Fußball

"Brauche gar nicht rumeiern" Bobic beendet das Kapitel Eintracht Frankfurt

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Fredi Bobic wird ab der nächsten Saison nicht mehr für Eintracht Frankfurt tätig sein.

(Foto: imago images/MIS)

Fredi Bobic gilt als ein Baumeister des jüngsten Aufschwungs von Eintracht Frankfurt. Als Macher beschert er dem Fußball-Bundesligisten eine glänzende Transferbilanz und großen sportlichen Erfolg. Nun beendet der ehemalige Stürmer seine Zeit in Hessen. Bobic dürfte es zu einem Konkurrenten ziehen.

Champions League oder 2. Liga? Zwischen diesen sportlichen Extremen bewegten sich die Spekulationen um die Zukunft von Fredi Bobic. Während Eintracht Frankfurt mit seinem seit Jahren erfolgreichen Sportvorstand Richtung Königsklasse strebt, droht Hertha BSC der Absturz aus der Bundesliga. Und doch halten sich die Gerüchte über einen möglichen Wechsel des Ex-Nationalspielers nach Berlin. Dass er mit Eintracht Frankfurt nicht noch einmal durch Europa reisen wird, steht inzwischen wohl fest: Wie die ARD mitteilte, bestätigte Bobic seinen Abschied aus Frankfurt zum Saisonende gegenüber dem Sender.

Eintracht Frankfurt dagegen hat bisher nur Gespräche mit Bobic über einen vorzeitigen Abschied bestätigt. Dass die Entscheidung aber bereits gefallen sei, dementierten die Hessen am Dienstag. "Wir haben verabredet, entsprechende Gespräche über einen Verbleib oder einen vorzeitigen Wechsel zu führen und darüber im Sinne des sportlichen Erfolgs der Eintracht absolutes Stillschweigen zu wahren", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Philip Holzer einer Mitteilung zufolge. Diese seien "gegenwärtig noch nicht abgeschlossen und werden erst nach der nächsten Aufsichtsratssitzung Mitte März fortgesetzt". Holzer sagte zum Ablauf, Bobic sei vor drei Wochen auf ihn zugekommen und habe ihn über seine Überlegungen informiert.

"Aus moralischen Gründen" länger in Frankfurt

Das widerspricht den Aussagen von Bobic in der ARD-Sendung "Sportschau Thema", die heute Abend um 23 Uhr ausgestrahlt wird. Nach Angaben der ARD sagte Bobic dort, er "brauche gar nicht rumeiern", ursprünglich habe er sogar geplant gehabt, den Verein bereits im Sommer 2020 zu verlassen. Die Pandemie habe ihn jedoch zum Umdenken bewegt: "Dann wurde ich gebeten, ob ich nicht noch die Corona-Saison durchziehen kann, und ich habe gesagt, das mache ich, schon aus moralischen Gründen." Nach dieser Saison ist aber definitiv Schluss: "Ich habe gesagt, ich ziehe jetzt noch ein Jahr durch, und jeder wusste eigentlich Bescheid. Man war vorbereitet darauf, dass die Situation kommt, dass ich im Sommer 2021 den Verein verlassen werde."

Als Macher und Modernisierer hat sich Bobic in Frankfurt bewiesen. Klassenerhalt, DFB-Pokalsieg 2018, Sturm ins Europa-League-Halbfinale und immer wieder erstaunliche Transfers, die den Frankfurtern Millionen in die Kasse spülten. Kein Wunder, dass dieser Mann Begehrlichkeiten weckte. Aus Berlin, wo der Big-City-Traum nach vielen Rückschlägen und der Beurlaubung von Langzeit-Manager Michael Preetz neu sortiert wird, gibt es keine offiziellen Statements.

Der 49 Jahre alte Bobic hatte bisher nur ausweichend auf die Spekulationen reagiert. "Was die Zukunft bringt, weiß kein Mensch", sagte der gebürtige Slowene. Trotz des Höhenfluges in der Bundesliga und der Aussicht als aktuell Tabellenvierter in die Königsklasse einzuziehen, dürfte ein Engagement bei dem nur einen Punkt vor einem Abstiegsplatz stehenden Hauptstadtklub für ihn eine lockende Herausforderung sein - mit dem zusätzlichen Reiz, wieder mit seiner Frau und den beiden Töchtern in Berlin leben zu können.

In Frankfurt hatte Bobic, der zuvor bei dem bulgarischen Club Tschernomoretz Burgas und beim VfB Stuttgart Sportdirektor war, seine Meisterprüfung als Fußballmanager gemacht, mit einem Gespür für einstmals bezahlbare Spieler und Talente wie Ante Rebic, Sébastien Haller oder Luka Jovic, mit denen die Eintracht für Furore sorgte und beim Verkauf einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag erlöste. Die clevere Personalpolitik bescherte den Frankfurtern große Erfolge.

Hertha darf hoffen, Eintracht muss sich neu aufstellen

Den Österreicher Adi Hütter zu verpflichten, der nach dem Transfer der stürmenden Büffelherde und dem Abschied von Niko Kovac die Hessen auf Erfolgskurs hält, war ein weiterer Glücksgriff á la Bobic. In Stürmer André Silva oder Verteidiger Evan N'Dicka sind erneut zwei junge Profis gereift, deren Transfermarktwert immens gestiegen ist.

Statt an der Fortsetzung der Erfolgsgeschichte weiter zu arbeiten, müsste Bobic bei Hertha BSC als Nachfolger von Preetz wieder Aufbauarbeit leisten. An Geld sollte es dank Windhorst nicht mangeln. Die Ablösesumme dürfte für die Berliner kein Problem sein. Auf die Hessen verwies Millionen-Investor Lars Windhorst erst kürzlich. "Schauen sie sich Frankfurt an. Die haben keine externen Mittel gehabt und erreichen wahrscheinlich trotzdem die Champions League", sagte der Geldgeber. Genau da will Hertha auch hin. Und Bobic würde ins Muster passen.

Eintracht Frankfurt muss sich nun neu aufstellen, da Sportdirektor Bruno Hübner ebenfalls zum Ende der Spielzeit aufhört. Als Nachfolger von Bobic ist Christoph Spycher ein Kandidat. Der frühere Frankfurter Kapitän ist Sportchef bei den Young Boys Bern und gewann mit dem heutigen Eintracht-Coach Hütter 2018 den Schweizer Meistertitel.

Quelle: ntv.de, ter/dpa

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