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EU-Linie bei Corona gefordert Söder: Grenzkontrollen unter Umständen "notwendig"

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Auch Kanzlerin Angela Merkel schließt im äußersten Fall Grenzkontrollen nicht aus.

(Foto: picture alliance/dpa/APA)

Die Corona-Mutation aus Großbritannien bereitet Bund und Ländern große Sorge. Im Umgang mit der hochinfektiösen Virusvariante fordert CSU-Chef Söder ein einheitlicheres Vorgehen in der EU - sonst seien Grenzkontrollen unausweichlich. Die Industrie warnt derweil vor den wirtschaftlichen Folgen.

Ohne eine abgestimmte Corona-Politik mit den europäischen Nachbarstaaten hält Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Grenzkontrollen für unausweichlich. "Sollte das nicht klappen, dann sind Grenzkontrollen zwingend notwendig", sagte der CSU-Chef. Er hoffe aber, dass sich der Europäische Rat am 21. Januar auf vergleichbare und synchronisierte Maßnahmen einigen könne.

Wegen der neu aufgetretenen, "besorgniserregenden Virusmutationen aus Großbritannien und Südafrika" gelte es, den Eintrag nach Deutschland möglichst zu vermeiden sowie diesen frühzeitig zu erkennen, teilte die Staatskanzlei mit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Dienstagabend erklärt, dass auch sie im äußersten Fall Grenzkontrollen nicht ausschließe, um das Eintragen von Virusmutationen zu verhindern. Bei den Herkunftsgebieten von Mutationen wie Großbritannien müsse man besonders streng hinsichtlich der Einreise sein, betonte Merkel.

"Gravierend für die Wirtschaft in Europa"

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sieht derartige Überlegungen derweil kritisch. BDI-Chef Siegfried Rosswurm warnte die Bundesregierung vor einseitigen Schritten bei Grenzkontrollen zu Nachbarstaaten. "Die durch nationale Alleingänge bei Grenzregelungen angerichteten Schäden wären sehr gravierend für unsere hochgradig vernetzte Wirtschaft in Europa", sagte Rosswurm.

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Zudem mahnte er, dass besonders eine komplette Grenzschließung und Unterbrechung der Wirtschaftsabläufe schädlich wäre. "Trotz Lockdown-Maßnahmen muss der grenzüberschreitende Warenverkehr funktionieren und die Wertschöpfungsketten intakt bleiben, sonst droht Europa ein noch stärkerer wirtschaftlicher Einbruch als im Frühjahr 2020." Ein Lockdown in Deutschland würde die miteinander vernetzten Produktionsorte in Europa laut BDI unterbrechen und europaweit zu Kettenreaktionen führen, so Rosswurm.

Damit man die Corona-Pandemie in Deutschland und Europa in den Griff bekommen könne, müsse die Bundesregierung geplante Eindämmungsmaßnahmen "wieder viel intensiver europaweit koordinieren als zuletzt geschehen", sagte der BDI-Chef weiter. Denn die Situation bleibe in den nächsten Wochen europaweit extrem angespannt. Nötig sei eine einheitliche Teststrategie und der grenzüberschreitende Austausch von Daten.

Quelle: ntv.de, hny/dpa/rts