Bundestrainer hat einen Plan

Julian Nagelsmann zeigt Jürgen Klopp, wie es wirklich geht

Stephan-UersfeldVon Stephan Uersfeld, Houston
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14.06.2026 | 21:30 Uhr
Furioser WM-Auftakt für die deutsche Nationalmannschaft. Gegen Curacao zittert die DFB-Elf rund 15 Minuten lang, dann gibt es kein Halten mehr. Bundestrainer Nagelsmann hat alles richtig gemacht.

Nur sechs Minuten dauerte es, dann wurde alles gut. So erschien es, und so wurde es am Ende auch. Ein herrlicher Ball von Nathaniel Brown hinter die Abwehrreihen Curaçaos, ein erster geblockter Versuch von Jamal Musiala und Sekunden später ein Schlenzer von Felix Nmecha vorbei am staunenden Keeper Eloy Room. Die Turnierdebütanten Nmecha und Brown stachen auch im weiteren Verlauf des Spiels heraus.

Sie waren die größten Entdeckungen der Partie - nicht für Deutschland, sondern für die Weltöffentlichkeit. Beide haben das Potenzial, sich zu den großen Überraschungen dieses Turniers zu erheben. Vorerst trugen sie maßgeblich zum 7:1 (3:1) bei. Weil Brown und Nmecha in den entscheidenden Momenten in der ersten Halbzeit Verantwortung übernahmen und auch in der zweiten Halbzeit nicht abreißen ließen.

Mit feinem Heber! Havertz setzt das i-Tüpfelchen

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Ihre Leichtigkeit brachte das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann zurück ins Spiel. Die drohende Katastrophe nach dem Traumstart wurde früh abgewendet, und es wurde ordentlich Schwung für den Rest des Turniers aufgenommen.

Das Raumschiff im Süden Houstons hob in dieser sechsten Minute also ab, der DFB war eingestiegen und geriet bald darauf in große Gefahr. Nach einer weithin unglücklichen Verteidigungsaktion der Abwehr stürzte dieses Raumschiff zwischenzeitlich brutal tief. Nach den unruhigen Minuten bis zum historischen 1:1 durch Curaçaos Mittelfeldspieler Livano Comenencia (21.) benötigte Deutschland zehn Minuten, um wieder die Kontrolle über die Mission zu erlangen. Nach insgesamt 17 Minuten wurde wirklich alles gut: Schlotterbeck traf. Am Ende blieb der Patzer in der Defensive nur eine Randnotiz.

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Sieg ist explizite Warnung

Das 7:1 gegen Curaçao im ersten Spiel der deutschen Nationalmannschaft war somit zugleich ein Versprechen auf viel mehr und eine explizite Warnung. Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Turniere, heißt es auf dieser Seite des Atlantiks. Das Spiel wurde gewonnen, doch sogar dem Inselzwerg gelang es, die Nachlässigkeiten in der deutschen Abwehr auszunutzen. Eine Baustelle, die vor den nun anstehenden Spielen gegen die Elfenbeinküste und Ecuador noch Aufmerksamkeit erfordern wird.

Vorerst erledigte die Offensive ihren Job. Und wie! Nmecha (6. Minute), Schlotterbeck (38.), Havertz per Elfmeter (45.+4, 88.), Musiala (47.), der überragende Brown (69.) und Deniz Undav (78.) trugen ihren Teil zum Torfestival bei. Es hätten noch viel mehr Tore fallen können.

Hacke, Volley, Tor: Brown veredelt sein WM-Debüt

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Der Kantersieg gegen Curaçao darf als kleiner Befreiungsschlag für Bundestrainer Nagelsmann gelten. Seine Personalentscheidungen auf dem Platz saßen. Die in den vergangenen Wochen für Leon Goretzka und David Raum ins Team gerückten Nmecha und Brown erhoben sich wie eingangs erwähnt zu Schlüsselspielern. Den alten Platzhirschen blieb nur die Rolle der Einwechselspieler in der Schlussphase.

Havertz macht Havertz-Dinge

Musiala, zuletzt öffentlich angezählt, zahlte das in ihn gesetzte Vertrauen mit einem Treffer zurück. Havertz machte Havertz-Dinge. Der Offensivspieler des englischen Meisters Arsenal ist momentan der wohl einzige echte Superstar des deutschen Fußballs. Es blieb jedoch nicht nur bei den richtigen Entscheidungen bei den ersten elf Spielern, auch die Einwechslungen trugen ihren Teil zum Erfolg bei.

