Türkei - USA 3:2 (2:1)
Lange Gesichter bei den Hollywood-Stars: WM-Gastgeber USA hat vor dem Start der K.-o.-Runde einen herben Stimmungsdämpfer kassiert. Die Mannschaft von Trainer Mauricio Pochettino verlor nach einer Mega-Rotation ihr sportlich bedeutungsloses drittes Gruppenspiel 2:3 (1:2) gegen die Türkei und verpasste eine makellose Gruppenphase. Die Türkei verabschiedete sich erhobenen Hauptes von ihrer ersten WM seit 24 Jahren. "Natürlich willst du jedes Spiel gewinnen", sagte der ehemalige Schalker Weston McKennie, "wir wollten auch zeigen, dass die ersten beiden Siege kein Zufall waren. Aber die Türken waren sehr präzise und haben ihre Chancen genutzt."
Ex-Schalker sorgt mit Last-Minute-Tor für Türkei-Ekstase

Vor den Augen der Hollywood-Stars Brad Pitt, Leonardo DiCaprio und Jessica Alba traf der eingewechselte Kaan Ayhan (90.+8) spät zum Sieg für die Türkei, die bereits vor der Partie ausgeschieden war. Die weiteren türkischen Treffer erzielten Jungstar Arda Güler (10.) und Orkun Kökcü (31.). Für die ohne zahlreiche Leistungsträger angetretenen US-Amerikaner trafen Auston Trusty (3.) und Sebastian Berhalter (49.) im gigantischen SoFi Stadium in Los Angeles. Im Sechzehntelfinale treffen die USA am kommenden Mittwoch (Ortszeit) in Santa Clara auf Bosnien und Herzegowina um Schalke-Stürmer Edin Dzeko.
Türkei - USA 3:2 (2:1)
Tore: 0:1 Auston Trusty (3.), 1:1 Arda Güler (10.), 2:1 Orkun Kokcü (31.), 2:2 Sebastian Berhalter (49.), 3:2 Kaan Ayhan (90.+8)
Türkei: Cakir - Celik (Söyüncü), Kabak, Bardakci, Elmali - Özcan, Kökcü (88. Ayhan) - Aydin (90.+1 Müldür), Güler, Yildiz (84. Uzun) - Yilmaz (90.+1 Kahveci). - Trainer: Montella
USA: Turner - McKenzie, M. Robinson, Trusty - Weah (58. Pulisic), McKennie (86. Tillman), Berhalter, Scally (77. Freeman) - Aaronson (77. Zendenjas), Reyna (86. Dest) - Pepi. - Trainer: Pochettino
Schiedsrichter: Mustapha Ghorbal (Algerien)
Gelbe Karten: - Berhalter
Zuschauer: 70.492 in Los Angeles
Weil der Gruppensieg bereits feststand, hatte Pochettino zum Schutz seiner mit Gelb vorbelasteten Schlüsselspieler eine Rotation angekündigt - und veränderte sein Team im Vergleich zum 2:0 gegen Australien auf neun Positionen. Die Türkei hatte sich vorgenommen, ihre erste WM-Endrunde seit 24 Jahren "mit Stolz" (Kenan Yildiz) zu beenden - doch es ging denkbar schlecht los. Trusty wurde bei einer Ecke am zweiten Pfosten sträflich alleingelassen und schoss ins kurze Eck zur frühen Führung ein.
Die Türkei zeigte sich vom Rückstand aber unbeeindruckt und schlug prompt zurück: Güler schloss eine Umschaltsituation überlegt ab. Es entwickelte sich eine ausgeglichene Partie mit Chancen auf beiden Seiten. Ein Treffer von Mark McKenzie zählte aufgrund einer Abseitsstellung nicht, wenig später traf Kökcü nach einem schön ausgespielten Angriff ins lange Eck. Zur Halbzeit gab es leichte Pfiffe der US-Fans.
