In Telefonat mit Infantino

Bericht: Trump warf Rot-Referee Spielmanipulation vor

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06.07.2026 | 06:01 Uhr
Ein Anruf von US-Präsident Donald Trump beim FIFA-Chef sorgt offenbar für die Aufhebung einer Rot-Sperre gegen Folarin Balogun. Bei dem Telefonat erhebt der US-Staatschef schwerwiegende Vorwürfe gegen den Schiedsrichter.

US-Präsident Donald Trump hat in seinem Telefonat mit FIFA-Chef Gianni Infantino den Schiedsrichter Raphael Claus offenbar mit angeblichen Spielmanipulationen in Verbindung gebracht. Das berichtet die "New York Times" unter Berufung auf mehrere namentlich nicht genannte Quellen.

Der brasilianische Schiedsrichter Claus soll demnach im Jahr 2023 in der brasilianischen Serie A ungerechtfertigte Rote Karten verteilt haben, so der Vorwurf, der Trump offenbar von einem Großspender des US-Fußballteams gesteckt wurde.

Doch Beweise für den Vorwurf wurden weder von brasilianischen Behörden noch von der FIFA gefunden. Claus sagte selbst vor einem parlamentarischen Ausschuss zu verdächtigen Wettaktivitäten aus, doch gegen ihn selbst wurden nie offiziell entsprechende Vorwürfe erhoben. Brasilianischen Medien zufolge wurde er damals aufgrund seiner langjährigen Erfahrung geladen.

Folarin Balogun war im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina von Claus des Feldes verwiesen worden, nachdem er Tarik Muharemovic auf das Sprunggelenk gestiegen war. Danach erhielt er eine Sperre von einem Spiel. Nach der mutmaßlichen Intervention Trumps setzte die FIFA die Strafe jedoch zur Bewährung aus.

Einen ähnlichen Vorgang gab es bisher nur einmal in der Geschichte der Weltmeisterschaft. 1962 wurde dem brasilianischen Angreifer Garrincha nach einem Platzverweis im Halbfinale auch das Auflaufen im Finale des Turniers erlaubt. Auch damals hatte es laut "New York Times" politische Interventionen gegeben. In diesem Fall durch die brasilianische Regierung.

Trump-Regierung schaltete Anwälte ein

Neben Trumps Telefonat hatte die US-Regierung offenbar bereits andere Ansätze verfolgt, um die Sperre gegen Balogun aufzuheben. Wirtschaftsminister Howard Lutnick und der Chef der WM-Taskforce Andrew Giuliani hatten dem Bericht zufolge Anwälte zudem engagiert, um gegen die Sperre vorzugehen. Laut FIFA ist ein Einspruch gegen die Entscheidung in der Theorie nicht möglich.

Der US-Fußball-Verband argumentierte, dass die Rote Karte gegen Balogun nicht regelkonform gegeben worden sei, weil für die Entscheidung Zeitlupen verwendet worden seien. Dies ist jedoch gängige Praxis bei Eingriffen des VAR. Der Verband erwog offenbar auch juristisch gegen die Karte vorzugehen und unter anderem den Sportgerichtshof CAS anzurufen.

Die ohne Begründung verkündete Entscheidung der FIFA wurde unter anderem vom Belgien, dem nächsten Gegner des US-Teams (Dienstag, 2 Uhr MESZ/ARD, MagentaTV und bei ntv.de im Liveticker) scharf kritisiert. "Ich wusste nicht, dass der 5. Juli der 1. April ist", sagte Belgiens Nationalcoach Rudi Garcia. Der belgische Fußballverband erklärte "alle Optionen" in Bezug auf die Entscheidung zu prüfen.

Heftige Kritik von anderen WM-Teilnehmern

Norwegens Nationaltrainer Stale Solbakken sprach von einem "großen Fehler" der FIFA. Es sei "eine schlechte, schlechte, schlechte Entscheidung, die der WM schaden wird", sagte er nach dem Viertelfinaleinzug der Norweger gegen Brasilien. "Es tut mir auch leid für die USA. Wenn sie gewinnen, wird es immer in der Schwebe hängen. Das ist nicht gut für den Sport."

Aus seiner Sicht schafft dies einen gefährlichen Präzedenzfall. "Was ist mit der nächsten Roten Karte? Was passiert dann? Wird es künftig irgendwo ein Gremium geben, das solche Karten einfach wieder aufhebt?", so Solbakken.

Dass Sperren nachträglich ohne jede Begründung auf Bewährung ausgesetzt werden, kommt extrem selten vor. Eine andere Rot-Sperre hatte die FIFA bereits vor dem WM-Turnier zur Bewährung ausgesetzt. Portugal-Star Cristiano Ronaldo war nach einem Ellenbogenschlag im WM-Qualifikationsspiel für drei Spiele gesperrt worden. Seine Strafe wurde auf eine Partie heruntergestuft, sodass er bereits für den WM-Auftakt wieder einsatzberechtigt war. Auch diese Entscheidung löste damals Kritik aus. Der Unterschied aber: Ronaldo musste trotzdem ein Spiel pausieren. Und: Eine Einmischung von höchster politischer Stelle, wie sie in der "Causa Balogun" stattgefunden hat, gab es bei Ronaldo nicht.

Verwendete Quellen: ntv.de, lme