Fußball

Ärger vor BVB-Spiel in BergamoFan-Ausschlüsse zwischen besorgniserregendem Trend und legitimer Handhabe

25.02.2026, 14:56 Uhr
imageVon Julie Bärthel
17-02-2026-Nordrhein-Westfalen-Dortmund-Fussball-Champions-League-Borussia-Dortmund-Atalanta-Bergamo-K-o-Runde-Zwischenrunde-Hinspiele-Signal-Iduna-Park-Dortmunds-Fans-protestieren-gegen-den-Ausschluss-von-Teilen-der-BVB-Fans-beim-Champions-League-Auswaertsspiel-bei-Atalanta-Bergamo
Ein Teil der Fanszene von Borussia Dortmund wird der Mannschaft beim Auswärtsspiel in Bergamo fehlen. (Foto: dpa)

Sinnvolle Regelungen oder eine Farce? Bei Fan-Ausschlüssen im Fußball gehen die Meinungen von Fans, Klubs und UEFA auseinander. Eine gängige Praxis, die dringend einer Entscheidung bedarf.

Neapel. London. Paris. Nizza. Was sich für viele Fußball-Fans nach Traumlosen für den eigenen Verein in europäischen Wettbewerben anhört, verlor in den vergangenen Jahren an Glanz und Attraktivität. Zu oft gerieten deutsche Fangruppen zuletzt in das Visier ausländischer Polizeibehörden, auch die deutsche Polizei sorgt für Unverständnis bei Klubs und Anhängern.

Das aktuellste Beispiel liefert der Fall der Dortmund-Fans vor dem Playoff-Rückspiel der Champions League im italienischen Bergamo (18.45 Uhr/DAZN und im ntv.de-Liveticker). Der BVB habe Kenntnis davon erhalten, "dass einigen BVB-Fans die Ausreise nach Italien verweigert wurde". Andere Anhänger des Tabellenzweiten der Fußball-Bundesliga seien in ihren Unterkünften in Italien von der Polizei aufgesucht worden. Die aktive Fanszene der Dortmunder habe sich deswegen dafür entschieden, der Partie fernzubleiben.

Dortmunder Fans wird Ausreise nach Italien verweigert

Die jüngste Auseinandersetzung von Behörden und Fanszene unterstreicht einen Trend, den das europäische Fanbündnis "Football Supporters Europe" (FSE) schon seit Monaten kritisiert. "Vereine und Behörden können sich nicht aussuchen, welche Regeln sie anwenden und welche sie ignorieren können. Die UEFA setzt sich dafür ein, dass Auswärtsfans die bestmöglichen Bedingungen vorfinden. Wenn sich jedoch einige Länder oder Städte weigern, sich an die Regeln zu halten und zugeben, dass sie für die Ausrichtung des Spiels nicht geeignet sind, muss dies Konsequenzen haben", forderte Martin Endemann von den FSE.

Auch beim BVB sei man von den Maßnahmen und Vorgehensweise überrascht. Detailliertere Hintergründe zu den stattgefundenen Maßnahmen vonseiten der Behörden seien dem Klub derzeit nicht bekannt. Man sei darüber im Vorfeld auch nicht informiert worden. "Bei aller Nachvollziehbarkeit einer sicherheitsorientierten Risikobewertung eines Fußballspiels ist Borussia Dortmund über die Reichweite und Dimension der ergriffenen polizeilichen Maßnahmen mehr als überrascht", teilte der Verein mit.

UEFA-Präsident Ceferin kündigt Regeländerung an

Bereits im März 2023 flammte die Debatte um Auswärtsspiele und Fan-Ausschlüsse auf und sorgte sogar für Kritik von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin. Der Slowene kündigte seinerzeit an, dass die Europäische Fußball-Union zukünftig einen Fan-Ausschluss nicht akzeptieren werde. "Wir müssen sagen, wenn so etwas passiert, wird dort nicht gespielt. Ganz einfach: Wir werden die Regeln ändern", sagte Ceferin damals dem ZDF.

Die Regeln wurden bis heute nicht geändert, und Fan-Ausschlüsse entwickeln sich offenbar zu einem probaten Mittel. Im November 2025 waren die Fans des deutschen Rekordmeisters betroffen. Das Spiel des FC Bayern München bei Paris St. Germain wurde zur "Farce", so die Verantwortlichen des FSE. Die Pariser Polizei hatte kurzfristig eine Allgemeinverfügung zur Regelung der Anreise der Fans und zur Einrichtung eines Bereichs mit polizeilichen Maßnahmen erlassen.

Bayern-Fans mit Problemen bei Gastspiel in Paris

Die Allgemeinverfügung betraf alle Fanbusse und sorgte dafür, dass sie sich vor dem Spiel an einer Mautstelle vor der Stadt sammeln mussten. Nach dem Spielende mussten alle zu ihren ursprünglich genutzten Transportmitteln zurückkehren. Die Busse wurden anschließend von der Polizei aus der Stadt begleitet.

Ein Folgeproblem: Durch die späte Ankunftszeit am Stadion verschoben sich laut FC Bayern auch die Lenkzeiten der Busfahrer. Eine mehrstündige Hängepartie ohne Weiterfahrt konnte nur abgewendet werden, da Verein und Fanklubs zusätzliche Busfahrer organisiert bekamen - der bayerische Unmut über Kommunikation und Handhabe blieb. Dennoch muss die Frage gestattet sein, ob es legitime Gründe für das Verhalten der Polizei und Behörden gibt.