Doch die Gastgeber kamen stark aus der Kabine: Berhalter zog wuchtig von der Strafraumkante ab und erzielte das 2:2. In der 58. Minute brandete lauter Jubel auf, als der zuletzt angeschlagene Hoffnungsträger Christian Pulisic ins Spiel kam. Pulisic und Brenden Aaronson (62.) vergaben dann eine Doppelchance auf das 3:2. Auch die Türken blieben gefährlich - und trafen buchstäblich in letzter Minute.
Paraguay - Australien 0:0
Geteilte Punkte, doch nur einer jubelt: Australien ist in einem ziemlich ereignislosen Duell mit Paraguay in die K.o.-Phase der Fußball-Weltmeisterschaft eingezogen. Der Mannschaft von Trainer Tony Popovic reichte in Santa Clara ein fades 0:0, um sich den zweiten Platz in der Gruppe D zu sichern. Während die Socceroos nun Klarheit haben, müssen sich die Südamerikaner auf Rang drei mit guter Ausgangslage noch etwas gedulden.
Paraguay - Australien 0:0
Tore: Fehlanzeige
Paraguay: Gill - Caceres, Velazquez, G. Gomez, Alderete (84. Canale), Maidana (46. Mauricio) - D. Gomez (90. Bobadilla), Cubas, Galarza (90. Alonso) - Avalos (67. Arce), Enciso. - Trainer: Alfaro
Australien: Beach - Circati, Souttar, Herrington - Behich, O'Neill, Irvine (84. Okon), Bos - Volpato (58. Hrustic), Metcalfe - Irankunda (84. Yengi). - Trainer: Popovic
Schiedsrichter: Clément Turpin (Frankreich)
Gelbe Karten: Diego Gomez - Jackson Irvine
Zuschauer: 68.827 in Santa Clara
Australien folgte durch das Remis den USA ins Sechzehntelfinale und trifft am Freitag in Dallas auf den Zweiten der Gruppe G. Die punktgleichen Paraguayer hatten aufgrund der schlechteren Tordifferenz das Nachsehen. Mit vier Zählern auf dem Konto stehen die Chancen, den Sprung unter die besten acht Drittplatzierten zu schaffen, jedoch gut - in der ersten K.o.-Runde käme das Team von Trainer Gustavo Alfaro derzeit auch als deutscher Gegner infrage.
Australien war mit dem Wissen in das Duell gestartet, dass auch ein Punkt das Weiterkommen hinter den USA garantieren würde. Paraguay hatte unter größerem Zugzwang gestanden. Die Südamerikaner mussten dabei auf den rotgesperrten Routinier Miguel Almiron verzichten, der sich bei einer Auseinandersetzung mit Mert Müldür während der Partie gegen die Türkei (1:0) den Mund zugehalten hatte.
Erstmals im Turnier stand Jackson Irvine in der Startelf Australiens. Der Mittelfeldspieler vom FC St. Pauli kam auch gleich zum ersten guten Abschluss, den Paraguays Keeper Orlando Gill jedoch noch über die Latte lenkte (4.). Die Socceroos kontrollierten das Geschehen, ohne wirklich gefährlich zu werden. Das Spiel war geprägt von vielen robusten Zweikämpfen, wie auch Connor Metcalfe zu spüren bekam. Der 26-Jährige von St. Pauli wurde nach einem Zusammenstoß unabsichtlich vom Schuh seines Gegenspielers im Gesicht erwischt. Nach kurzer Behandlungspause ging es für den australischen Mittelfeldspieler aber mit einem Kopfverband weiter.
Gegen die kompakte Defensive Paraguays fanden Irvine und Co. keine Lösungen. Jordan Bos versuchte es aus der Distanz, jedoch ohne Erfolg (36.). Zwingende Offensivaktionen waren auf beiden Seiten kaum zu sehen, drei Schüsse von Australien auf das Tor und null von Paraguay sprachen zur Halbzeit eine deutliche Sprache. Nach der Pause zeigte sich ein ähnliches Bild. Australien dominierte die Partie weitestgehend, auch wenn Paraguay nun etwas aktiver wurde.

