Aufbruch und Drohung

"Dann bin ich weg": Jürgen Klopp legt mit Knalleffekt los

us-passbildVon Sebastian Schneider
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24.07.2026 | 15:55 Uhr
Da ist er nun: Der DFB präsentiert Jürgen Klopp offiziell als neuen Bundestrainer und Alleinherrscher. An seiner Seite hat er das beste Trainerteam "possible" und viele Ideen, aber auch noch zwei Monate Zeit, die zu strukturieren. Und er will das Land verändern.

Für seinen Seitenwechsel hatte sich Jürgen Klopp viele Gedanken gemacht. Über den deutschen Fußball, die DFB-Elf, über das, was seine ersten Worte als Bundestrainer sein werden. Es ist sicherlich kein Zufall, dass er seine wichtigsten Botschaften schon in seinem elfminütigen (!) Eingangsstatement untergebracht hat. Er wirkte selbst überrascht, als er die Runde für Nachfragen öffnete. Schließlich habe er viel länger geredet, als er selbst gedacht hätte.

Dabei legte er überraschend ernst auf der großen Bundestrainer-Bühne los. "An dem Tag, an dem ihr das nicht mehr wollt, sagt ihr es. Und ich bin weg. Ohne Abfindung", erklärt Klopp den anwesenden Reporterinnen und Reportern. "Wenn ihr morgen sagt: 'Der ist scheiße.' Bin ich weg. Nicht einzelne, es müssten schon mehr sein. Wenn der DFB sagt: 'Der ist scheiße.' Bin ich weg." Und an den Boulevard gerichtet: "Wenn ihr euch danebenbenehmt und meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg."

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Watzke: "Klopp macht jeden Spieler überwiegend besser"

Damit ist der Ton gesetzt. Er mache das nicht nur für sich, sondern auch für den deutschen Fußball. "Wer Jürgen holt, der kriegt ihn", sagt Klopp über sich selbst. Genau dafür haben sich die DFB-Offiziellen entschieden. 26 Tage nach dem blamablen WM-Aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und der Pendeldiplomatie zwischen Deutschland und den USA präsentieren Bernd Neuendorf und Hans-Joachim Watzke ihre ganz persönliche "Wunschlösung" für die Nachfolge von Julian Nagelsmann. 

Das beste Trainerteam "possible"

Wer Befürchtungen hatte, der DFB würde sich nun völlig Klopp unterordnen, wurde durch diese Pressekonferenz bestätigt. Aber nach den Erfahrungen seit dem WM-Aus 2018 muss das ja nichts Schlechtes sein. Watzke und Neuendorf machten deutlich, dass sie sich tatsächlich keine Sekunde mit irgendeinem anderen Kandidaten beschäftigt haben. Die Kritik daran habe Watzke amüsiert. "Wenn du das Gefühl hast, dass er Beste ist, dann solltest du das idealerweise auch machen." Deshalb sei der zeitliche Ablauf auch alternativlos gewesen. Als gäbe es niemand anderen für diesen Posten.

An dem Tag, an dem Bundeskanzler Friedrich Merz sein neues Regierungsteam präsentiert (bis auf einen neuen Verkehrsminister), stellt auch Klopp sein bestes "possible" Trainerteam vor. An seiner Seite sind Peter Krawietz und Pepijn Lijnders, die dort schon zuvor lange als Assistenten werkelten. Hinzu kommt Marc Kosicke, der seit 20 Jahren der Berater von Klopp ist. Er bleibt externer Berater, bekommt aber alle Zugänge zum DFB, wie Neuendorf erklärte, der damit auch sein eigenes Büro meinte.

Kosickes Arbeitsbereich wird mysteriös als "Strategie, Innovation und Entwicklung" formuliert. Er wird wohl das Bindeglied zwischen Trainerteam und Verband werden. Und Sven "Manni" Bender wird ebenfalls Co-Trainer. Der Ex-BVB-Profi und siebenfache Nationalspieler kennt die Spielerperspektive, ähnlich wie Sandro Wagner bei Nagelsmann. Bender könnte zudem den Arbeitsbereich "Mentalität" leiten, der zuletzt nun doch eher Schwächen zeigte, mutmaßten verschiedene Medien.

