Offenbar Anruf bei FIFA

Keine Sperre für US-Star: Infantino und Trump verstecken den WM-Skandal nicht mal

us-passbildEin Kommentar von Sebastian Schneider, East Rutherford
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05.07.2026 | 21:17 Uhr
Das US-Team darf im WM-Achtelfinale gegen Belgien wieder auf Folarin Balogun zurückgreifen. Der beste Torschütze des Mitgastgebers sieht zwar die Rote Karte. Die Strafe wird aber zur Bewährung ausgesetzt. Die FIFA liefert, Trump jubelt.

Es ist eine einfache Pressemitteilung, sie beinhaltet aber ordentlich Sprengstoff. Um 12.40 Uhr Ortszeit teilt das FIFA Disciplinary Committee die Strafe für den Rotsünder Folarin Balogun der US-Fußballnationalmannschaft mit. Und anders, als es geübte Praxis ist, fehlt der beste Torschütze des US-Teams nicht im Achtelfinale gegen Belgien. Zwar zieht die Rote Karte aus dem WM-Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina eine Sperre nach sich. Die wird aber für ein Jahr auf Bewährung ausgesetzt. Ohne richtige Begründung, warum auch.

Und damit: Herzlich willkommen in der Welt von FIFA, Gianni Infantino - und eben Donald Trump. Der US-Präsident ließ es sich nicht nehmen, die überraschende FIFA-Entscheidung zu bejubeln. Skandalöser geht es eigentlich kaum. Die "New York Times" und die "Associated Press" berichten, dass der Präsident vorher selbst bei Infantino angerufen habe. Trump griff zu seinem Online-Sprachrohr Truth Social und schrieb: "Danke an die FIFA dafür, das Richtige zu tun und eine große Ungerechtigkeit rückgängig zu machen!"

Nun ja, das mit der "großen Ungerechtigkeit" ist so eine Sache. Denn selbst die FIFA-Disziplinarkommission beschreibt, dass Balogun ja eigentlich eine Sperre verdient hätte. Sie weist auf den Disziplinarkodex des Fußballverbands hin: Dort heißt es, dass ein Platzverweis mindestens ein Spiel Sperre nach sich zieht, bei grobem Foulspiel (dafür gab's ja die Rote) sogar eigentlich zwei Spiele.

Nicht das erste Mal

Balogun traf gegen Bosnien-Herzegowina für die USA zum wichtigen 1:0 und befeuerte die WM-Stimmung in New York, Dallas und Co. Doch dann in der 64. Minute ereignete sich die Szene, die den WM-Mitgastgeber und alle, die es mit ihm halten, auf die Palme brachte. Bei einem Zusammenstoß traf Balogun seinen Gegenspieler Tarik Muharemović mit der offenen Sohle unglücklich und mutmaßlich unabsichtlich oberhalb des Knöchels.

Dem Schiedsrichter war das nicht aufgefallen, deshalb meldete sich der VAR. Der Beschluss fiel danach: Rote Karte. Eine durchaus harte, aber vertretbare Entscheidung. Am Freitag hieß es noch, dass er nicht lange gesperrt werden sollte. Nun also die vollständige Kehrtwende. Denn die FIFA-Disziplinarkommission hat die Macht, auch automatische Sperren zur Bewährung auszusetzen.

Auffällig ist, dass diese Regelung rund um die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada nicht zum ersten Mal eingesetzt wird. Ein anderer Profiteur hätte eigentlich die ersten Spiele seiner wohl letzten Weltmeisterschaft verpasst. Cristiano Ronaldo sah bei einem Qualifikationsspiel gegen Irland die Rote Karte für eine Tätlichkeit. Das entspräche eigentlich einer Sperre von drei Spielen.

Doch der 41-jährige Superstar stand beim WM-Auftakt der Portugiesen gegen die DR Kongo und dem enttäuschenden 1:1 wieder auf dem Platz (zumindest physisch). Denn auch seine Rotsperre hatte die FIFA-Disziplinarkommission vor dem Turnier zur Bewährung ausgesetzt - mit Verweis auf denselben Paragrafen 27 wie bei Balogun. Die Sperre wird also erst wirksam, wenn sich Ronaldo im nächsten Jahr ein ähnliches Vergehen erlaubt. Alles für die größte Bühne der Welt, wie die FIFA das Turnier selbst bewirbt.

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Was sind schon Regeln?

Und so ist es bei Balogun jetzt auch: Denn was wäre, wenn der Mitgastgeber mit den meisten Stadien, einschließlich des Finalspiels, der sich mit "Soccer" ohnehin historisch gesehen schwertut, schon im Achtelfinale am kommenden Dienstag gegen Belgien (2 Uhr MESZ/ARD, MagentaTV und im ntv.de-Liveticker) ausscheidet? Infantinos XXL-WM geht dann immer noch anderthalb Wochen und könnte zu einer ganz zähen Angelegenheit werden. Zumindest für das Geschäft vor Ort.

Es ist nichts Neues, dass bei einem WM-Gastgeber der Eindruck entsteht, bevorzugt zu werden. Beim Turnier 2002 in Südkorea und Japan gab es das schon einmal. Schiedsrichter Byron Moreno gab Südkorea im Achtelfinale gegen Italien erst einen umstrittenen Elfmeter, warf später Francesco Totti wegen einer vermeintlichen Schwalbe mit Gelb-Rot vom Platz und ließ ein reguläres Tor nicht zählen. Die Italiener schimpfen heute noch.

Aber was Infantino und Trump bei dieser Weltmeisterschaft abziehen, ist völlig absurd. Nach dem erfundenen FIFA-Friedenspreis ist die faktische Aufhebung der Sperre für Balogun die nächste offensichtliche Aktion. Dass Regeln so offensichtlich gebogen werden, dass sich niemand dafür schämt, sägt an der Glaubwürdigkeit des gesamten Turniers. Aber was sind schon Regeln? Besonders, wenn sie den Gastgeber der größten Weltmeisterschaft aller Zeiten betreffen.

Und all das für einen US-Präsidenten, der ist bei bislang 91 WM-Spielen nicht einrichten konnte, einmal eine Partie zu besuchen.

Verwendete Quelle: ntv.de