1950 Minuten hat Manuel Neuer bereits bei Fußball-Weltmeisterschaften gespielt. Der zum DFB-Team zurückgekehrte Torhüter ist der Dauerbrenner aus dem aktuellen Team Deutschlands. Auch bei dieser WM hat er bekanntlich die beiden ersten Gruppenspiele gegen Curacao (7:1) und die Elfenbeinküste (2:1) im Tor gestanden und so 180 Minuten draufgepackt. Doch es kann sein, dass er sich im sportlich irrelevanten Spiel gegen Ecuador am Donnerstag (22 Uhr/ARD, MagentaTV und im ntv.de-Liveticker) auf die Bank verdrücken muss.
Womöglich kommt Oliver Baumann doch noch zu seinem ersten Turnier-Einsatz. Der Mann, der noch im Mai berechtigte Hoffnungen hegen durfte, als Stammtorhüter zur Weltmeisterschaft zu fahren. Es kam anders, er ist die Nummer 2 - und sitzt bislang nur auf der Bank. Damit ist er im DFB-Team nicht der Einzige. Acht Spieler kamen noch nicht zum Einsatz bei diesem Turnier.
Auch wenn Nadiem Amiri sein Team aufforderte, im "Flow" zu bleiben und auch betonte: "Auch aus Respekt vor anderen Nationen müssen wir das Spiel so angehen, als würde es um alles gehen" - der Zeitpunkt für Ausprobieren wird im Turnier nicht mehr besser. Alle dürften hoffen, sich im fürs Weiterkommen bedeutungslosen Spiel beweisen zu können. Wenn nicht jetzt, wann dann … ?
Ohne Schlotterbeck: Gehen Nagelsmann die Optionen aus?

Nicht alle haben dieselben Chancen, es noch aufs Spielfeld zu schaffen. Für den dritten Torhüter Alexander Nübel sieht es naturgemäß am schlechtesten aus. Ebenfalls verhältnismäßig unwahrscheinlich ist ein Einsatz von Malick Thiaw. Dieser ist nur der Backup der Backups in der Innenverteidigung. Weil das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann aber das Verletzungs-Aus von Nico Schlotterbeck verkraften muss, sind seine Chancen immerhin leicht gestiegen. Thiaw muss sich trotzdem noch hinter Schlotterbeck-Ersatz Antonio Rüdiger sowie dem gesetzten Jonathan Tah und Waldemar Anton einreihen.
Anton kam im Auftaktspiel gegen Curacao auf immerhin sieben statistische Minuten, auch Rüdiger war schon dort eingewechselt worden, als Nagelsmann Tah eine vorzeitige Pause gönnte. Eine ganze Halbzeit spielte der Real-Madrid-Profi dann nach dem Aus von Schlotterbeck gegen die Elfenbeinküste - und dürfte wahrscheinlich gegen Ecuador starten.
Ouedraogo eher glücklicher Nachrücker
Im Mittelfeld war Lennart Karl noch vor der Nominierungsfrist verletzungsbedingt ausgefallen, weswegen Nagelsmann noch Assan Ouedraogo ins Team holte. Der Leipziger wartet noch auf sein WM-Debüt, auch Angelo Stiller und Pascal Groß sitzen bislang nur auf der Bank. Leon Goretzka ist hier Einwechselspieler Nummer eins. Gegen die Elfenbeinküste machte zudem Nadiem Amiri nach seiner Einwechslung einen Unterschied und empfahl sich für weitere Einsätze. Während Deniz Undav als Joker im Sturm reüssiert - und von vielen für die Startelf gefordert wird -, stehen Nick Woltemade und Maximilian Beier in seinem und Kai Havertz' Schatten.
Nun ist es nicht selten, dass während eines Turniers nicht alle im Kader zum Einsatz kommen. Vor allem die Torhüter müssen sich meist mit ihrer Rolle als Ersatzmänner begnügen. Und als Highlight trotzdem Weltmeister werden. So wie Robert Weidenfeller und Ron-Robert Zieler 2014. Sie hatten während des gesamten Turniers in Brasilien Gesellschaft auf der Bank von Erik Durm, Matthias Ginter und Keivn Großkreutz. Sie alle sind Weltmeister ohne Einsatz.
Bei der Europameisterschaft 2024 im eigenen Land hatte sich Nagelsmann den Kniff überlegt, die Spieler, die Verbindungen zu den Spielorten haben - Undav und Chris Führich in Stuttgart etwa - auf den Platz zu schicken. Beide kamen so zu ihrem einzigen EM-Einsatz. So schaffte es der Bundestrainer beim Heimturnier, dass bis auf Robin Koch alle Feldspieler mindestens einen Einsatz hatten. Nur eben Koch und die Torhüter Marc-André ter Stegen und Baumann blieben draußen. Für Baumann könnte sich das nun spät in der Karriere doch noch ändern.


