Politik

Nach absurdem Baerbock-Tweet Unionspolitiker gehen zu Maaßen auf Distanz

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Maaßen bringt seine eigene Partei in Bedrängnis.

(Foto: imago images/ari)

Der ehemalige Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen irritiert mit einem Tweet über Annalena Baerbocks Initialen. Das kommt auch in der eigenen Partei des CDU-Bundestagskandidaten nicht gut an. Der Generalsekretär der CSU fürchtet, Maaßen könne zur Belastung im Wahlkampf werden.

Der CDU-Bundestagskandidat Hans-Georg Maaßen fällt gelegentlich durch gezielte Provokationen bei Twitter auf. Für einen gegen Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock gerichteten Tweet bekommt er nun auch Gegenwind aus der eigenen Partei. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff kritisierten Maaßen scharf. Der frühere Verfassungsschutzchef hatte die Anfangsbuchstaben von Baerbocks vollständigem Namen mit dem polizeifeindlichen Kürzel "ACAB" (All Cops are Bastards, alle Polizisten sind Mistkerle) in Verbindung gebracht.

Maaßen schrieb am Samstagabend auf Twitter: "Annalena Charlotte Alma Baerbock = ACAB = All Cops Are Bastards. Zufall oder Chiffre?" Baerbocks Initialen hatten auf Twitter schon vor der Bekanntmachung ihrer Kanzlerkandidatur für Erheiterung gesorgt, vor allem in Kreisen, die sich politisch links verorten. Maaßen verlinkte in seinem raunenden Tweet einen Bericht der "Welt" darüber, dass Baerbock Sicherheitsbehörden auf rechtsextreme Gruppen prüfen lassen wolle.

Das offensichtliche Logikdefizit seiner Mutmaßung dürfte Maaßen bewusst gewesen sein, die Empörungswelle kalkuliert: Wenig später bedankte er sich in einem Kommentar für das "großartige Feedback" auf seinen Tweet, der ein "richtiger Honeypot für grün-linke Hetzer" sei. "Wieder über 100 blockiert", freut sich der CDU-Politiker.

Haseloff betont: Maaßen ist kein Ost-Problem

In der "Berliner Runde" der ARD zur Wahl in Sachsen-Anhalt nannte die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckard Maaßens Tweet als Beispiel dafür, wie im Bundestagswahlkampf "auf die einzige Frau im Rennen gerade draufgehauen wird", mit Vorwürfen "weit unter der Gürtellinie". Dies entmutige viele andere Frauen, in der Politik überhaupt eine Rolle spielen zu wollen. Der CDU warf sie vor, "einen solchen Verschwörungstheoretiker" zu unterstützen und ihn Teil der nächsten Bundestagsfraktion werden zu lassen.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak parierte: "Dieser Tweet ist unmöglich, unsäglich." Er fügte hinzu: "Das ist auch nicht unser Niveau, nicht mein Niveau." Auch der Sieger der Wahl, CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff, bemühte sich um Distanz. Bei "Bild live" erklärte er, diejenigen, "die in Ostdeutschland schwierige Personen darstellen, die kommen alle aus dem Westen". Auch Maaßen sei "nicht bei uns sozialisiert worden", betonte der Ministerpräsident. Er forderte, wieder "eine politische Kultur zu pflegen, die bestimmte Ausfälle vermeidet". Haseloff fügte hinzu: "Wir haben ein Kulturdefizit an dieser Stelle".

Noch schärfer äußerte sich CSU-Generalsekretär Markus Blume: "Ich empfinde ihn tatsächlich als Belastung im Wahlkampf", sagte Blume im "Bild"-Politiktalk "Die richtigen Fragen". Blume betonte, dass der CDU-Bundestagskandidat "die Koordinaten immer ein bisschen verunklaren" würde und bezog sich auf Maaßens Umgang mit der AfD. Dabei sei aber nur eins richtig: "Ganz klare Abgrenzung." Denn: "Du kannst ein Stinktier nicht überstinken." CSU-Vizechefin Dorothee Bär grenzte sich in der "Welt" von "solchen unsäglichen Tendenzen" ab. "Ich möchte einen fairen Wahlkampf, in dem niemand aufgrund irgendwelcher Namen diskreditiert wird", sagte Bär.

Quelle: ntv.de, ino/AFP

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