Politik

Giftanschlag in Südengland Yulia Skripal ist außer Lebensgefahr

Hoffnung im Fall Skripal: Dreieinhalb Wochen nach dem Giftanschlag erholt sich die Tochter des Ex-Doppelagenten wieder. Bei ihrem Vater jedoch sieht es bisher anders aus. Währenddessen verschärfen sich die diplomatischen Spannungen weiter.

Die Tochter des russischen Ex-Spions Sergei Skripal wird den Giftanschlag, so wie es im Moment aussieht, überleben. Yulia Skripal sei auf dem Weg der Besserung, erklärte das Krankenhaus von Salisbury. Die 33-Jährige sei "nicht länger in einem kritischen Zustand", hieß es weiter. Ihr Zustand verbessere sich "rapide" und sei stabil. Ihr Vater jedoch kämpft weiter um sein Leben. Sein Zustand sei nach wie vor "kritisch, aber stabil".

Sergej Skripal und seine Tochter Julia waren vor dreieinhalb Wochen in der südenglischen Stadt Salisbury vergiftet worden. Beide fielen daraufhin ins Koma. Die britischen Behörden gehen davon aus, dass bei der Tat ein Nervengift der Nowitschok-Gruppe aus sowjetischer Produktion zum Einsatz kam. London vermutet die russische Regierung hinter dem Anschlag auf den Ex-Spion. Moskau bestreitet das und verdächtigte wiederholt den britischen Geheimdienst, seine Finger bei dem Attentat im Spiel zu haben.

Das Außenministerium in Moskau warf London zudem ein Mauern bei den Fakten im Fall Skripal vor. Vier offizielle diplomatische Anfragen seien unbeantwortet geblieben, sagte Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa. "Die britische Seite hat absichtlich jeden Kontakt mit Russland vermieden." Moskau habe keine Angaben zu Hergang, Tatzeit oder der Zahl der Betroffenen bekommen.

Moskau reagiert auf Nazi-Vergleich

Britische Vorwürfe einer russischen Verwicklung nannte Sacharowa einen "totalen Fake von globalem Ausmaß". Sie legte außerdem eine Liste vor, wie viele ranghohe Vertreter Großbritanniens 1936 die Olympischen Spiele in Berlin besucht hätten. Der britische Außenminister Boris Johnson hatte die Fußball-WM in Russland im Sommer mit den Spielen in Nazi-Deutschland verglichen. Das Königshaus und britische Politiker werden nicht zur WM kommen.

Der Fall hat für eine neue diplomatische Eiszeit zwischen dem Westen und Russland gesorgt. Als Reaktion auf den Giftanschlag haben bislang 26 Staaten, darunter auch Deutschland und die USA, die Ausreise von russischen Diplomaten angeordnet. Russland reagierte inzwischen mit ersten Gegenmaßnahmen: Außenminister Sergej Lawrow erklärte, das US-Konsulat in St. Petersburg werde geschossen, außerdem werde man 60 US-Diplomaten ausweisen.

Derweil bot sich Österreich als Vermittler zwischen den Fronten an. Wien hatte die Massenausweisung russischer Diplomaten kritisiert. Für Außenministerin Karin Kneissl ist nicht bewiesen, dass Russland hinter dem Giftanschlag steckt. "Wir haben einen Vorfall, dessen Sachverhalt der Aufklärung noch harrt", sagte Kneissl. Sie reist in drei Wochen nach Russland zu einem Treffen mit ihrem Amtskollegen Sergej Lawrow. Die Reise war allerdings schon länger geplant.

Quelle: n-tv.de, hul/dpa

Mehr zum Thema