Bei Uno geht's um "großen Titel"Drei DFB-Stars dürfen sich in Nagelsmanns Startelf beweisen

Für den letzten Test vor der Abreise zur Fußball-WM gibt Bundestrainer Julian Nagelsmann mehreren seiner Spieler eine Startelfgarantie. Seine komplette Wunschelf kann er bekanntlich nicht aufbieten. Mit Jamal Musiala ist einer zurück, der es kaum abwarten kann.
Beim Grillabend mit Döner im Kreise der Kinder und Familien wuchs die DFB-Familie enger zusammen, beim Uno-Spielen blühte der Flachs. "Da gab es eine ganz wilde Partie", berichtete Julian Nagelsmann, "die hat mehrere Zimmer unterhalten, da ging es anscheinend um den ganz großen Titel." Jenen bei der Fußball-WM strebt der Bundestrainer mit der deutschen Nationalmannschaft an. Die Zuversicht ist groß, die Stimmung gut - obwohl Nagelsmann schon auf Etappe eins der an Hindernissen reichen "Route 26" umplanen muss.
Manuel Neuer zwickt die "Wade der Nation", der Rückkehrer fehlt am Sonntag (20.45 Uhr/ZDF und im ntv.de-Liveticker) in Mainz gegen Finnland wie "Neuner" Kai Havertz, und Zauberfuß Jamal Musiala ist vor seinem DFB-Comeback auf Formsuche. Endlich einspielen für den "American Dream"? Von wegen!
"Sicherlich schon ein paar Spieler" seiner Wunschformation werden die Fans in der ausverkauften Arena sehen, versprach Nagelsmann, aber eben nicht alle. Und so ist der Test der Test für den WM-Notfall: Der Bundestrainer gibt Oliver Baumann, Felix Nmecha, Lennart Karl und Deniz Undav eine Bewährungschance - allesamt Spieler, "die noch reinrutschen könnten" ins A-Team.
Youngster Karl wird Startelf-Debüt geben
Bei der "Weltklasse-1b-Lösung" Baumann, vom Bundestrainer wegen des Neuer-Comebacks eben erst herabgestuft, könnte das auch für die Generalprobe am 6. Juni in Chicago gegen die USA noch gelten. Und sogar für den WM-Auftakt acht Tage später gegen Curacao? "Heute war er schon schneller unterwegs", sagte Nagelsmann am Freitag über Neuer, der auf dem Platz seine Runden drehte, "er ist voll im Soll." Festlegen, ob es für den 14. Juni in Houston reicht, wollte er sich aber nicht.
Neuers Kollegen "schärften" derweil hinter verschlossenen Türen "die Abläufe nochmal", die Nagelsmann im Laufe seiner Amtszeit eingeschliffen hat. Überfrachtet hat der so ehrgeizige Coach sie dabei nicht, "wir wollen es in der kurzen Zeit nicht übertreiben. Taktisch werden wir die Welt nicht einreißen."
Stattdessen gehe es darum, den "jugendlichen Spieltrieb" zu fördern, um in den berühmten "Flow" zu kommen und "Spaß am Fußball" zu entwickeln. Neben dem Platz ist der längst vorhanden. Uno-Verlierer Florian Wirtz, verriet Musiala lachend, musste sich nach seiner Pleite mit einem peinlichen Spruch beim Bundestrainer vorstellen.
Und auf dem Rasen? "Die Jungs sind schon alle gut auf dem Gaspedal", sagte Nagelsmann. Das gilt besonders für Jungstar Karl, dessen Schüsse in den Torwinkel der DFB stolz im Netz zeigte. Der Münchner darf sich als Alternative zu Serge Gnabry zeigen, der verletzt für die WM ausfällt, das Team aber im Quartier besuchte, was Nagelsmann "sehr cool fand".
Musiala hat "Bock"
Die rechte Flügelposition, für die neben Leroy Sané und Jamie Leweling laut Bundestrainer auch Musiala infrage komme, ist eine der wenigen offenen Planstellen. Ganz vorne ist Havertz gesetzt, dessen Auftritt im Champions-League-Finale mit dem FC Arsenal gegen Paris Saint-Germain die DFB-Auswahl nach der Busfahrt von Herzogenaurach nach Frankfurt im Teamhotel verfolgte. Für den England-Legionär stürmt Undav.
Einen Fingerzeig Richtung WM gibt es auf der Doppelsechs. Den Platz neben dem gesetzten Münchner Aleksandar Pavlovic erhält der Dortmunder Felix Nmecha, den Nagelsmann zuletzt in den Stand der "Weltklasse" erhoben hatte. "Ich bin einfach extrem überzeugt von dem Spieler", sagte er.
Das gilt erst recht für Musiala, den er nach 14 Monaten Pause wieder auf dem Platz "willkommen heißen" möchte. Er habe "Bock", sagte der Bayern-Star, vor allem das "Zocken" mit seinem kongenialen "Wusiala"-Partner Wirtz habe er "vermisst". Mainz ist eine gute Gelegenheit, die Zweifel an seiner Form nach der langen Verletzung zu zerstreuen. Beim Uno lief es ja schon ganz gut.