Sorge um die Sicherheit nach wiederholten Krawallen

"Pyros, Randale und sogar der Hitlergruß: In Marseille sind Anhänger von Eintracht Frankfurt einmal mehr in Ausschreitungen verwickelt." So titelte im September 2022 die "Süddeutsche Zeitung". "Schlägereien, Fan stürzt ab. Kölns Europa-Spiel wegen Randale verzögert." lautete die ntv-Schlagzeile im selben Monat bei einem Spiel des 1. FC Kölns.

Fakt ist, dass es immer wieder zu Auseinandersetzungen rund um Fußballspiele kommt, auch unter Beteiligung von deutschen Fans. Eine Kritik, die sich die Vereine und Fanszenen gefallen lassen müssen, dennoch gehen die polizeilichen Maßnahmen über eine schiere Erhöhung der Polizeipräsenz weit hinaus. Die Reisefreiheit von Einzelpersonen wird eingeschränkt, friedliche Fans werden vorverurteilt, werden behandelt wie Straftäter.

VfB-Fans in Deventer wie "Schwerverbrecher" behandelt

Stuttgarts Vorstandsvorsitzender Alexander Wehrle reiste im November 2025 selbst mit den Fans zum Europa-League-Spiel bei den Go Ahead Eagles im niederländischen Deventer. Das Auftreten der dortigen Beamten veranlasste den VfB-Vorstand zu einem klaren Statement im RTL-Interview. "Sowas habe ich noch nie erlebt. Da können wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Das hat nichts mehr mit Fankultur zu tun. Die Fans nehmen sich doch frei. Die reisen an. Die wollen ein Fußballerlebnis haben. Und die werden erstmal behandelt wie Schwerverbrecher", monierte Wehrle.

"Beim Aussteigen haben sie erstmal einen Knüppel in den Rücken oder in den Nacken bekommen von der Polizei", hieß es weiter. Das dürfe sich so nicht wiederholen. Der Verein habe bei der UEFA umgehend Beschwerde eingelegt. Der VfB habe offiziell 489 Tickets für die Partie bekommen, "wie man das nicht managen kann, da mache ich viele Fragezeichen", kritisierte der VfB-Vorstand.

Petition der Fanklubs gegen Polizeigewalt verpufft

Die Verantwortlichen des Klubs und der niederländischen Behörden sahen sich im Recht und waren mit der Handhabe zufrieden, so Ron König, Bürgermeister von Deventer. Bis auf eine Petition "UEFA, es reicht! Setzt der Polizeigewalt an Fußballfans ein Ende!" von den offiziellen Fanklubs mit knapp 1018 Unterschriften kam es zu noch keiner Entscheidung hinsichtlich der Szenen in Deventer.

Bemüht um eine Entscheidung und einen Fortschritt im ewigen Streitthema Fan-Ausschlüsse hat sich Eintracht Frankfurt bereits im Oktober letzten Jahres. Die Südhessen hatten nach dem geplanten Ausschluss der eigenen Anhänger in Neapel einen Antrag eingereicht, das Champions-League-Spiel an einen neutralen Ort zu verlegen. Weniger als einen Monat vor der Partie hat die UEFA den Antrag Mitte Oktober 2025 abgelehnt.

Was Eintracht Frankfurts Vorstandsmitglied Philipp Reschke zu einer düsteren Prognose veranlasste: "Der völlig unterschiedliche Umgang der teilnehmenden Länder und Nationalverbände mit Hochrisikospielen an den jeweiligen Standorten ist mittlerweile zu einem echten Problem für die europäische Fankultur und die Integrität der europäischen Klubwettbewerbe geworden. Es kann nicht sein, dass an den meisten Standorten Gästefans selbstverständlich und trotz großer Herausforderungen willkommen bleiben und an einigen anderen Standorten, wie zuletzt vor allem in Frankreich und Italien, bei identischer Vorauslage und Gefährdung Gästefans schlicht behördlich ausgeschlossen werden", mahnte Reschke.

UEFA schiebt Entscheidung weiter vor sich her

Vor dem Spiel der Dortmunder in Bergamo wird sich ziemlich sicher keine Lösung mehr finden. Der BVB bedauert, dass ein Teil seiner Fans das Auswärtsspiel in Bergamo durch dieses zweifelhafte Verhalten der Behörden nicht im Stadion verfolgen kann. Ob eine Lösung im Nachgang gefunden wird, bleibt ebenfalls abzuwarten.

"Die Vermeidung von Reiseverboten für Fans war eines der Hauptthemen unserer jüngsten Sicherheitskonferenz, an der Behörden, Fanvertreter, Vereine und Nationalverbände teilnahmen", teilte die UEFA Ende September 2025 auf Anfrage der ARD-"Sportschau" mit. Während Zuständigkeiten und Entscheidungskompetenzen also weiter in einer latenten Schwammigkeit wabern, bleibt die Forderung der Fanvertreter eindeutig: "Fans haben dieselben Grundrechte wie alle anderen europäischen Bürger!"

Quelle: ntv.de

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