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BKA übernimmt Hanau-Ermittlungen "Täter hatte zutiefst rassistische Gesinnung"

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Blumen an einem der Tatorte in Hanau.

(Foto: REUTERS)

Die Opfer des Todesschützen von Hanau haben beinahe allesamt einen Migrationshintergrund. Der Generalbundesanwalt bescheinigt dem Schützen ein zutiefst rassistisches Weltbild. Alle Kontakte des Mannes im In- und Ausland werden nun vom Bundeskriminalamt durchleuchtet.

Der Todesschütze von Hanau hatte nach Angaben von Generalbundesanwalt Peter Frank eine "zutiefst rassistische Gesinnung". Das habe die Auswertung von Videobotschaften und einer Art Manifest auf dessen Internetseite ergeben, sagte Frank auf einer Pressekonferenz in Karlsruhe. Der mutmaßliche Rechtsterrorist habe in Hanau bei seinen Angriffen auf zwei Shisha-Bars ausschließlich Menschen mit Migrationshintergrund getötet. Sechs Menschen seien verletzt worden, einer von ihnen schwer. Anschließend erschoss der 43-Jährige seine Mutter und sich selbst.

Unter den Todesopfern des Anschlags in Hessen seien auch fünf türkische Staatsbürger, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Sie beruft sich auf den türkischen Botschafter in Berlin, Ali Kemal Aydin.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt, weil es Anhaltspunkte für eine "fremdenfeindliche Motivation" der Tat gibt. Frank kündigte an, die Ermittlungen würden sich nun auf mögliche Mitwisser oder Unterstützer richten. Alle Kontakte im In- und Ausland würden abgeklärt. Damit sei ab sofort das Bundeskriminalamt beauftragt.

Mehr Schutz: Seehofer kündigt Konsequenzen an

Bundesinnenminister Horst Seehofer kündigte für den Abend ein Treffen aller Innenminister an. Es werde darum gehen, Konsequenzen zu überlegen, die der Gesetzgeber aus der Tat zu ziehen hätte. Vor allem müssten sensible Einrichtungen in Deutschland künftig besser geschützt werden, sagte der CSU-Politiker in Hanau. Die mutmaßlich rechtsradikalen Hintergründe der Gewalttat müssten nun umfassend aufgeklärt werden. "Im Feld des Rechtsextremismus erleben wir eine besorgniserregende Entwicklung", sagte Seehofer weiter. Zunächst hatten sich die Ermittler in diesem Punkt nicht festgelegt und gesagt, es könne sich auch um "eine Beziehungstat oder eine wahllos begangene Tat" handeln.

Der 43-jährige Deutsche hinterließ auf seiner inzwischen nicht mehr erreichbaren Webseite ein 24-seitiges Manifest. Es gibt einen Einblick in sein Denken. Daraus wird deutlich: Offenbar hat er über Jahre sein zerstörerisches Weltbild entwickelt, das aus Rechtsextremismus, Verschwörungstheorien, Verfolgungs- und Größenwahn, Frauenhass und religiösem Fanatismus besteht.

Quelle: ntv.de, jwu/mau/dpa