Kommentare

Laschet hat sich durchgesetzt Viele solcher Siege hält die CDU nicht aus

238966698.jpg

Das Leiden des Armin Laschet ist wohl noch lange nicht beendet.

(Foto: picture alliance/dpa)

CDU-Chef Laschet hat es den Zweiflern mal wieder gezeigt. Aber die Wunden, die man sich bei CDU und CSU in atemberaubend kurzer Zeit schlug, sind tief und werden lange noch für böses Blut sorgen.

Kanzler werden, so heißt es, das muss man zu 100, am besten zu 150 Prozent wollen. Dass er diese Qualifikation mitbringt, hat der vermeintlich nur nette Armin Laschet in den vergangenen Tagen bewiesen. Allerdings musste er schon beim "Kanzlerkandidat werden" so mächtig und machtvoll wollen, dass nun sehr offen ist, ob er am Ende auch Kanzler wird.

Armin Laschet ist nun also Kanzlerkandidat von CDU und CSU, der "Union", wie sie sich nennt, aber es in den vergangenen Tagen keineswegs war. Am Ende sprach vor allem eines für ihn: Er steht an der Spitze der deutlich größeren Schwester der beiden Parteien. Mit einem sicheren Gespür für die Seele der CDU hat er darauf gesetzt, dass diese CDU noch nicht so tief gesunken ist, sich die Kanzlerkandidatur von der CSU abspenstig machen zu lassen. Diesen einen Trumpf hatte Armin Laschet von Anfang an. Er hat ihn bis zum Äußersten ausgereizt und gewonnen. Viele solcher Siege werden aber weder Laschet noch die CDU aushalten.

Das Ringen um die Kanzlerkandidatur mag ein spannender und demokratischer Wettbewerb gewesen sein - im Wahlkampf wird Armin Laschet von allen anderen Parteien aber jene kritischen bis herabwürdigenden Worte immer neu hingerieben bekommen, die ihm seine eigenen Parteikollegen in den vergangenen Tagen nachgerufen haben. CDU und CSU haben der Konkurrenz im Bundestagswahlkampf die Munition frei Haus geliefert. Nicht nur gegen die derzeit souverän aufspielenden Grünen ist das eine schwere Hypothek.

Das Leiden des Armin Laschet ist darum noch lange nicht beendet. Es wird bis zum Wahltag gehen. Denn so entschieden der Kampf um die Kandidatur jetzt ist, so wenig ist er ausgestanden und so wenig lässt sich das unter pflichtschuldigen Appellen zur Geschlossenheit verdecken.

Denn nach wie vor gilt ja: Ungewöhnlich große Teile seiner eigenen Partei, von der Mitgliederbasis bis in die höchsten Ränge, trauen Laschet den Wahlsieg im September nicht zu. Sie wollten lieber auf den Instinkt- und Bauch-Politiker Markus Söder setzen, und sie hatten nachvollziehbare Gründe dafür. Große Teile von CDU und CSU ziehen also mit einem ungeliebten Spitzenkandidaten in den Wahlkampf. Der Vollständigkeit halber sei hinzugefügt: Mit Söder wäre das genauso gewesen, nur dass eben die andere Hälfte der Union dann widerwillig angetreten wäre, weil sie dem Bayern wegen seiner vielen Wendungen und Widersprüche nicht trauen. Auch für dieses Misstrauen gab es gute Gründe: Markus Söder war und ist ein zwiespältiger Polit-Charakter. Das macht seinen Reiz aus - hinter dem aber immer auch Abgründe lauern.

Kurzum: Die Wunden, die man sich bei CDU und CSU in atemberaubend kurzer Zeit schlug, sind tief und werden lange noch für böses Blut sorgen. Die harmonieverliebte Mehrheit der Wähler vom Gegenteil zu überzeugen, wird schwer. Entscheidend kommt es darum auf die gesellschaftliche Großwetterlage im Spätsommer dieses Jahres an: Hat der Kampf gegen Corona dann immer noch alles im Griff und ist der einzige politische Maßstab für die Entscheidung der Wähler? Oder stehen die Zeichen statt auf immer neuen Lockdown auf dauerhaftes Lockern? Nur im letzteren Fall passt Laschet gut ins Bild. Er steht seit Beginn der Pandemie sichtbar im Lager der "Lockerer", anders als Söder. Dessen enorme (Umfrage-)Popularität rührt ja weitgehend von seinem Image als Vertreter des harten Corona-Kurses.

Ob das reicht? Ob sich nach der Wahl nicht doch verschiedene Koalitions-Mehrheiten ohne CDU und CSU bilden lassen, das ist offener denn je. Lange nicht ist die Union derart aus der Defensive in einen Bundestagswahlkampf gestartet - und das auch noch ohne die Amtsinhaberin Angela Merkel. Eines aber hat Laschet unter Beweis gestellt: Er hat fürs Erste alle, die ihn unterschätzt hatten, Respekt gelehrt. Auch darin ähnelt er Angela Merkel.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.