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Undercover bei Leichtathletik-WM Doping-Nation Russland feiert Comeback

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Hochspringerin Marija Lasizkene wird in London genauso zu sehen sein wie Weitsprung-Weltmeister Alexander Menkow.

(Foto: imago/Insidefoto)

Offiziell geht bei der Leichtathletik-WM in London kein einziger Russe an den Start - zu schwer wiegen die früheren Dopingsünden. Medaillen werden russische Athleten vermutlich dennoch holen - sie entgehen der Verbandssperre durch einen "Undercover"-Start.

Keine Hymne, keine Flagge - kein Problem: Kurz vor den Weltmeisterschaften ist die Sperre gegen Russlands Leichtathletik-Verband zwar bestätigt worden. Die Titelkämpfe in London werden wohl dennoch zum großen Comeback der Doping-Nation - auch wenn dies (noch) undercover über die Bühne geht.

"Wir haben Fortschritte erkannt", sagt Sebastian Coe, Präsident des Weltverbandes IAAF, vor dem WM-Start am Freitag über die Causa Russland: "In London sind 19 Russen am Start, die unter neutraler Flagge teilnehmen, weil sie die Anforderungen im Antidopingprogramm erfüllt haben. Wir sind zuversichtlich, dass die Systeme stimmen und auch die neue Führung in Russland korrekt arbeitet." Im Herbst 2015 war der russische Verband Rusaf wegen flächendeckenden Betruges auf die stille Treppe der Leichtathletik gesetzt worden, und die Suspendierung war bitter nötig: Bei Olympia 2012 waren unter 53 russischen Finalisten 29 Dopingsünder - Nachtests sowie der McLaren-Report enthüllten das gesamte Ausmaß der Verseuchung im staatlich gelenkten System.

"Riesen-Fortschritte gemacht"

In Russland hat durchaus ein Umdenken stattgefunden, dies attestierte auch die IAAF-Taskforce, die den vermeintlich Unverbesserlichen einen breiten Maßnahmenkatalog auferlegte. "Die Russen wollen wirklich alle Kriterien erfüllen und haben Riesen-Fortschritte gemacht", sagte Taskforce-Chef Rune Andersen: "Aber es gibt noch Probleme, die zu lösen sind." Konkret moniert Andersen einerseits, dass die umgekrempelte russische Anti-Doping-Agentur Rusada zwar nicht mehr berufsblind wie einst ist, dem Code der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada aber weiterhin nicht entspricht. Andererseits erkennt Russlands (Sport-)Politik den entlarvenden Bericht des Wada-Sonderermittlers Richard McLaren nicht an.

Mit dem Status quo kann Russland allerdings gut leben: Wie auch immer die Verpackung der betreffenden 19 Sportler in London aussieht, es stecken immer noch russische Athleten drin. Und so verkündet auch die Rusaf auf ihrer Homepage recht nonchalant ihren "neutralen Kader" - der als Team anreist und weitestgehend von Nationalcoach Juri Borsakowski angeleitet wird.

Dieses "Nicht-Team" dürfte in London keineswegs leer ausgehen: Hochspringerin Marija Lasizkene, in Peking unter ihrem Mädchennamen Kutschina bereits Weltmeisterin, wird kaum zu schlagen sein. In Hürdensprinter Sergej Schubenkow ist ein weiterer Peking-Sieger dabei, in Weitspringer Alexander Menkow gar ein Weltmeister von Moskau 2013, als die Russen bei ihren Heimspielen noch maßlos betrogen.

Auch Kenia hat ein Doping-Problem

Kein Problem, sagt Coe, schließlich würden die zuletzt in erstaunlicher Anzahl von der IAAF mit Sondergenehmigungen ausgestatteten Russen unter Aufsicht der britischen Dopingfahnder der Ukad kontrolliert. Und überhaupt: "Russland ist nicht das einzige Land, in dem gedopt wurde." Coe muss sich also nicht nur darum sorgen, dass einer der 19 neutralen Athleten aus Russland in London dopend erwischt wird - das wäre der Super-GAU. Auch die kaum besser beleumundeten Kenianer sind wieder ins Zwielicht geraten. ZDF-Recherchen zufolge ließen sich in der ostafrikanischen Läufernation Kontrollinstanzen mit wenig Geld schmieren, um positive Tests zu tilgen.

Vermeintliche Fahndungserfolge wie der gegen Jemima Sumgong, Marathon-Olympiasiegerin von Rio, sollen nur Alibi-Funktion besessen haben, das große Ganze blieb unangetastet. 2015 war Kenia die Nummer eins im WM-Medaillenspiegel - 40 aktenkundige Dopingfälle seit 2012 sind derweil ebenfalls rekordverdächtig.

Quelle: n-tv.de, Christoph Leuchtenberg und Kristof Stühm, dpa

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