Sport

"Der Ball muss wieder rollen" DFB sieht bei Amateuren kein Aerosolrisiko

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Wegen der Pandemie geschlossen: Sportverbände verweisen auf wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Ansteckungen im Freien äußerst selten sind.

(Foto: imago images/Hanno Bode)

Nach dem Plädoyer der Aerosolforscher für Aktivitäten im Freien wittern Sportverbände Morgenluft. Amateurfußball müsse sofort wieder erlaubt werden, meint der DFB. Auch die FDP kann sich dafür erwärmen. Allerdings erhebt der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach energisch Einspruch.

Sportverbände haben auf einen offenen Brief der Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) an Bundeskanzlerin Angela Merkel reagiert und mehr Bewegungsmöglichkeiten im Freien gefordert. "Die Ausführungen der Gesellschaft für Aerosolforschung bestärken uns in der Position, die wir seit Monaten klar vertreten", sagte Rainer Koch, der für den Amateursport zuständige Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes. "Die Angst vor dem Amateurfußball als Corona-Treiber ist unbegründet."

Die GAeF hatte in dem Schreiben vom Sonntag an die Kanzlerin kritisiert, dass "bis heute wesentliche Erkenntnisse unserer Forschungsarbeit nicht in praktisches Handeln übersetzt" worden seien. "Stattdessen werden eher symbolische Maßnahmen wie die Maskenpflicht beim Joggen erlassen, die keinen nennenswerten Einfluss auf das Infektionsgeschehen erwarten lassen." Die Übertragung der Viren finde fast ausnahmslos in Innenräumen statt, betonten die Forscher. "Übertragungen im Freien sind äußerst selten."

"Die Diagnose haben wir, und wir haben das Rezept. Der Ball muss wieder rollen", sagte Koch. Der organisierte Vereinssport biete hier mit seinen Strukturen und bewährten Hygienekonzepten einen sehr wichtigen Anker, ohne pandemische Risikoquelle zu sein. "Dieser offene Brief der Aerosolforscher unterstreicht ja das, was wir schon lange sagen: Öffnet die Sportplätze und gebt unseren Vereinen die Möglichkeit, Amateursportlern jeder Altersklasse - zumindest im Freien - wieder ihren Sport zu ermöglichen", sagte Christian Dahms, Generalsekretär des Landessportbundes Sachsen, der ARD-Sportschau. "Die Vereine haben ihre Konzepte entwickelt und sind in der Lage, das Verhalten ihrer Sportler zu lenken, zu beobachten und auch zu kontrollieren."

FDP für Lockerungen im Freien, Lauterbach dagegen

Auch der FDP-Gesundheitsexperte Andrew Ullmann forderte eine Lockerung der Corona-Regeln im Freien. "Bei Einhalten des Mindestabstands halte ich es für sinnvoll, alle Kontaktbeschränkungen draußen aufzuheben", sagte er der Zeitung "Die Welt". SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält dagegen nichts von dem Vorschlag seines Politikerkollegen. "Ich halte es für falsch, sich draußen mit mehr als einem Haushalt zu treffen", sagte er unter Verweis auf eine Infektionsgefahr durch Tröpfchen. "Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Treffen draußen beginnt und dann drinnen endet."

Kritisch äußerte sich auch der Chefarzt des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. "Natürlich würde ich mich als Mediziner aus dem Sportbereich auch freuen, wenn angesichts solcher Untersuchungsergebnisse die Sportplätze wieder für alle geöffnet würden", sagte Andrew Lichtenberg der ARD-Sportschau. "Doch es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die neuen bislang bekannten Mutanten des Virus aggressiver sind und die Infektionsgefahr bei jüngeren Leuten gestiegen ist." Dies müsse ernst genommen werden und man könne nicht einfach alles öffnen und laufen lassen.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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