Politik

"Abwarten kostet Menschenleben" Topmediziner schreiben Corona-Brandbrief an Regierung

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Der Kölner Internist Michael Hallek gehört zu den federführenden Autoren des Schreibens.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mehrere Topmediziner und Wissenschaftler dringen auf einen raschen Kurswechsel in der Corona-Politik. In einem gemeinsamen Schreiben warnen sie vor der Wucht der vierten Welle, die alles bisherige "in den Schatten stellen" könnte.

Insgesamt 35 führende Mediziner und andere Fachleute aus ganz Deutschland haben die Regierungen von Bund und Ländern zu einem Umsteuern in der Corona-Politik aufgefordert. Statt mit "passivem Abwarten" die Verantwortung für ein Brechen der vierten Welle zunehmend "in den Ermessensspielraum jedes einzelnen Menschen zu verlagern", müsse die Politik endlich "ihrer Verantwortung umfassend gerecht werden", schreiben die Forscher und Forscherinnen in einem dreiseitigen Aufruf, den der "Kölner Stadt-Anzeiger" und das "Redaktionsnetzwerk Deutschland" veröffentlichten.

Die derzeitige pandemische Situation habe das Potenzial, die Situation aus dem Frühjahr und vergangene Wellen in den Schatten zu stellen, heißt es weiter. "Jeder Tag des Abwartens kostet Menschenleben", schreiben die Experten unter der Federführung des Kölner Internisten Michael Hallek und der Braunschweiger Virologin Melanie Brinkmann. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem die bekannten Intensivmediziner Christian Karagiannidis und Uwe Janssens.

Der Konsens: "Wir empfinden eine tiefe Enttäuschung über die Gefährdung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und über den wiederholt nachlässigen Umgang mit dem Wohlergehen der Menschen, die auf den Schutz des Staates angewiesen sind." Und weiter: "Es ist für uns unverständlich, dass die Verantwortungsträger dieses Landes eine solche Situation zugelassen haben."

Die Autoren kritisieren unter anderem den zeitweiligen Rückbau von Test- und Impfzentren sowie eine politische Festlegung von Zeitpunkten für ein angebliches Ende der Pandemie. Die Forscher fordern die Einrichtung eines nationalen Krisenstabs mit Fachleuten aus Virologie, Medizin und Öffentlicher Gesundheit, aber auch Praktikern mit Leitungserfahrung, etwa aus Kliniken oder Unternehmen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Samstag erneut stark steigende Corona-Zahlen. Das RKI registrierte 45.081 neue Positiv-Tests. Das sind mehr als 11.000 Fälle mehr als am Samstag vor einer Woche, als 34.002 Neuinfektionen gemeldet wurden. Die Sieben-Tage-Inzidenz sprang auf 277,4 (Freitag: 263,7) - ein Höchstwert in der bisherigen Pandemie. Drastische Anstiege der Zahlen gibt es vor allem im Südosten des Landes. In Sachsen schoss die Inzidenz auf 620,7, in Thüringen auf 514,4. Danach folgt Bayern mit 478,7. In allen drei Bundesländern ist die Impfquote unterdurchschnittlich. Vier Landkreise melden inzwischen eine Inzidenz von mehr als 1000.

Quelle: ntv.de, hek/dpa

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