Nach der Kritik an FIFA-Boss Gianni Infantino wegen eines gescheiterten Investorendeals hat sich sein Vorgänger Joseph Blatter für Norwegens Verbandschefin als Nachfolgerin ausgesprochen. "Lise Klaveness verdient größten Respekt. Sie war die Einzige, die stets klar Stellung bezogen und sich nicht dem Mainstream angeschlossen hat. Und bei der FIFA ist die Zeit reif dafür, dass eine Frau die Führung übernimmt", schrieb Blatter (90) im Kurznachrichtendienst X.
Der Schweizer hatte im Zuge des Korruptionsskandals im Mai 2015 seinen Rücktritt als Präsident des Fußball-Weltverbands angekündigt und war Anfang 2016 von seinem Landsmann Infantino abgelöst worden. Seitdem kritisiert Blatter seinen Nachfolger scharf.
Infantino steht nun heftig in der Kritik. Der 56-Jährige wollte WM-Rechte an private Investoren verkaufen. Er musste dieses milliardenschwere Vorhaben, das vielerorts als Ausverkauf des Fußballs bezeichnet wurde, nach massivem Widerstand von Verbänden und der Öffentlichkeit wieder aufgeben.
Klaveness bekannt als kritische Stimme
Klaveness ist eine kritische Stimme im Weltfußball, die sich etwa für Frauenrechte einsetzt. Infantino will sich eigentlich am 18. März kommenden Jahres in Rabat (Marokko) für eine dritte und letzte Amtszeit von vier Jahren als FIFA-Chef wählen lassen. Kandidaten müssen bis zum 18. November ihre Bewerbung einreichen.
Derweil ist auch FIFA-Funktionär und Ex-Startrainer Arsène Wenger auf Distanz zu Infantino gegangen. Den Investorendeal fallen zu lassen, sei "absolut notwendig" gewesen, sagte der Franzose, der von den Plänen nach eigener Aussage nichts gewusst habe: "Ich war an diesem strategischen Plan nicht beteiligt und habe erst durch Medienberichte von dem Projekt erfahren."
Wenger ist bei der FIFA als Direktor für die globale Fußball-Entwicklung tätig. Wengers Stellungnahme erfolgte, nachdem sein Name in einem Schreiben der Anwälte der Europäischen Fußball-Union an Infantino aufgetaucht war. Darin hatte die UEFA die FIFA aufgefordert, die Daten und die Kommunikation von 18 Führungskräften als potenzielle Beweismittel zu sichern.
FIFA-Funktionäre gehen auf Abstand
Auch FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström distanzierte sich in einem internen Schreiben von Infantino. "Einzelpersonen, instabile Momente und unglückliche Vorfälle kommen und gehen", schrieb Grafström in einer unter anderem vom "Athletic" und Sky Sports zitierten Mail an Mitarbeiter des Weltverbandes: "Die Institution, ihre Mission und ihre Verantwortung gegenüber dem Weltfußball bestehen fort, und deshalb sollten wir stets unsere Professionalität, unseren Sinn für die richtigen Perspektiven und unsere Gelassenheit bewahren."
Infantino wurde in dem Schreiben zwar nicht namentlich erwähnt, jedoch wird direkt auf seine Idee der Gründung der Tochtergesellschaft FIFA Forward Enterprise (FFE) verwiesen - und die Kritik klingt deutlich durch. Grafström schrieb unter anderem von einer "traurigen und verwerflichen Abfolge von Ereignissen - die glücklicherweise damit endete, dass das FFE-Projekt endgültig aufgegeben wurde".


