Politik

Zoi Konstantopoulou Tsipras' härteste Gegnerin

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Das "Vouli", das griechische Parlament, ist die Bühne von Zoi Konstantopoulou.

(Foto: AP)

Für viele Griechen ist Zoi Konstantopoulou der Grund, warum sie die Debatten im Parlament verfolgen. Die linke Parlamentspräsidentin ist berühmt für ihre wütenden Schmähreden - die sich verstärkt gegen Regierungschef Tsipras richten.

Müsste man Zoi Konstantopoulou mit drei Begriffen beschreiben, dann wären es bestimmt nicht zimperlich, ruhig und schüchtern. Praktisch seit ihrer Wahl zur Präsidentin des griechischen Parlaments hat die so forsch wie unverblümt auftretende 38-Jährige Kontroversen ausgelöst.

Mittlerweile scheint es eine Ewigkeit her zu sein: Am 6. Februar wählten die Abgeordneten Zoi Konstantopoulou mit einem Rekordergebnis von 235 von 300 Stimmen zu ihrer Vorsitzenden. Sie ist nicht nur eine der jüngsten Parlamentspräsidentinnen Griechenlands, sondern auch die erste Linke in diesem Amt. Ihre Mutter ist die Journalistin Lina Alexiou, ihr Vater Nikos Konstantopoulou, der legendäre Ex-Parteichef von Synaspismos, einem Vorläufer der heutigen Regierungspartei Syriza. Konstantopoulou studierte Jura in Athen, Paris und New York. Seit 2003 arbeitet sie als Rechtsanwältin in Griechenland. Im Parlament sitzt sie seit 2012.

In ihre jüngste Rolle hat sie sich rasch eingelebt. Nie verpasst sie eine Gelegenheit, ihre Meinung zu sagen. Ihre zahlreichen Ausbrüche in den wenigen Monaten ihrer Amtszeit würden ausreichen, um eine Liste zusammenzustellen, die länger wäre als das 972-seitige Dokument mit neuen Maßnahmen, das die griechischen Abgeordneten in der Nacht zum Donnerstag verabschiedeten.

Bereits vor ihrer Zeit als Parlamentspräsidentin hatte Konstantinopoulou Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Als Anwältin vertrat sie einen Mann, der in Griechenland als "Käsekuchen-Vergewaltiger" bekannt wurde. Laut Anklage hatte er Touristinnen Käsekuchen angeboten, den er mit Drogen präpariert hatte, und sie dann vergewaltigt. Einige der Frauen, die auf eigene Kosten aus Australien und Kanada zu den Verhandlungen nach Griechenland reisen mussten, warfen Konstantinopoulou vor, sie habe mit Tricks dafür gesorgt, dass der Prozess sich über Jahre hinzog.

"Sozialer Völkermord"

Auch die Parlamentsdebatten über die Sparmaßnahmen zieht Konstantinopoulou gern in die Länge. Wenn sie sich einen Gegner vorknöpft, verschwendet sie dagegen keine Zeit. Ihr Stil ist vernichtend, sie macht keine Gefangenen. Dem Präsidenten der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker, warf sie vor, er wolle "das griechische Volk unterjochen". Die Mikrofone ihrer Kritiker schaltet sie schon mal ab.

Lange galt die Parlamentspräsidentin als politische Kuriosität – grob, aber harmlos. Das änderte sich, als Ministerpräsident Alexis Tsipras sich gezwungen sah, in den Verhandlungen mit den anderen Euro-Staaten eine 180-Grad-Wende zu vollziehen, und mit einigen der härtesten Sparmaßnahmen aus Brüssel zurückkam, mit denen Griechenland je konfrontiert wurde. Der Stern, an dessen Aufstieg er mitgewirkt hatte, drohte nun krachend auf seinen Kopf zu fallen.

Die Bailout-Einigung mit den Gläubigern lehnt Konstantinopoulou kategorisch ab. Vor der Parlamentsentscheidung über die ersten Maßnahmen, zu denen Tsipras sich verpflichtet hatte, behielt sie ihre Position für sich – bis sie in der Debatte ans Rednerpult trat. Dort erging sie sich in einem wütenden Wortschwall gegen die neuen Maßnahmen. Die Einigung nannte sie "einen Staatsstreich, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das zu sozialem Völkermord führen könnte". Mit Blick auf das Referendum vom 5. Juli, gegen dessen Ergebnis die Syriza-Regierung nun handelt, sagte sie: "Wir haben nicht das Recht, das Nein der Bürger in ein Ja umzuwandeln."

Ihr offener Widerstand war für Tsipras nicht nur peinlich, sondern stellte seine Autorität infrage. Sein Kabinett hat er teilweise umgestellt, um Politiker loszuwerden, die gegen die Einigung gestimmt hatten. Aber Konstantopoulou behielt ihre Position, entschlossen, gegen jeden Schritt des Programms zu opponieren und sich nicht aus ihrem Amt drängen zu lassen. Gestützt wird sie von einer wachsenden Zahl von Syriza-Abgeordneten und linken Gruppen, was Tsipras Kopfschmerzen bereitet.

Ihr jüngster Akt des Widerstands war ein Brief an Tsipras und den griechischen Präsidenten, in dem sie erklärte, sie werde gegen die geplanten Maßnahmen stimmen, darunter eine Reform der Zivilprozessordnung. In dem Schreiben heißt es: "Dieser brutale Angriff gegen die Demokratie kann nicht im Rahmen der Europäischen Union vor sich gehen. Und er kann sicher nicht still vor sich gehen." Für den heutigen Donnerstag hat Tsipras Konstantopoulou zu sich bestellt, um den Inhalt des Briefes zu besprechen.

Ob man sie liebt oder hasst, sie ist einer der Hauptgründe, warum viele Griechen jetzt die Debatten im Parlamentsfernsehen verfolgen, denn ihre Schmähreden sind oft von unfreiwilliger Komik. In einem Land, dessen Politik von Männern in Anzügen dominiert wird, die langweilige Reden halten, sind die beißenden Kommentare dieser Frau und ihre Weigerung, sich anzupassen, zudem eine echte Abwechslung. Genau wegen dieser Eigenschaften hatte Alexis Tsipras sie zur Parlamentspräsidentin gemacht.

Aus dem Englischen von Hubertus Volmer

Quelle: ntv.de

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