Und klar, da ist the man himself, Jürgen Klopp, der sich seiner Strahlkraft mehr als bewusst ist und gerne auch mal in der dritten Person von sich selbst spricht. "Jürgen Klopp hat keine Karriere nach der Nationalmannschaft", sagt Jürgen Klopp. "Das ist idealerweise der Höhepunkt meines beruflichen Lebens." Er mache das nicht für sich selbst, sondern für alle Fans des DFB-Teams. Es sei eine Riesenehre und ein sehr, sehr guter Tag für ihn, sagt Klopp. Gemeinsam mit seinem Team wolle er jeden Stein im Verband umdrehen.

Erfahrungen aus Mainz, Dortmund und Leipzig

In seinem alten Leben, vor dem Seitenwechsel, da war Jürgen Klopp ein Vereinstrainer. Er eroberte Herzen erst in Mainz, dann in Dortmund und schließlich in Liverpool - bis er einige mit seinem Red-Bull-Engagement wieder verlor. Es ist auch eine Frage, welche Version davon nun Bundestrainer wird? Der Klopp, der in Frankfurt am Main auf dem Podium sitzt, weist Eigenschaften von beiden Versionen auf. Er wirkt engagiert, nachdenklich, entspannt und bisweilen aber auch wirr in seinen Antworten. Er muss bei Fragen mehrfach nachfragen, um sie dann aber doch nicht zu beantworten.

Und doch kommen seine Botschaften an. Eine davon: Aufbruchsstimmung. Im deutschen Fußball schlummert nach Klopps Ansicht mehr Talent, als in den vergangenen Wochen berichtet wurde. Er nannte keinen einzigen Spielernamen, sagte aber, dass er 57 Feldspieler schon auf seiner Liste habe. Darunter seien auch Namen, die bislang nichts mit der DFB-Elf zu tun hatten. Das gelte auch für die U17-Welt- und Europameister von 2023. "Mit Führerschein können wir sie gebrauchen."

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Klopp bringt Saal mit Parkplatz-Frage zum Lachen

Mehrfach betont er, dass nun der beste Moment sei, um Dinge zu verändern. Der Name "Klopp" strahlt nun über dieser Nationalelf, sie hat dadurch die Chance bekommen, sich in diesem Schatten neu zu erfinden. Dass der 59-Jährige dafür der richtige Mann sein kann, zeigte er schon in Mainz, Dortmund und Liverpool. Deshalb sieht der DFB den "perfekten Kandidaten" in ihm. Zudem: Klopp hat den Luxus, dass die September-Länderspielpause auf fast zwei Wochen ausgeweitet wurde. Viel Zeit zum Tüfteln. "Wir müssen den Spagat schaffen, zwischen entwickeln und performen", sagt er. Irgendwie sowas wie: "Deutschland sucht den Fußballstar".

Und die andere Botschaft: Wer Klopp bestellt, der bekommt auch Klopp. Einen ähnlich schläfrigen Spielvortrag wie den gegen Paraguay beim WM-Ausscheiden soll es unter seiner Amtsführung wohl nicht mehr geben. "Naja", sagt er, "also: Ein bisschen intensiver hätte es schon sein können." Gegenpressing, eine klare fußballerische Idee und wieder echte Flügelspieler: Klopp habe schon einige Ideen, wie er das Spiel der DFB-Elf wieder belebt.

Ironischerweise klingt er auch ein wenig wie sein Vorgänger, der frühe Nagelsmann. Der hat nach der Heim-Europameisterschaft ja selbst die Deutschen dazu ermutigt, gemeinsam mit seinen Nachbarn die Hecken zu schneiden und wieder in Vereine einzutreten. "Die Leute sollen nach dem Spiel nach Hause gehen und sagen: 'Wow, das war wirklich cool'", sagt Klopp. Er habe dreimal erlebt, "wie erfolgreicher Fußball eine Stadt verändern kann. Und ich glaube, wir sind uns alle einig, dass erfolgreicher Fußball tatsächlich auch ein Land verändern kann". Wenn das DFB-Team wieder erfolgreich sei, dann seien der Nachbar und Bundeskanzler Merz vielleicht auch nicht ganz so doof.

Doch bis es so weit ist, warten noch ganz andere Aufgaben, schließlich steht noch das Onboarding an. Die ganzen DFB-Telefonnummern fehlen noch in seinem Handy. Und da hilft auch gerne DFB-Sportdirektor Rudi Völler mitten in der Vorstellungspressekonferenz aus. Klar, bekommt auch der Bundestrainer einen Parkplatz am DFB-Campus, sogar mit eigenem Schild. "Dann wird da oft ein Auto draufstehen", versichert Klopp. Er hat ja viele Ideen.

Verwendete Quelle: ntv.de