Viel zu gut für alle anderenSinners historische Serie lässt Tenniswelt fassungslos zurück

Wer soll diesen Seriensieger stoppen? Jannik Sinner zertrümmert dieser Tage die Tenniswelt in Einzelteile und schreibt Geschichte bei seinem Triumph in Rom. Der Dominator dürfte auch bei den French Open kaum zu schlagen sein.
Jannik Sinner hat in Rom seine Titelsammlung bei Masters-Turnieren vervollständigt. Der seit Monaten alles überragende Tennisprofi aus Südtirol gewann am Sonntag das Finale auf dem Sandplatz im Foro Italico gegen den Norweger Casper Ruud 6:4, 6:4 und sicherte sich damit die letzte ihm noch fehlende Trophäe bei einem der neun Top-Turniere.
Zudem gewann Sinner bereits sein sechstes Masters in Serie nach den Triumphen in Paris (2025) sowie Indian Wells, Miami, Monte-Carlo und Madrid in diesem Jahr. Schon fünf Masterstitel nacheinander waren einmalig in der Tennisgeschichte. "Es war das 50. Jahr, seit hier ein Italiener gewonnen hat. Deshalb bin ich jetzt sehr, sehr glücklich", sagte Sinner am Platz-Mikro: "Es war eine harte Woche, aber ich bin physisch sehr gut drauf."
Sinner arbeitete aber auch bei den Italian Open unablässig weiter an seinem Denkmal: Den Turniersieg sicherte er sich als erster Italiener seit Adriano Panatta 1976. Dazu ist er mit 24 Jahren der jüngste Spieler, der bei allen Masters triumphiert hat. Im Finale von Rom gewann Sinner sein 29. Match in Serie und teilt sich nun mit Pete Sampras die sechstlängste Siegesserie der ATP-Tour-Ära (seit 1990) - führend in dieser Hinsicht ist Novak Djokovic mit 43 Siegen (2010/11).
Zverev verzweifelt an "Wand" Sinner
Nach der Niederlage im French-Open-Finale 2025 gegen den Spanier Carlos Alcaraz arbeitete der bis dato bereits in der Weltklasse agierende Sinner noch einmal akribisch an seinem Spiel. Durch intensives Training und mit großem Erfolg. Er kann nun seine Gegner nicht nur mit seinen langen und harten Grundschlägen förmlich erdrücken, sondern steht auch mal hoch im Feld und attackiert aggressiv. Genau so, wie es dem jeweiligen Gegner am wenigsten gefällt. Dazu hat Sinner sein Repertoire stetig erweitert, kann den Stoppball inzwischen genauso stark wie Alcaraz spielen und verfeinerte zweimal seinen Aufschlag, um mittlerweile zu den besten Aufschlägern auf der Tour zu zählen.
Manchmal fühle es sich an, "als würde man gegen eine Wand spielen", sagte Zverev. Jeder, der Sinner schlagen will, muss das eigene Risiko bei fast jedem Schlag erhöhen - doch das steigert die eigene Fehleranfälligkeit. Der Italiener selbst macht nur wenig Fehler. Er agiere wie eine Maschine mit "einer Art künstlichen Intelligenz", sagte Ex-Spielerin Andrea Petkovic.
Zu den French Open in Paris (ab 24. Mai) fährt Sinner als Nummer eins der Weltrangliste und haushoher Favorit. In Roland Garros kann er auch seine Grand-Slam-Sammlung komplettieren. Nach den Siegen in Australien (2024, 2025), Wimbledon (2025) und New York (2024) fehlt ihm nur noch der Titel beim wichtigsten Sandplatzturnier des Jahres.
In Rom war Sinner zumindest einmal gefordert worden: Im Halbfinale gegen den Russen Daniil Medwedew musste er in den dritten Satz, wirkte erschöpft und war womöglich froh, dass die Partie wegen Regens erst unterbrochen und dann am Samstag zu Ende gespielt wurde.
Nur Alcaraz kann mit Sinner mithalten
Im Endspiel zeigte sich der zweimalige French-Open-Finalist Ruud über weite Strecken als hartnäckiger Gegner und führte im ersten Satz nach einem frühen Break 2:0. Danach hatte er aber im Kampf um seinen zweiten Masters-Titel nach Madrid 2025 - damals fehlte Sinner wegen seiner Dopingsperre - letztlich keine wirkliche Siegchance. Eiskalt spielte Sinner seine Stärken aus, es war taktisch, mental und physisch phasenweise eine Machtdemonstration.
Nach einem insgesamt schwachen Vorjahr nähert sich der frühere Weltranglistenzweite Ruud wieder seiner Bestform an und kehrt als 17. wieder unter die Top 20 der Weltrangliste zurück. Aus jenen war er Anfang Mai nach fünf Jahren durch sein Viertelfinal-Aus in Madrid gerutscht.
Deutschlands Topspieler Alexander Zverev war in Rom bereits im Achtelfinale ausgeschieden, anschließend sagte er den Start bei seinem Heimturnier am Hamburger Rothenbaum ab. Bei den French Open wird Zverev in Abwesenheit des verletzten Titelverteidigers Alcaraz, der in den vergangenen zweieinhalb Jahren der Einzige war, der Sinner auf Augenhöhe begegnete (die vergangenen neun Grand-Slam-Siege gingen alle auf das Konto der beiden Ausnahmekönner), hinter dem Italiener an Position zwei gesetzt sein. In der Weltrangliste liegt der Deutsche jedoch knapp 9000 Punkte hinter Sinner - das sind im Tennis Welten.