Thomas Müller und Jürgen Klopp diskutieren vor dem ersten Spiel der DFB-Elf über die Aufstellung. Dann fällt ein Spruch, der hohe Wellen schlägt. Die Trainer-Ikone, die ja immer mal wieder als möglicher Nachfolger von Julian Nagelsmann gehandelt wird, redet sich, vermutlich völlig unbedarft aus dem Bauch heraus, für einen Moment um Kopf und Kragen: Klopp sagte, "noch" stelle ja Nagelsmann die Mannschaft auf, er wiederholte: "noch". Müller gab zurück, Klopp sei gedanklich wohl schon "im September".
Weil der Spruch ziemlich aus dem Ruder lief, unter anderem war Lothar Matthäus einigermaßen fassungslos, sagt Klopp noch vor dem ersten Anpfiff der Deutschen "sorry" zum Bundestrainer. "Das Unwort meines Jahres habe ich bereits gefunden: Das ist 'noch'. Ich hätte mir dafür aufs Maul hauen können", sagte Klopp bei MagentaTV nach dem 7:1 (3:1) gegen Curacao in Houston. Aber, sagte Klopp: "Es war zu spät, ich war im Fernsehen. Es ist flapsig rausgerutscht, hat gar keine Relevanz. Ich werde übermorgen 59 - und bin immer noch dämlich." Er versicherte Nagelsmann: "Wir sind komplett auf eurer Seite. Es kommt nichts, was den Ablauf stören soll."
Völler teilt vielsagend gegen Klopp und Müller aus

Völler bittet zum Gespräch
Einer, den die Forschheit von Klopp und Müller stört, ist Rudi Völler. Der machte den beiden Experten nochmal klar, was er von ihnen in der Rolle als TV-Analysten hält: "Bei euch ist ernst ja ein bisschen schwieriger, ihr seid ja mehr für die Komik zuständig." Zum ersten Mal verziehen die Angesprochenen die Gesichter. Und fertig ist Völler noch nicht. Er legt nach: "Vielleicht haben wir ja die Gelegenheit, uns noch mal zusammenzusetzen und ein paar grundsätzliche Dinge zu besprechen. Das tut ganz gut, glaube ich schon." Klopp bricht in Gelächter aus, offenbar peinlich berührt von dem Live-Rüffel bei MagentaTV.
Dann verteilt Völler noch einen Rat an Müller, den er einen "Suchenden" nennt: "Jürgen kann ihm auch einen Tipp geben. Und das meine ich hier ernst. Thomas, du könntest einen kleinen Trainerschein machen, um ein wenig mehr zu verstehen. Wir haben ja alle das Gefühl, wir wissen alles. Ich glaube, wenn man mal einen Trainerschein macht, hilft das, egal, was du später noch machst. Und der Jürgen ist ja ein wunderbares Beispiel mit seiner tollen Karriere, die er gemacht hat."
Die Sätze von Völler haben gesessen: Nachdem der DFB-Sportdirektor die Schalte bei Magenta verlassen hatte, sagte Klopp lächelnd: "Wir sind für die Komik zuständig, hat er gesagt." Und Müller sagt: "Man hört das, was man hören will. Und er ist natürlich auch dafür zuständig, das Gebilde zu beschützen."
"Dämlicher" Klopp kriecht bei Nagelsmann zu Kreuze

Hoffentlich kein 94er-Déjà-vu
Die Debatte um den Spruch hatte auch deshalb so viel Fahrt aufgenommen, weil Klopp ja eine Art Schatten-Bundestrainer ist. Ein Blick in die ARD-Doku "Elf Helden, ein Albtraum" zeigt derzeit in Superzeitlupe auf, was passieren kann, wenn der Bundestrainer (Berti Vogts) vom Bundestrainer der Herzen (Franz Beckenbauer) und den Medien (mit Lothar Matthäus) bei einer WM in den USA (1994) sturmreif geschossen wird: ein Fiasko!
Nagelsmann hatte die Wucht der Spruch-Debatte bei seiner Abschlusspressekonferenz vor dem Auftaktspiel gegen Curacao zu spüren bekommen. Die erste Frage in Houston dazu pendelte er noch mit einer Gegenfrage aus - aber als ein englischer Reporter nachsetzte, musste er sich doch ausführlicher erklären. Noch einmal: darüber, dass sein potenzieller Nachfolger öffentlich Witzchen über seine Zukunft reißt. Deutschland habe "viele Experten, auch Thomas und Jürgen sind coole Jungs", sagte Nagelsmann, er war wenig angetan, aber dabei souverän. "Sie hatten viel Erfolg in der Fußballwelt. Sie können über alles reden, was sie wollen. So ist das eben."
Müller und Klopp schwärmen von DFB-Elf

Lothar Matthäus merkte aus der Ferne an: Klopps Rolle, seine Aussagen auch zu Aufstellungsdetails, machten es Nagelsmann "nicht gerade leichter". Die Ex-Nationalspieler Andreas Möller und Stefan Effenberg sprachen im Sport1-Doppelpass von einem "No-Go". So einen Satz "finde ich respektlos", sagte Möller. Ob nun Ruhe herrscht?