Der für den womöglich leicht angeschlagenen Musiala in der 64. Minute hereingekommene Deniz Undav war nur wenige Momente später am fünften Treffer des DFB entscheidend beteiligt, traf bald darauf als Superjoker zum 6:1 und legte noch das 7:1 von Havertz auf.

DFB-Team trifft und trifft, nur Sané hat Torschusspanik

Nagelsmann hielt sich ohnehin an seinen Plan, so wie es ihm unter der Woche unter anderem der magische mexikanische Kanarienvogel Piro Piro geraten hatte. Im Vergleich zum 2:1 gegen die USA nahm er nur eine Veränderung in der Startelf vor. An seinen permanenten Änderungen hatte es im Vorfeld des Turniers Kritik gegeben. Ganz vorne dabei: Bayern-Übervater Uli Hoeneß. Rechtzeitig zu Beginn der Vorbereitung hatte der 38-Jährige sich aber auf sein Team festgelegt.

Die Veränderung war die, die ohnehin alle erwartet hatten. Erstmals seit Marc Cucurellas Handspiel und Mikel Merinos Todesstoß in den letzten Sekunden im Juli 2024 stand Manuel Neuer wieder im Tor der Nationalmannschaft. Das 125. Länderspiel, seine fünfte WM-Teilnahme. Auch sein Auftritt konnte insgesamt als bemerkenswert abgespeichert werden.

Beim Ausgleich Curaçaos traf ihn eine kleine Mitschuld. Die Spieleröffnung des "Aura"-Keepers war nicht in jedem Moment nachvollziehbar. Einmal stürmte er aus dem Tor, klärte an der Mittellinie mit dem Kopf. Egal an diesem Tag. Es war nicht mehr als eine Trainingseinheit für den Torhüter. Bereits in der abgelaufenen Saison zeigte Neuer seine wahre Stärke in den großen Spielen, diese kommen noch. In diesen wird sich auch die Frage entscheiden, was aus dem Bundestrainer werden wird.

Deutsche Fans feiern

Um ihn hatte es vor dem Spiel reichlich Aufregung gegeben. Jürgen Klopp, der trainerfressende Head of Global Soccer bei Red Bull, hatte in seiner Rolle als TV-Experte das Ende der Amtszeit des aktuellen Bundestrainers in Aussicht gestellt. Sehr zum Vergnügen des ehemaligen Nationalspielers und aktuellen Klopp-Sidekicks Thomas Müller.

Später wollten sie es nicht so gemeint haben, aber das mit dem Nichtgemeinthabenwollen ist so eine Sache. Lothar Matthäus schäumte, Nagelsmann sagte: "So ist das eben." Was blieb ihm auch anderes übrig. Die Konkurrenz eines Bundestrainers sind nicht nur die 80 Millionen anderen Bundestrainer, sondern die Konkurrenz ist eben auch Jürgen Klopp, der Schattentrainer der Nation.

"Sowas hat man lange nicht gesehen", sangen einige der mitgereisten Deutschland-Fans gegen Ende des Spiels. Sie hatten damit verdammt recht. Der erste WM-Auftaktsieg seit dem grandiosen 4:0 gegen Portugal am 16. Juni 2014 im brasilianischen Salvador darf dabei trotz der Höhe des Ergebnisses natürlich nicht überbewertet werden. Danach folgten bittere Niederlagen. Auf das 0:2 gegen Mexiko 2018 in Russland folgte das 1:2 der abstürzenden Graugänse gegen Japan in Katar vier Jahre später. Am heutigen Sonntag aber nahm die deutsche Mannschaft den Geist von 2014 auf.

Die Welt hat sich in den vergangenen zwölf Jahren immer schneller gedreht, auch im Fußball. Wer hätte damals daran gedacht, dass es jemals zu einem WM-Spiel gegen Curaçao kommen könnte? Vor zwölf Jahren war Curaçao mit dem Zusatz Blue ein süßlicher Drink, hier in Houston nun wurden sie zu einem Appetithappen auf das, was in den hoffentlich sieben kommenden Spielen der DFB-Elf geboten werden könnte. Hätte schlimmer kommen können. Gegen die Elfenbeinküste folgt am kommenden Samstag in Toronto nun der echte Start für Nagelsmanns Elf.

Verwendete Quelle: ntv.de