Sport

Hype um tragischen Segel-Helden Herrmann winkt besondere Auszeichnung

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Boris Herrmann und Birte Lorenzen-Herrmann.

(Foto: imago images/PanoramiC)

Lob von Klimaaktivistin Greta Thunberg, Anerkennung von Segelikone Jochen Schümann - und bald auch eine Ehrung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier? Zumindest ist Boris Herrmann nach seiner beeindruckenden Weltumrundung bei der Vendée Globe ein Kandidat dafür.

Nach 80 Tagen selbst gewählter Einsamkeit auf den Weltmeeren prasselte es unaufhörlich auf Boris Herrmann ein. Ehefrau und Tochter konnte er gerade noch herzen, da wartete ein Interview-Marathon auf den tragischen Helden der Vendée Globe. An den Tagen danach sprang dem Weltumsegler dann sein Konterfei auf den Titelseiten zahlloser Tageszeitungen entgegen - und womöglich erhält der Fünfte der prestigereichen Regatta um die Welt sogar bald das Bundesverdienstkreuz.

Niels Annen, Staatsminister im Auswärtigen Amt, bestätigte einen entsprechenden Vorschlag bei der Hamburger Staatskanzlei. "Als erster deutscher Teilnehmer hat Boris Herrmann herausragendes geleistet", würdigte der SPD-Politiker den 39-jährigen Hamburger. Doch nicht nur wegen seines sportlichen Erfolgs könnte Herrmann diese hohe Auszeichnung durch den Bundespräsidenten zuteilwerden. Auf seiner Weltreise hatte der Segler auch wissenschaftliches Messgerät geladen, um Daten zum CO2-Gehalt, zur Temperatur und dem Salzgehalt des Wassers aufzuzeichnen. Den zusätzlichen Ballast für das Rennen nahm der Hamburger gerne in Kauf.

"Ich verstehe das Bundesverdienstkreuz so, dass man dabei für einen geleisteten Dienst für andere Menschen ausgezeichnet wird", sagte Herrmann: "Es freut mich natürlich sehr, dass meine Reise so empfunden wird und dass unsere Botschaft für die Klimaforschung wahrgenommen wird."

Klimaaktivistin Greta Thunberg bezeichnete ihren "großartigen Freund" Herrmann auch deswegen als "wahren Helden". Sie waren 2019 gemeinsam von England zum UN-Klimagipfel nach New York gesegelt. Auch Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher sowie der dreimalige Segel-Olympiasieger Jochen Schümann zollten Herrmann Respekt für seine Leistung. Der eigentlich eher Vendée-kritische Schümann gestand: "Es ist medial das Beste, was dem deutschen Segeln seit langer Zeit passiert ist."

Wagt er das Abenteuer noch mal?

Und tatsächlich: Herrmann war nach seiner Zielankunft mit Hindernissen im TV und im Netz omnipräsent. Am späten Donnerstagabend schilderte er einem Millionen-Publikum seinen dramatischen Crash mit einem Fischerboot wenige Seemeilen vor dem Ziel, der ihn vermutlich einen Podestplatz kostete. Doch dies sei "nur ein Aspekt des Rennens", erklärte der Norddeutsche knapp. Die Vendée sei "auch ein Abenteuer. Und es ist unsere Klimabotschaft".

In den einsamen Stunden auf rauer See hatte Herrmann immer wieder seine Rückkehr ins "normale Leben" herbeigesehnt. Zunächst will er mit seiner kleinen Familie in Frankreich verweilen und plant tatsächlich, wieder über den rauen Atlantik zu gleiten - dieses Mal mit seinem Kiteboard. Es gilt, die emotionale Achterbahnfahrt der vergangenen knapp drei Monate zu verarbeiten und sich an seinen neuen Alltag im Rampenlicht zu gewöhnen.

In vier Jahren steht die nächste Vendée Globe an. "Das wäre natürlich ein großes Highlight", sagte Herrmann der ARD: "Es ist ein großer Wunsch von mir, es noch einmal zu versuchen und es dann naturgemäß besser zu machen." Garantieren wollte er dies allerdings nicht, denn "die 80 Tage waren härter, als ich es mir je vorgestellt hätte".

Vor allem auf die letzte Episode, die Kollision mit dem spanischen Fischerboot, hätte Herrmann gerne verzichtet. "Das war Riesenpech." Aufgrund der Schäden an seiner Jacht musste er sein Tempo reduzieren und statt um den Sieg kämpfte er darum, das beschädigte Boot sicher ins Ziel zu manövrieren. Den Sieg hatte er da längst abgeschrieben. Der Popularität Herrmanns hat dies aber nicht geschadet.

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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