Politik

Halbzeit bei der Klimakonferenz Wird von der COP26 ein Ruck ausgehen?

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Wissenschaftler sehen derzeit schwarz für die 1,5 Grad Zielmarke.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Die erste von zwei Wochen Klimakonferenz ist vorbei. Staaten haben Absichtserklärungen zum Methan-Ausstoß, zum Schutz der Wälder und zu den CO2-Emissionen gegeben. Kritiker sehen in den bisherigen Bekenntnissen vor allem leere Worthülsen. Nun gibt es erste Einschätzungen von Wissenschaftlern.

Die erste Woche der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow ist gelaufen. Die Verhandlungen haben eine Reihe von Absichtserklärungen teilnehmender Staaten etwa zum Methan-Ausstoß, zum Schutz der Wälder und zu den CO2-Emissionen ergeben. Großbritanniens Premierminister Boris Johnson erwartet in der zweiten Woche der Weltklimakonferenz COP26 harte Verhandlungen der teilnehmenden Länder. "Der COP26 bleibt noch eine Woche, um zu liefern", erklärte Johnson. "Wir müssen uns alle zusammenreißen und auf die Ziellinie zusteuern."

Viel Kritik am bisher Erreichten äußerten Demonstranten auf Veranstaltungen in zahlreichen Städten und auch Klimaaktivisten und -aktivistinnen gegenüber Medien. So zog Luisa Neubauer nach einer Woche Klimakonferenz eine vernichtende Zwischenbilanz. "Wie erwartet dreht sich sehr viel um mehr oder weniger leere Reden", sagte Neubauer der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Experten sind bisher zurückhaltend mit Einschätzungen dazu, was die Absichtserklärungen der ersten Konferenzwoche konkret für das Weltklima bedeuten könnten. Es folgt ein Überblick der wichtigsten Ankündigungen und wie diese einzuordnen sind.

Wichtigste Ankündigungen

Seit Beginn der COP26 haben die für den Klimawandel bedeutenden Länder Indien, Brasilien und Argentinien Verschärfungen ihrer bisherigen Klimaziele verkündet. Besonders Indien, das wegen seiner Bevölkerungsgröße zu den größten Emittenten von Treibhausgasen gehört, enttäuschte allerdings die Klimaschützer: Das Land strebt nun offiziell Klimaneutralität an, allerdings erst bis 2070.

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Rund hundert Länder haben außerdem zugesagt, den Ausstoß des bedeutenden Treibhausgases Methan bis 2030 um 30 Prozent zu reduzieren. Nicht von der Partie sind hier bedeutende Emittenten wie China, Indien, Russland und Australien. Einer Erklärung zum Stopp der Entwaldung bis 2030 traten immerhin die in diesem Bereich wichtigen Länder Brasilien und Russland bei.

Erste Einschätzungen - 1,5 Grad stets überschritten

UN-Klimaexperten haben die bisherigen Zusagen der Staaten - nachgebessert oder auch nicht - analysiert und kommen zu dem vorläufigen Schluss, dass bei ihrer Umsetzung die Zunahme der Treibhausgase in der Atmosphäre bis 2030 immer noch 13,7 Prozent betragen würde. Zuvor gingen sie noch von einem Wachstum um 16 Prozent im Vergleich zu 2010 aus. Allerdings liegt die Zielmarke im Lichte des 1,5-Grad-Ziels bei einer Reduktion des Treibhausgasausstoßes um 45 Prozent.

Das UN-Umweltprogramm UNEP unterstrich zudem, dass diese vorläufigen Analysen keinesfalls eine Berechnung der Auswirkungen auf den tatsächlichen Temperaturanstieg seien. "Es ist noch zu früh", sagte UNEP-Chefin Inger Andersen gegenüber Medien. "Wir machen keine Berechnungen auf der Rückseite eines Briefumschlags". Wissenschaftliche Schätzungen und Modellierungen bräuchten Zeit.

Andere Wissenschaftler wagen dennoch bereits erste Prognosen. Nach einer Einschätzung der Universität Melbourne könnte "zum ersten Mal in der Geschichte der Gesamteffekt der Verpflichtungen der 194 Länder die Erwärmung auf unter zwei Grad begrenzen" - mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent. Wenn alle kurz-, mittel-, und langfristigen Versprechen gehalten werden, wäre demnach eine Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,9 Grad möglich.

Der Chef der internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, sagte, sein Team habe ähnliche Berechnungen angestellt und gehe in bislang unveröffentlichten Analysen von einer möglichen Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,8 Grad aus. Allerdings müssten dafür nun auf Worte sofort Taten folgen, betonte Birol. "Es ist wichtig, dass die Regierungen ihre Versprechen jetzt in klare und glaubwürdige Politiken und Strategien umsetzen."

Klimaschützer verweisen darauf, dass die Zielmarke von Paris von 1,5 Grad weiterhin überschritten werde. Bei einem Temperaturanstieg ab 1,5 Grad "werden einige Länder einfach von der Landkarte verschwinden", betont Juan Pablo Osornio von Greenpeace. Einig sind sich daher die Klimaaktivisten mit Politikern wie dem US-Klimabeauftragten John Kerry: Es muss noch viel mehr getan werden.

Quelle: ntv.de, mpe/AFP

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