Fußball

Stehplätze, Alkohol, keine Gäste Fans droht eigenartige Rückkehr ins Stadion

imago0047462666h.jpg

Nach dem Restart bildeten Ersatzspieler und Team-Angehörige die Mehrzahl derer, die auf den Tribünen Platz nahmen.

(Foto: BEAUTIFUL SPORTS/WUNDERL/POOL)

Zur neuen Saison hoffen die Fußball-Bundesligisten, dass wieder Fans ins Stadion dürfen. Der Plan der DFL stößt schon vor seiner Verabschiedung bei den Anhängern auf Widerstand. Dabei geht es zunächst nur um einen Zeitraum bis Ende Oktober.

Keine Gäste-Fans in den Fußball-Stadien bis zum Jahresende und ein Stehplatz- und Alkoholverbot mindestens bis zum 31. Oktober. Der Plan der Deutschen Fußball-Liga für die Teilzulassung von Zuschauern zur neuen Saison in der 1. und 2. Bundesliga birgt viel Zündstoff. Und er zeigt den Anhängern, dass noch lange keine Normalität in den Stadien herrschen wird. Über die entsprechenden Anträge des DFL-Präsidiums entscheiden die 36 Profiklubs am kommenden Dienstag, dem 4. August, bei der virtuellen Außerordentlichen Mitgliederversammlung.

Unmut aus der Fan-Szene gibt es jetzt schon. Die DFL hatte einen Leitfaden für die Rückkehr der Anhänger in die Stadien erstellt und die Klubs aufgefordert, lokale Konzepte zu erarbeiten. Sie sieht Abstimmungsbedarf, "ob es mit Blick auf bestimmte Aspekte ein einheitliches Vorgehen aller Klubs geben sollte". Bei den Entscheidungen genügt eine einfache Mehrheit. Mit den Maßnahmen will die DFL das Infektionsrisiko bei Spielen in der Corona-Pandemie verringern.

Was passiert mit den Stehplätzen?

Das Thema Stehplätze gilt als besonders sensibel, da diese in manchen ausländischen Ligen wie der englischen Premier League abgeschafft wurden. Zudem befinden sich gerade dort die stimmgewaltigsten und treuesten Anhänger. "Das Bekenntnis der DFL zum Erhalt von Stehplätzen in den Stadien der Bundesliga und 2. Bundesliga hat unverändert Bestand", betont die DFL. Es gehe aber bei einem vorübergehenden Verzicht darum, die Einhaltung und die Kontrolle der Einhaltung von Abstands- und Hygienemaßnahmen zu erleichtern. Das Fan-Bündnis "Unsere Kurve" will keine Ungleichbehandlung von Zuschauern, "weshalb wir uns für die Zulassung von Gästefans aussprechen". Die DFL verweist darauf, dass am 31. Oktober die Corona-Verordnungen vieler Bundesländer auslaufen und man danach die Lage neu bewerten könne.

Dürfen Gäste-Fans ins Stadion?

Gemäß der Spielordnung stehen dem Gäste-Klub zehn Prozent der Eintrittskarten zu. Diese Regelung soll bis zum Jahresende ausgesetzt werden. "Dies würde dazu beitragen, das bundesweite Reiseaufkommen von Fans - teilweise in öffentlichen Verkehrsmitteln - zu reduzieren und dadurch das Infektionsrisiko zu verringern", erklärt die DFL und betont: "Außer Frage steht dabei, dass Auswärtsfahrten von Fans einen wichtigen Bestandteil der deutschen Fußballkultur ausmachen". Sig Zelt, Sprecher der Organisation "Pro Fans", gibt zu bedenken, dass Bürger ja auch Reisen unternehmen dürfen: "Was mich unterschwellig stört, ist, dass die Fans als Risikofaktor gesehen werden, die sich nicht benehmen können", sagte Zelt der Deutschen Presse-Agentur.

Welche Daten müssen Fans hinterlegen?

Beim Ticketverkauf sollen die Vereine dafür sorgen, dass Infektionsketten gegebenenfalls nachverfolgt werden können. Damit wolle man die Gesundheitsbehörden unterstützen. Details zur Umsetzung sollen den Klubs überlassen werden, gelten soll eine entsprechende Ergänzung der Spielordnung bis zum Jahresende. "Denkbar wäre zum Beispiel, dass ein Ticketkäufer beim Erwerb entsprechende Daten hinterlegt und dieser im Fall einer erlaubten Weitergabe eines Tickets auch die Daten des Ticketnutzers mit Blick auf eine mögliche spätere Nachverfolgung von Infektionsketten erfasst", so die DFL. "Unsere Kurve" warnt davor, neue Technologien der Überwachung "durch die Hintertür des Gesundheitsschutzes" einzuführen und mahnt: "Vereine und Verbände müssen sicherstellen, dass keine Weitergabe von erfassten Daten an die Sicherheitsbehörden erfolgt."

Gibt es ein Alkoholverbot?

Beim Alkoholausschank verweist die DFL darauf, dass dieser ohnehin nur mit ausdrücklicher Einwilligung der örtlichen Behörden möglich ist. Grundsätzlich erklärt die Dachorganisation in ihrer Mitteilung, dass alle Maßnahmen eine vorübergehende Anpassung seien, "um angesichts der andauernden pandemischen Lage die Einhaltung und die Kontrolle der Einhaltung von Abstands- und Hygienemaßnahmen in den Stadien zu erleichtern". "Unsere Kurve" fordert in ihrem Positionspapier: "Fans und Fanvertretungen müssen zwingend bei allen Prozessen um die Wiederzulassung von Publikum eingebunden sein. Sie können wichtiges Wissen zur Umsetzbarkeit von Hygienekonzepten in Tribünen-Bereichen beitragen."

Sie ist aber auch für gemeinsame Leitplanken, um einen "Flickenteppich an verschiedenen Vorgehensweisen" zu vermeiden. Die Organisation "Pro Fans", die im Gegensatz zu "Unsere Kurve" nicht in der AG Fankulturen der DFL und des DFB vertreten ist und die Ultra-Szene vertritt, sieht die ganze Vorgehensweise hingegen kritisch. "Uns erschließt sich nicht die Notwendigkeit, dass alle Klubs bei diesen Punkten gleich handeln müssen. Schließlich wird die Krise ja auch föderalistisch gemanagt", sagte Zelt.

Quelle: ntv.de, Ulrike John, dpa