenden können."

Wenn es nur eine Chance von einem Prozent gebe, um den Krieg zu beenden, müsse sie ergriffen werden. "Russische Truppen sind gekommen, um uns auszulöschen, um uns zu töten", sagte Selenskyj. Mit ihrer Gegenwehr habe die Ukraine "die Würde unseres Volkes und unserer Armee" demonstriert und gezeigt, dass sie zurückschlagen könne. "Aber leider schützt unsere Würde kein Leben. Deshalb denke ich, dass wir jedes Format, jede Gelegenheit für Verhandlungen, für Gespräche mit Putin nutzen müssen. Aber wenn diese Versuche scheitern, dann würde das bedeuten, dass dies ein dritter Weltkrieg ist."

Putins Vorwurf, in der Ukraine seien "Neonazis" an der Macht, nannte Selenskyj "lachhaft". Putin befinde sich in einer "Informationsblase" und habe keine Ahnung von der heutigen Ukraine. Dennoch seien diese Drohungen gefährlich, so Selenskyj. Wenn Putin wirklich glaube, dass die Ukraine "entnazifiziert" werden müsse, dann sei er "zu sehr schrecklichen Schritten" fähig. "Wenn er glaubt, dass es seine Mission ist, unser Territorium zu erobern, und wenn er Anzeichen sieht, dass es Neonazis in unserem Land gibt, dann stellen sich viele Fragen, wozu er noch fähig ist, um seine Ziele zu erreichen und seine Mission zu erfüllen."

"Wären wir in die NATO aufgenommen worden, gäbe es jetzt keinen Krieg"

Selenskyj sagte, wäre sein Land in die NATO aufgenommen worden, wäre Russland nicht in die Ukraine eingefallen. "Wenn wir ein NATO-Mitglied wären, hätte es keinen Krieg gegeben." Deshalb wolle er jetzt Sicherheitsgarantien für sein Land.

Er sei dankbar für die Hilfe, die die NATO seit Beginn der Invasion zur Verfügung gestellt habe. "Wenn die NATO-Mitglieder bereit sind, uns in der Allianz zu sehen, dann macht es sofort, denn jeden Tag sterben (in der Ukraine) Menschen", sagte Selenskyj. Er warf den NATO-Staaten vor, sie hätten die Ukraine im Unklaren darüber gelassen, ob sie eine Chance auf einen Beitritt habe. Er habe Vertreter der Mitgliedsländer direkt gefragt, ob die Ukraine in einem Jahr, in fünf Jahren oder niemals aufgenommen werde. "Und die Antwort war sehr klar: Ihr werdet kein NATO-Mitglied, aber öffentlich werden die Türen aufbleiben."

Auf die Frage, ob er bereit sei, die russischen Forderungen nach Aufgabe der Krim und des Donbass sowie nach einem ewigen Verzicht auf eine NATO-Mitgliedschaft zu erfüllen, sagte Selenskyj, es gebe Kompromisse, die ein unabhängiger Staat nicht machen könne.

Am Samstag hatte Selenskyj in einem bei Telegram geposteten Video gesagt, sinnvolle Friedensverhandlungen seien der einzige Weg für Russland, den Schaden seiner eigenen Fehler zu reduzieren. "Es ist Zeit für ein Treffen. Zeit für Gespräche. Es ist Zeit, die territoriale Integrität und Gerechtigkeit für die Ukraine wiederherzustellen. Ansonsten werden Russlands Verluste so gewaltig sein, dass mehrere Generationen nicht ausreichen werden, um sich davon zu erholen."

Quelle: ntv.de, hvo

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